Von Jörg Soldwisch, David Joram, Thomas Bachmann, Sebastian Stiekel, Jens Marx, Florian Lütticke
Lissabon - Einer der größten des Sports sagt leise Tschau: Fußball-Weltstar Cristiano Ronaldo (41) hat seine Karriere im portugiesischen Nationalteam gut einen Monat nach dem Eklat um seine Abreise aus dem Camp der Seleção mit einem emotionalen Video beendet.
"An die Menschen Portugals: Der Tag ist für mich gekommen, das Trikot unseres Nationalteams mit der Nummer 7 zurückzugeben", sagt Ronaldo untermalt von Musik zu Bildern seiner langen Laufbahn. "23 Jahre lang hatte ich das Privileg und die Verantwortung, es zu tragen, es zu verteidigen und es in die Stadien der ganzen Welt zu bringen."
In 234 Länderspielen für Portugal erzielte er 146 Tore: Das sind nur zwei Rekordmarken in seiner mehr als 20-jährigen Nationalmannschaftskarriere.
Die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko war Ronaldos sechste. Auch das ist ein Rekord, den er sich mit Lionel Messi (39) und dem Mexikaner Guillermo Ochoa (41) teilt.
Elfmal traf Ronaldo in 27 WM-Spielen, zum Gewinn des goldenen Pokals reichte es nie. Der EM-Titel 2016 und die beiden Nations-League-Triumphe 2019 und 2025 waren seine größten Erfolge mit der Nationalmannschaft.
Überschattet wird die lange Ära seit seinem Debüt für Portugal am 20. August 2003 aber von ihrem unrühmlichen Ende: Weil Ronaldo beim Nations-League-Spiel in Norwegen (2:1) nicht zum Einsatz kam und auch vier Tage später gegen Dänemark nur auf der Bank sitzen sollte, verließ er Ende September über Nacht das Teamquartier in Kopenhagen. Ein Eklat zwischen ihm und dem neuen Trainer Jorge Jesus (72), der sich nicht mehr reparieren ließ.
Trotz EM-Sieg von 2016: Portugal blieb mit Cristiano Ronaldo zu oft unter seinen Möglichkeiten
Der Trainer beim ersten Länderspiel des damals 18-jährigen Ronaldo hieß noch Luiz Felipe Scolari (77). Der wechselte ihn beim 1:0 gegen Kasachstan in der Halbzeitpause für Portugals damaligen Superstar Luís Figo (54) ein. Die EM 2004 im eigenen Land war Ronaldos erstes großes Turnier und endete mit einer sensationellen Endspiel-Niederlage gegen den Außenseiter Griechenland mit dem deutschen Trainer Otto Rehhagel (88).
Zwölf Jahre später erlebte Ronaldo seinen Höhepunkt im Nationalteam. Portugal wurde durch ein 1:0 nach Verlängerung in Paris gegen Frankreich Europameister und holte seinen ersten großen Titel. Ronaldo musste im Endspiel bereits nach 25 Minuten verletzt ausgewechselt werden. EM-Rekordmann ist er mit 30 Spielen und 14 Toren natürlich auch.
Bei der WM 2022 schien die Zeit Ronaldos in der Seleção das Quinas bereits beendet zu sein. Nach schwachen Leistungen in der Gruppenphase und einer Niederlage gegen Südkorea wurde der Star aus der Startelf genommen.
Doch Ronaldo gab nicht auf, kam in der Qualifikation zur EM 2024 zu seinem 197. Länderspieleinsatz und stellte damit einen Rekord auf. Zudem erzielte er in neun Qualifikationsspielen zehn Tore.
Die Diskussionen über seinen Status und ob er diesem Team auch mit über 40 noch helfen kann, gingen dennoch weiter. Die WM 2026 endete mit einem Achtelfinal-Aus gegen den Nachbarn Spanien. Zu häufig blieben die Portugiesen mit Ronaldo bei großen Turnieren unter ihren Möglichkeiten.