Wirbel um Union-Star: Darum flog Trimmel nicht vom Platz

Berlin - War das schon das Tor zur Meisterschaft? Mit dem 1:0 über Union Berlin und dem erneuten Patzer der Bayern hat Bayer Leverkusen dank Florian Wirtz (20) eine Hand schon an der Schale. Auf 16 Punkte ist die Werkself nun schon enteilt. Schon nächste Woche kann alles klargemacht werden. Doch warum beendete Gegner Union das Spiel nicht zu neunt?

Der Unglücksrabe: Robin Gosens verlässt den Platz.
Der Unglücksrabe: Robin Gosens verlässt den Platz.  © Britta Pedersen/dpa

"Mein Plan war ein bisschen später", sagte Xabi Alonso (42) auf der Pressekonferenz. "Die Situation ist super, aber wir wollen noch nicht feiern. Wir warten ein bisschen."

Wer gehofft hatte Union würde das Meisterschaftstrennen zumindest ein wenig spannender machen, wurde schon früh enttäuscht. Die ersten 35 Minuten fanden die Eisernen überhaupt nicht statt. Der Spitzenreiter ließ Ball und Gegner lauf, erspielte sich Chance um Chance, ging aber zu fahrlässig mit ihnen um.

Union versuchte sich zwar auf seine Tugenden zu beschränken, tat sich aber vor allem im ersten Durchgang schwer im Spiel nach vorne Gefahr auszustrahlen. "Da kann man nur den Hut ziehen. Es macht unglaublich Spaß ihnen zuzuschauen, aber überhaupt kein Spaß gegen sie zu spielen", sagte Kapitän Christopher Trimmel (37).

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Erst in der achten Minute der Nachspielzeit der ersten Hälfte hatte der Spitzenreiter die Köpenicker dann endlich geknackt - nach einer wilden Schlussphase. Erst sah Robin Gosens (29) zurecht die Ampelkarte (45.+3), dann landete der Ball über Umwege irgendwie im Kasten der Berliner.

Zunächst aber meinte es Schiedsrichter Benjamin Brand (34) noch gut mit den Köpenickern. Der Treffer zählte wegen Abseits nicht. Allerdings hatten die Unioner die Rechnung ohne den VAR gemacht. Trimmel fuhr bei Hincapiés Versuch den Ellenbogen aus, lenkte die Kugel unmittelbar vor dem aberkannten Tor an den Innenpfosten.

Im Mittelpunkt des Geschehens: Schiedsrichter Benjamin Brand. Leverkusen fordert einen Elfmeter und bekommt ihn nach VAR-Hinweis.
Im Mittelpunkt des Geschehens: Schiedsrichter Benjamin Brand. Leverkusen fordert einen Elfmeter und bekommt ihn nach VAR-Hinweis.  © Tobias SCHWARZ / AFP

Trimmel: "Wenn der Ball sicher ins Tor gegangen wäre, dann wäre es Rot gewesen."

Christopher Trimmel hätte mit etwas Pech auch die rote Karte sehen können.
Christopher Trimmel hätte mit etwas Pech auch die rote Karte sehen können.  © Tobias SCHWARZ / AFP

Dem Unparteiischen reichte ein kurzer Blick am Monitor - Elfmeter. Wirtz verwandelte sicher (45.+8). Trimmel: "Ich war mir sicher, der geht sonst rein. Ich wusste nur, dass ich vorm Tor stehe, der Schuss kam und dann macht man es instinktiv. Das kann man fast gar nicht verhindern."

Es hätte gar noch schlimmer kommen können: "Ich hatte am Ende Glück, weil der Schiedsrichter so argumentiert hat, dass sie nicht sicher waren, ob der Ball so reingegangen wäre. Deswegen habe ich keinen roten Karton gesehen", so der 37-Jährige, dem bei der Rettungsaktion keine Absicht unterstellt wurde und er auch keine gelbe Karte sah.

"Es gab wohl eine Kameraeinstellung, bei der man sich nicht sicher war, ob der Ball im Tor gelandet wäre. Wenn der Ball sicher ins Tor gegangen wäre, dann wäre es Rot gewesen."

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Das besagt auch das Regelwerk: "Auch gibt es Handspiele, für die der Schiedsrichter sogar einen Feldverweis aussprechen muss, wie die rote Karte im Regeldeutsch heißt. Diese ist einem Spieler nämlich dann zu zeigen, wenn er durch ein absichtliches Handspiel ein klares Tor oder eine klare Torchance für den Gegner zunichtemacht", heißt es auf dfb.de

Statt zu neunt stemmte sich Union mit zehn Mann tapfer gegen die Niederlage. Und im zweiten Abschnitt wussten die Eisernen durchaus zu gefallen. Sie agierten nun mutiger, gaben nicht auf, wurden aber auch vom Spitzenreiter am Leben gelassen. Die Gäste verpassten mehrmals die Entscheidung.

"In der zweiten Halbzeit haben wir sogar mit einem Mann weniger sehr gut verteidigt und waren immer wieder durch Ecken oder lange Einwürfe gefährlich", sagte Trainer Nenad Bjelica (52). Um Lukas Hradecky (34) richtig gefährlich zu werden, reichte es allerdings nicht. "Am Schluss steht es 0:1. Wir können Gegner nur zum Sieg gratulieren - und auch zum Titel!"

Bei Union hingegen geht der Blick wieder etwas mehr in Richtung Tabellenkeller. Mit sechs Punkten hat man aber immer noch einen komfortablen Vorsprung auf Mainz und den Relegationsrang 16.

Titelfoto: Tobias SCHWARZ / AFP

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