Berlin - Auweia, Union! Die Eisernen kassieren sieben Ohrfeigen von den Bayern. Das 0:7 ist die höchste Niederlage der Bundesligageschichte und gleichzeitig auch der schlechteste Saisonstart: nur ein Punkt aus den ersten vier Spielen, schon 17 (!) Gegentore.
Die Eisernen sind nicht die ersten, die eine Tracht Prügel bei den Bayern bekommen haben. Das ist vorher schon ganz anderen Mannschaften passiert und wird auch noch ganz anderen Mannschaften passieren.
Das Problem aber: Unions Gegentorflut ist nicht neu. Schon vor dem Bayern-Spiel kassierten die Köpenicker im Schnitt 3,33 Gegentore. Jetzt sind es 4,25.
"Wir sind noch nicht gefestigt, das muss man so ehrlich sagen. Wir sind noch in der Findungsphase", sagte Christopher Trimmel (39) bei Sky. In München sei man in dieser Verfassung chancenlos.
Das hat man in der Alianz Arena gesehen. Dabei hat es Union in den ersten 45 Minuten recht ordentlich gemacht. Dennoch stand es zur Pause bereits 0:3. Danach nahm das Unheil seinen Lauf. Die Bayern schraubten das Ergebnis ordentlich in die Höhe.
"Wir bekommen zu viele Tore und wir lassen zu viel zu. Wir müssen stabiler werden, das muss besser harmonieren", nennt der Kapitän das Kernproblem beim Namen: Die Defensivprobleme.
Union Berlin: Mauro Lustrinelli freut sich auf die Länderspielpause
Die Umstellung auf den Lustrinelli-Fußball beziehungsweise auf die Viererkette klappt noch nicht. Die einstige Kernkompetenz ist eine Schwachstelle geworden.
Für Panik ist es aber noch zu früh. Geduld ist weiterhin gefragt. Klar ist aber auch: Die Eisernen brauchen dringend ein Erfolgserlebnis.
Gegen Aufsteiger Elversberg ist jetzt schon Druck drauf. Kriegen die Hauptstädter auch da die Abwehrprobleme nicht in den Griff, ist die Krise endgültig da. "Jetzt versuchen wir gegen Elversberg eine breite Brust zu haben", sagte U21-Nationalspieler Tom Rothe. "Ich glaube trotzdem, dass wir auf einem guten Weg sind."
Davor aber steht erst einmal eine XXL-Länderpause an. Das dürfte den Union-Stars gar nicht mal so ungelegen kommen. "Ich freue mich auf die Pause", so Mauro Lustrinelli (50). "Es ist sehr wichtig, jetzt den Kopf freizulassen, dass die Spieler einige Tage für sich haben und wieder die Energie und Batterie laden. Dann kommen wir zurück und es geht weiter im Leben."
Der Meistermacher wird den eingeschlagenen Weg fortsetzen. "Ich habe schon vor ein paar Tagen gesagt, ich habe diese Metapher, dass das kleine Kind Fahrradfahren lernt", beschrieb der Coach den von ihm eingeleiteten Entwicklungsprozess in Berlin. "Im Moment ist es immer am Boden. Es muss einfach aufstehen und wieder nach vorne. Das ist das Einzige, was wir im Leben haben. Große Resilienz, Arbeit, das ist die tägliche Arbeit - und das mit Vertrauen."