Union-Berlin-Blog: Ausverkauft in Rathenow

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Berlin - Eisern: In einer Personal-Union aus drei waschechten Berliner Fußball-Fan-Originalen gibt es bei TAG24 den Union-Berlin-Blog.

Christian Beeck, Jürgen Heinemann und Tobias Saalfeld.
Christian Beeck, Jürgen Heinemann und Tobias Saalfeld.  © Archiv

Die Autoren:

Icke (Jürgen Heinemann) ist seit Mitte der Siebzigerjahre Unioner und als Betriebswirt seit über 30 Jahren im Vertrieb tätig. Er ist verheiratet und hat ein erwachsenes Kind. Icke lebt heute in Grünheide und schreibt hier als Gründer des Blogs.

Unionfux (Tobias Saalfeld) ist seit über 40 Jahren Unioner, er arbeitet als Freischaffender für Bühne, Funk und Fernsehen, auch dort schreibt er.

Wüste statt Kolosseum: Union-Star Leite vor überraschendem Wechsel?
1. FC Union Berlin Wüste statt Kolosseum: Union-Star Leite vor überraschendem Wechsel?

Beecke (Christian Beeck), Ex-Bundesliga-Spieler (Hansa, Cottbus), Ex-Union-Manager, 21 Länderspiele für DDR-Junioren, stammt aus dem eigenen Nachwuchs von Union. Beecke hat zwei Kinder. In unserem Union-Blog fungiert Beecke als Berater.

1. Juli: Ausverkauft in Rathenow

Der 1. FC Union Berlin bereitet sich auf sein erstes Freundschaftsspiel vor.
Der 1. FC Union Berlin bereitet sich auf sein erstes Freundschaftsspiel vor.  © Soeren Stache/dpa

UnionfuxAm Wochenende stehen schon die ersten Freundschaftsspiele an, am Samstag beim Oberligisten Optik Rathenow, mit dem unfassbar-ewigen Ingo Kahlisch an der Seitenlinie, der doch tatsächlich seit Juli 1989 dort Trainer ist (da reden alle von Frank Schmidt, aber der ist gerade halbsolang in Heidenheim), übrigens ist die Partie tatsächlich schon ausverkauft (und Sonntag geht’s nach Lübben, die mittlerweile nur noch in der Landesklasse antreten.

Da kann Trainer Mauro Lustrinelli, der nach eigenem Bekunden sich schon nach wenigen Tagen so heimisch fühlt, als wäre er schon mehrere Monate hier, dann erste Eindrücke vertiefen und schon mal darüber nachgrübeln, ob er auch unser beinahe traditionelles kreatives Loch im Mittelfeld sieht und was man so dagegen unternehmen könnte. Laszlo Benes wird jedenfalls nicht die Lösung sein, denn der hat gerade bei KAA Gent unterschrieben, die Belgier haben ihm gleich einen Vierjahresvertrag offeriert, für ihn sicherlich eine nachvollziehbare Entscheidung, dazu ist Gent nicht die schlechteste sportliche Adresse und eine schöne Stadt zudem. 

Wir kassieren, dem berühmten Vernehmen nach, relativ überschaubare 1,1 Millionen, von uns hatte der HSV seinerzeit drei Millionen kassiert, ein weiteres Minusgeschäft, verbunden mit der Frage: Was haben wir uns wohl seinerzeit dabei gedacht? Eine richtige Chance hat der Slowake bei uns leider nie bekommen, schwer zu sagen, wer jetzt daran welchen Anteil hat, eine Erfolgsstory sieht jedoch definitiv anders aus, für alle Seiten, mit Ausnahme von Gent natürlich, die ziemlich preiswert einen passablen Spieler bekommen. 

Union Berlin: Holt Lustrinelli einen seiner Meister-Schüler nach Köpenick?
1. FC Union Berlin Union Berlin: Holt Lustrinelli einen seiner Meister-Schüler nach Köpenick?

Ist jetzt der Weg frei für Kastriot Imeri von den Young Boys Bern, der letzte Saison mit Lustrinelli und dem FC Thun ausgeliehenerweise Meister geworden ist? Thun hat die Kaufoption nicht gezogen, da zu teuer, in Bern will er wohl nicht bleiben und Lustrinelli weiß, was der technisch starke Spielgestalter kann. Gut, unsere Erfahrungen mit Spielern aus der Schweiz sind bisher ziemlich bescheiden, aber für höhere Regale dürfte uns einfach das Geld fehlen. Mal sehen, ob sich das Gerücht also bewahrheitet und ob der Junge dann die Bundesliga packt. 

Endgültig klar ist hingegen, dass Stanley Nsoki bei uns bleibt, wie ja schon seit Wochen gemunkelt wurde, die Hoffenheimer bekommen anderthalb Millionen (und haben selbst satte zwölf bezahlt) und wir den Linksfuß, der in der vergangenen Spielzeit auch nur vierzehnmal auflief und dabei beileibe nicht immer überzeugen konnte, auch wenn besonders seine Grundschnelligkeit und die zwei hervorragenden Torvorlagen in Stuttgart und Freiburg positiv aufgefallen sind. Die Frage ist natürlich: kriegt man für das Geld denn einen besseren linksfüßigen Innenverteidiger mit ähnlicher Erstligaerfahrung oder ist der Franzose eigentlich doch für alle sichtbar durchgefallen und wir kaufen trotzdem, aus unerfindlichen Gründen, wie schon bei Jeong vor Jahresfrist? 

Die Zukunft wird’s zeigen, aber momentan hat man da begründet gemischte Gefühle. Schon bei Marvin Friedrich gibt es so einige Fragezeichen, jetzt noch Nsoki - sind das etwa nur ordentliche Backups, aber nichts für ein dringend benötigtes Abwehrbollwerk? Optimismus muss man da schon mitbringen und die Transfers der letzten Jahre haben überdies eine gewisse Grundskepsis erzeugt, ist ja nicht so, dass bei uns überwiegend das Goldene Händchen regiert, das einen beruhigt "Die Verantwortlichen werden’s schon wissen …" wispern lässt. 

Doch nun sieht unsere Innenverteidigung nun mal so aus und wenn nicht Querfeld noch überraschend das Weite suchen sollte, ist da auch kein weiterer Neuzugang zu erwarten. 

Hoffentlich ist der Qualitätsverlust nicht allzu hoch, beispielsweise traue ich lediglich van den Bosch zu, Doekhi halbwegs zu ersetzen, bei den anderen denke ich, dass sie wohl nicht diese Qualität mitbringen, sollte nicht ein Wunder passieren oder Lustrinelli wirklich zaubern können. Insofern: lediglich verhaltener Jubel. 

Ansonsten freuen wir uns, dass der (wirklich relevante) Ball wieder rollt, wenn auch nur unter Testspielbedingungen - und alles andere wird sich in den nächsten Wochen zeigen. 

1. Juli: Blamieren, Schönreden und Abducken

Nach dem bitteren Aus für die DFB-Elf ist eine Prognose für die Zukunft des deutschen Fußballs reine Spekulation.
Nach dem bitteren Aus für die DFB-Elf ist eine Prognose für die Zukunft des deutschen Fußballs reine Spekulation.  © Marcus Brandt/dpa

Icke: Mein Gott, was habe ich mich geärgert. Aber ich bin ja selbst schuld. Ich hatte die Möglichkeit eines Ausscheidens der Deutschen gegen Paraguay gar nicht in Betracht gezogen. Eigentlich ist das ja auch unmöglich. 947 Millionen spielten gegen 154 Millionen – so die Marktwerte der Spieler. Und doch geschah es. Dafür haben sich Millionen die halbe Nacht um die Ohren geschlagen, um dann natürlich nach dem Spiel auch nicht sofort einschlafen zu können. Zu irreal war das alles. Das Wort Blamage trifft es kaum.

Und dann stellt sich unser Bundeskanzler auch noch hin und lobt die deutsche Mannschaft. Echt jetzt? Ja leider, es scheint ein Spiegelbild der aktuellen Politik zu sein. Zitat: "Mit Eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt Ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf Euch." Ich dachte erst, das sei eine Fake-Meldung. Nein, das hat er wirklich gesagt bzw. in seinem Namen veröffentlichen lassen. Mir fehlen die Worte, wenn das unser Anspruchsdenken sein soll.

Die Mannschaft blamiert sich bis auf die Knochen, die Politik redet das auch noch schön … dann fehlt nur noch der DFB. Der duckt sich einfach weg. Keine Pressekonferenz, keine Informationen, nein nur eine vorbereitete und inhaltlich vertröstende Erklärung des DFB-Oberhauptes. Ja natürlich ist es ihnen peinlich und unangenehm, zu diesem Fiasko Stellung zu beziehen. Wahrscheinlich wissen sie noch gar nicht, mit welchen Reaktionen sie überhaupt reagieren müssen. Alles verständlich, aber nicht zu akzeptieren. Das ist einfach nur feige.

Zum Spiel selbst lohnt es sich kaum, etwas zu schreiben. Es ist auch völlig überflüssig. Gegen Paraguay muss eine deutsche Mannschaft einfach gewinnen. Ob in der normalen Spielzeit, der Verlängerung oder dann auch im Elfmeterschießen. Da ist es auch ganz unerheblich, dass das Tor von Tah vom Schiedsrichter zurückgenommen wurde. Ein hier auch ganz schlimmer Fehler. Es war ein ganz klares Tor. Ohne Wenn und Aber. Kaum ein Spieler bei uns erreichte seine Normalform. Mehr muss man dazu gar nicht berichten. Paraguay schlägt Deutschland bei einer WM im Elfmeterschießen. Ich glaube es fast immer noch nicht.

Ähnlich wie beim Union-Trainer Steffen Baumgart wurde der Vertrag von Nagelsmann im Januar dieses Jahres verlängert. Nur bei Nagelsmann sprechen wir hier gleich mal über 14 (!) Millionen Euro für 2 Jahre. Unglaublich! Nein, Nagelsmann kann und darf nicht weitermachen. Seine eigenen Statements nach schlechten Spielen bei dieser WM haben gezeigt, er ist klar überfordert. Alles andere als das Klopp übernimmt, wäre jetzt wieder ein Fehler. Warten wir es ab. Und an dieser Stelle – 1 Tag nach dem Debakel – mehr über den deutschen Fußball zu schreiben, wäre wohl auch falsch. Eisern.

29. Juni: Endlich - es geht wieder los!

Auf Horst Heldt (56, l.) und Mauro Lustrinelli (50) wartet noch eine Menge Arbeit bei Union Berlin.
Auf Horst Heldt (56, l.) und Mauro Lustrinelli (50) wartet noch eine Menge Arbeit bei Union Berlin.  © Soeren Stache/dpa

Unionfux: Am heutigen Montag startet die Mannschaft in die neue Spielzeit, die ersten zwei Tage gehören den üblichen Untersuchungen und Tests, erst am Mittwoch steht die erste Trainingseinheit unter Mauro Lustrinelli an, zum Glück hat sich das Wetter rechtzeitig eingekriegt, denn ernsthafte Arbeit ist bei vierzig Grad kaum möglich.

Wir stehen, wieder einmal, vor einem Neuanfang, einem Umbruch. Noch ist nicht klar, wie groß der ausfällt, wieviel der Schweizer Meistertrainer ändern will und letztlich kann. Bis jetzt hat sich nur die Innenverteidigung verändert, Friedrich und Van den Bosch sollen Leite und Doekhi ersetzen, höchstwahrscheinlich wird auch Nsoki fest verpflichtet, ansonsten gibt es höchstens Gerüchte. Eins davon besagt, dass sich der Wechsel von WM-Fahrer Khedira zu Borussia Mönchengladbach angeblich erledigt hat.

Erst wenn der wirkliche Kader einigermaßen steht, wird klar werden, inwieweit Lustrinelli aus dem spielerisch hässlichen Entlein einen passablen Schwan machen kann. Und andererseits: so wichtig diese Revolution auch ist - wir müssen hoffen, dass Lustrinelli ein Revolutionär mit Augenmaß ist, der die Fortschritte den Möglichkeiten anpasst, daran erkennt man den wirklich guten Trainer.

Es wäre großartig, wenn wir in dieser Saison die notwendigen Schritte nach vorn machen könnten und das Gewurschtel und die Unruhe der letzten drei Jahre, obwohl es ja irgendwie immer noch gut gegangen ist, hinter uns lassen würden, damit die Bundesliga uns erhalten bleibt oder auch wir der Bundesliga. Denn irgendwann, Beispiele gibt es zuhauf, sogar in dieser Stadt, geht's eben nicht mehr glimpflich aus. Ich weiß schon, dass viele glauben, dass spielerisch schwacher Fussball irgendwie zur Union-DNA gehört - ich halte das für einen Mythos, eine wohlfeile Entschuldigung für allzu schwer zu ertragende Darbietungen. Erfolgreich aber, auch im Sinne des bloßen Klassenerhalts, kann das auf Dauer nicht sein. Ewig die gleichen Fehler kann sich kein Klub erlauben.

Vielleicht ist ja Mauro Lustrinelli der Trainer, der wirklich zu uns passt und mit hohem Identifikationspotential, der in den nächsten Jahren eine neue Ära prägt und vielleicht schafft im gleichen Atemzug Horst Heldt endlich einen wirklich funktionierenden Kader zu formen inklusive einiger Glücksgriffe, die zweifellos nötig sind, auch wenn unsere finanziellen Spielräume eher eng ausfallen und mit lukrativen Verkäufen eher nicht zu rechnen ist. Von beispielsweise erstaunlichen fünfundfünfzig Millionen plus Boni, die Eintracht Frankfurt demnächst für Linksverteidiger Nathaniel Brown von den Bayern einstreicht, können wir nur träumen. Insofern werden die nächsten Wochen wirklich spannend, auch wenn man ein erstes Fazit frühestens nach zehn Spieltagen, irgendwann im November also, ziehen kann. Im Moment kann man nicht mal spekulieren, wohin die Reise in Zukunft geht - sich freuen hingegen schon, dass es wieder losgeht.

In den vergangenen Tagen ist durchgesickert, dass Diogo Leite, zwar über Jahre angeblich gejagt von europäischen Topvereinen, seltsamerweise jedoch erfolglos, nach Saudi Arabien wechseln will, zum dortigen Aufsteiger Al-Diriyah, immerhin trainiert von Alfred Schreuder. Das allgemeine Kopfschütteln ist groß, zu uninteressant scheint die sportliche Herausforderung und Leite ist doch erst siebenundzwanzig. 

Allerdings wird bei den Saudis weit über den Durchschnitt entlohnt, nicht umsonst spielen dort solche Leute wie Mane und Coman, von Ronaldo und Benzema ganz zu schweigen. Ähnliches hat ja schon in China funktioniert, auch wenn die goldenen Jahre dort der Vergangenheit angehören. Ich kann jeden verstehen, der ab einer bestimmten Summe schwach wird, in wenigen Jahren finanziell ausgesorgt zu haben, das ist nun mal verlockend. Außerdem geht's im Profifussball immer noch ums Geld und das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten sogar noch weiter in den Vordergrund geschoben - und alle machen mit (inklusive der Fans), was sollen sie auch sonst tun? Kann man natürlich anders sehen, aber das ist wohl nur fussballromantische Augenwischerei. Und nicht zuletzt bin ich über jeden Ex-Unioner froh, der in Zukunft nicht ausgerechnet gegen uns über sich hinauswächst. 

So, und nun auf in die Ära Lustrinelli - (hoffentlich) Trainergott!

28. Juni: Deutschland gegen Paraguay in der ersten KO-Runde

Hoffnungsträger und Fanliebling: Deniz Undav (29).
Hoffnungsträger und Fanliebling: Deniz Undav (29).  © Christian Charisius/dpa

Icke: Am Montag um 22.30 Uhr gilt es. Wir treffen im 1.KO-Spiel auf Paraguay. Zur WM 2002 hatte Rudi Völler mit Deutschland die gleiche Ansetzung. Auch in der KO-Runde. Deutschland quälte sich zu einem 1:0-Sieg. Man muss befürchten, dass es keinen Kantersieg der Deutschen gibt. Paraguay wird das Spiel gegen Ecuador genau analysiert haben. Sie haben auch schnelle Spieler. Wenn sie nun körperlich genauso aggressiv gegen die deutschen Spieler agieren, dann sehen wir ein spannendes Spiel.

Linksverteidiger Brown soll wieder fit sein. Er wird für Raum spielen. Und natürlich Rüdiger wieder im Abwehrzentrum. Wir müssen befürchten, dass das alle Änderungen im deutschen Spiel sein werden. Mehr traut sich Nagelsmann (anscheinend) nicht. Ich würde – als Lehre aus den 3 Spielen - mehr ändern. Brown als rechten Verteidiger ranlassen und Raum links belassen. Beide sind defensiv stärker als Kimmich. Und Kimmich selbst auf die "6" an die Seite von Nmecha stellen. Pavlovic hat keine gute Form. Und vorn? Auch da würde ich etwas ändern. Undav für Sane reinnehmen. Das würde dann bedeuten: Havertz als hängende "9", Undav ganz nach vorn. Und beide flankiert von Wirtz und Musiala. Das halte ich für stärker. Eine andere Alternative wäre für hinten Thiaw. Der kann auch rechts verteidigen, dann würde Brwon nach links reinrotieren. So viel Mut zur Veränderung hat der Bundestrainer nicht. Allerdings, Paraguay sollten wir schlagen können. Und geht es dann irgendwann gegen Frankreich, reicht unser bisheriges auftreten nicht aus. Dann müssen wir sowieso Dinge ändern. Ergo lieber gegen Paraguay Neues einüben.

Paraguay hat im gesamten Kader überhaupt nur 5 Spieler, deren Marktwerte im zweistelligen Millionenbereich liegen: Der bei uns bekannte Alderete (13 Mio.), der mal bei Hertha linker Innenverteidiger spielte. Gomez (25) von Brighton und Enciso aus Straßburg (25). Beide sind im offensiven Mittelfeld zu Hause, aber variabel einsetzbar. Mauricio (15) von Palmeras spielt am liebsten auf der "10". Sein Club-Kamerad Sosa spielt dann vor ihm - als "hängende 9". Beide verstehen sich natürlich blind.

Und jetzt kommt die Gefährlichkeit von Paraguay für uns. Die haben zwar nicht diese Abwehr-Stars wie die Elfenbeinküste in ihren Reihen. Aber sie setzen hauptsächlich auf ihre starke und eingespielte Defensive im Verbund. Brasilien und Argentinien können ein Lied davon singen. Beide verloren gegen Paraguay in der Südamerika-Qualifikation. Sie können problemlos 90 Minuten verteidigen. Und dann bekommen sie 6-, 7- oder 8-mal den Ball zum schnellen Umkehrspiel. Gnade Gott, wenn der Gegner zuvor eingeschläfert wurde und eben nicht hellwach ist. Dann schlägt man Brasilien und Argentinien und wie gerade gesehen ... auch die Türkei.

Wenn aber die Deutschen sich zusammenreißen, kämpfen, dagegenhalten und Musiala und Wirtz endlich anfangen Fußball zu spielen, dann gewinnen wir das Match klar und problemlos. Wir haben ganz andere und höhere Potentiale als die Südamerikaner. Nur abrufen müssen wir diese! Eisern.

26. Juni: Ecuador schlägt Deutschland verdient mit 2:1

Deutschlands Aleksandar Pavlovic (l.) und der Ecuadorianer Pedro Vite kämpfen um den Ball.
Deutschlands Aleksandar Pavlovic (l.) und der Ecuadorianer Pedro Vite kämpfen um den Ball.  © Yuki Iwamura/AP/dpa

Icke: Ja wir haben zu Recht verloren. Ecuador wollte den Sieg und kämpfte. Das ging uns schon einmal ab. Nein, nicht der Kampf an sich, sondern das köperbetonte Spiel. Wir hielten mit Ausnahme von Tah und Rüdiger nicht dagegen. Eine kleine Körperberührung oder ein Schupser und wir fielen um wie die Fliegen. So gewinnst du bei der Weltmeisterschaft kein einziges Spiel mehr. Ganz anders die Südamerikaner. Sie hatten die richtige Einstellung und kämpften um jeden Zentimeter.

Die Schiedsrichterin Tori Penso aus den USA pfiff sehr gut. Ließ Vieles laufen, was nicht bösartig war und dem Spiel guttat. Nur einen Fehler machte sie. Das deutsche Tor zum 1:0 in der 2. Minute hätte nicht zählen dürfen. Pavlovic hatte sein Bein auf Kopfhöhe seines Gegenspielers und traf ihn auch. Seine Weiterleitung zu Wirtz und dessen Zuspiel zu Sane, der einnetzte, waren dann wieder sehr gut. Aber eben – Fuß am Kopf – muss gepfiffen werden. Da haben wir Glück gehabt. Es dauerte aber nur bis zu 9. Minute, da glich Ecuador aus. Angulo schnappte sich den Ball, nach einem katastrophalen Fehler von Nmecha (der sich den Ball wie ein Schuljunge abnehmen lässt) und lässt Neuer im rechten Winkel keine Chance. Einige Gazetten berichten über einen Fehler von Neuer. Das ist lächerlich. Kein Torwart der Welt hätte diesen Ball gehalten.

Nun bekamen die Südamerikaner Aufwind. Schnürten die Deutschen teilweise im eigenen Strafraum ein. Tah und Rüdiger hielten zum Glück dagegen. Sie fielen nicht sofort um, wenn der Luftzug eines Gegenspielers in die Nähe eines deutschen Fußballers kam. Wir erholten uns zwar teilweise wieder und es war sichtbar, dass wir ein schnelles Angriffsspiel aufbauen wollten, aber unserer Abteilung Attacke, in Form von Wirtz und Musiala, wurde immer wieder der Schneid abgekauft. Sie spielten ohne Körper. Sane, Nmecha und Havertz muss man dabei ausnehmen. Sie versuchten wenigstens dagegen zu halten. Wenn dann aber auch noch die Passgenauigkeit fehlt, dann sind wir ohne jegliche Chane. Kimmich als Kapitän versuchte den Kampf, nur durchsetzen konnte er sich nicht. Pavlovic stand völlig neben seinen Schuhen und auch Raum verlor sich und machte ebenfalls kein gutes Spiel. Nagelsmann sah das natürlich auch und brachte zur Halbzeit Stiller für Pavlovic. In der 60. Minute auch noch Thiaw für Kimmich und Undav. Mit Thiaw wollte er die rechte Seite schließen. Und Undav? Seine Tor-Einwechslungen klappen eben nicht immer. Diesmal ging er mit der ganzen Mannschaft unter.

Und dann kam – neben der fehlenden Körperlichkeit bei uns – Kardinalfehler Nummer zwei. In der 64. Und in der 73. Minute meinte unser Trainer dann, noch einmal zwei Spieler wechseln zu müssen. Mit den erneuten Wechseln von Groß und Beier für Wirtz und Nmecha ging die letzte Ordnung verloren. Folgerichtig klingelte es in der 77. Minute bei uns. Plata hielt nur einen Fuß zwischen Neuer und Tah. Frei nach dem Motto "nimm du ihn, ich habe ihn sicher". Das 2:1 von Ecuador war trotzdem verdient. Man kann auch sagen, die Leidenschaft auf dem Feld hat das Spiel gewonnen.

Nach dem Spiel äußerte sich Nagelsmann mehrmals patzig. Ja, nach diesem Spiel darf er auch angefressen sein. Seine Wechselfehler, mit der er die deutsche Grund-Ordnung beseitigte, wird er vielleicht später zugeben. Warum aber unsere Spieler nicht richtig körperlich dagegen halten konnten, ist wohl eine Einstellungsfrage. Ich glaube schon, dass sich das im nächsten K.o.-Spiel ändern wird. Noch ein Wort zum Brandenburger Beier, er zerrte ordentlich an seinen Ketten. War sichtbar fleißig und versuchte viel. Beier war noch einer der Lichtblicke bei den Einwechsel-Spielern. Und trotzdem hätte es Nagelsmann bei den ersten drei Wechseln belassen müssen. Union-Beteiligungen bei diesem Spiel gab es keine. Khedira verlor sein Spiel gegen Holland mit 1:3 und kommt wahrscheinlich bald zurück. Eisern.

23. Juni: Vor vierzig Jahren - Union gegen Uerdingen

Vor 40 Jahren fand das wohl einzige offizielle Spiel des 1. FC Union gegen einen Bundesligisten in DDR-Zeiten statt.
Vor 40 Jahren fand das wohl einzige offizielle Spiel des 1. FC Union gegen einen Bundesligisten in DDR-Zeiten statt.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Unionfux: Am vergangenen Sonntag jährt sich zum vierzigsten Mal eine nahezu einzigartige Begegnung, meines Wissens das einzige offizielle Spiel des 1. FC Union gegen einen Bundesligisten zu DDR-Zeiten: Bayer Uerdingen gastiert in der Alten Försterei. Wie kommt es überhaupt dazu?

Nach dem neuerlichen Aufstieg spielt Union 1985/86 eine seiner besten Spielzeiten in der DDR-Oberliga, für mich in meiner bis dato siebenjährigen Uniongeschichte fast sowas wie ein Schock - soviel Erfolg bin ich bis dahin einfach nicht gewohnt, schon allein, dass am Ende mit Ralf Sträßer ein Unioner (nun ja...) Torschützenkönig wird, fünf Spieltage vor Saisonende stehen wir auf Platz drei der Tabelle und kurze Zeit später sogar im Pokalfinale - spielt Union etwa wirklich international? Es ist zum Greifen nah, nach unserem 68er-Pokalsieg war uns ja, wie allgemein bekannt, die Möglichkeit, aus politischen Gründen, genommen worden, das würde diesmal wohl nicht passieren.

Doch dann holen wir aus den letzten fünf Spielen nur noch schmale zwei Punkte (statt möglicher zehn) und das Pokalfinale verlieren wir mit 1:5 gegen Lok Leipzig und ausgeträumt ist der Traum der europäischen Wettbewerbe - fast. Denn wir werden, schon etwas überraschend, für den Intertoto-Cup (später UI-Cup) nominiert, der lange Jahre über die Sommermonate stattfindet, damit die Sportwettenanbieter was zu wetten kriegen und so die Saure-Gurken-Zeit ein wenig überbrücken können. Na, wenigstens etwas. Und als nach der Auslosung klar ist, dass wir, in diesem Wettbewerb ziemlich ungewöhnlich, nur namhafte Gegner aus dem Westen haben (und nicht etwa „nur“ Siofok aus Ungarn, Cheb aus der Tschechoslowakei oder Zabrze aus Polen), mit Standard Lüttich (Dritter in Belgien), Lausanne Sports (Sechster in der Schweiz) und - Bayer Uerdingen!

Und das ist schon was, denn die Uerdinger befinden sich seinerzeit in der besten und erfolgreichen Phase ihre gesamten Geschichte, sie haben ein Jahr zuvor überraschend gegen Bayern München den DFB-Pokal gewonnen (im Europapokal der Pokalsieger schlagen sie noch im März 86 Dresden in einem legendären Match 7:3 und fliegen dann erst im Halbfinale gegen Atletico Madrid raus), sind in der aktuellen Spielzeit sogar Dritter in der Meisterschaft geworden (hinter Bayern und Werder Bremen) und somit für den UEFA-Cup qualifiziert. Warum sie trotzdem Intertoto-Cup spielen - keine Ahnung, das Wie und Warum ist ohnehin schwer durchschaubar, denn im gleichen Wettbewerb tritt zum Beispiel Carl Zeiss Jena gegen den 1. FC Saarbrücken an - und der ist seinerzeit gerade aus der Bundesliga abgestiegen, wie auch Hannover 96, die ebenfalls in diesem Wettbewerb auftauchen (außerdem noch der Tabellenvierzehnte Fortuna Düsseldorf). Es ist wohl so, dass die jeweiligen Verbände die teilnehmenden Mannschaften nach jeweils eigenen Kriterien melden und keine wirkliche Qualifikation nötig ist.

Der DFV nominiert jedenfalls den FC Carl Zeiss Jena (Saisondritter), 1. FC Magdeburg (Vierter) und Rot-Weiß Erfurt (Tabellenzehnter) - und uns, auch hier ist das Ganze nicht so recht schlüssig, aber wir nehmen das nur allzu gern mit und letztlich bleibt es der einzige Auftritt in einem europäischen Tournament des 1. FC Union bis zur Wiedervereinigung.

Und Bayer Uerdingen, damals auch noch von den solventen Bayer-Werken gesponsert, ist, wie gesagt, alles andere als Laufkundschaft, fraglos der prominenteste und hochwertigste Teilnehmer in diesem Jahr in diesem Wettbewerb, mit Spielern wie den Funkel-Brüdern Wolfgang und Friedhelm, Atli Edvaldsson, Rudi Bommer und Stefan Kuntz, zudem eben ein Bundesligist - und deutsch-deutsche Begegnungen haben zu jener Zeit sowieso immer etwas Besonderes, fast jeder Fussballfan in der DDR interessiert sich für die Bundesliga und drückt irgendeiner Mannschaft dort die Daumen, wenn wahrscheinlich auch die Wenigsten für Bayer Uerdingen, vielleicht zum Glück, denn bei Mannschaften wie Borussia Mönchengladbach, Schalke 04 oder HSV hätten sich wohl Fans aus der ganzen Republik um die Eintrittskarten gekloppt, denn solche seltene Möglichkeiten lässt man sich in der Regel nicht entgehen.

Für uns Unioner ist es jedenfalls ein echtes Ereignis, da wir ja international kaum jemals dabei sind - und Freundschaftsspiele mit Bundesligisten gibt es allgemein damals nur sehr selten (ich hab durch Zufall tatsächlich mal ein Testspiel zwischen dem Serienmeister und dem VfB Stuttgart an einem schweinekalten späten Dienstagnachmittag im Dezember 1981 im Jahn-Tierpark miterlebt, das wurde ganz bewusst nicht an die große Glocke gehängt, trotzdem waren 25000 da - nebenbei: ein Ticket von diesem Spiel steht gerade bei eBay für 40 Euro zum Verkauf - ich hab meins leider nicht mehr…) und für unseren Verein gleich gar nicht.

Kein Wunder also, dass ein ziemlicher Run auf die Tickets einsetzt, genauer gesagt, speziell für dieses Spiel. Ich stehe geduldig mehrere Stunden an einem Kassenhäuschen an der Waldseite an, habe dann aber überglücklich Karten für dieses Spiel der Spiele, kaufe natürlich für alle drei Begegnungen, das tun längst nicht alle, gegen Lausanne und Lüttich sind dann lediglich zwölf- bzw. fünfzehntausend Zuschauer im Stadion.

Gegen Bayer Uerdingen jedoch platzt die Alte Försterei aus sämtlichen Nähten, das offizielle Fassungsvermögen liegt damals sogar bei 25500, der eine oder andere ist zudem einfach übern Zaun gestiegen, es mögen vielleicht 26000 plus sein, währenddessen offizielle Zahlen zwischen 20500 und 23000 variieren. Ich habe jedenfalls nie wieder so eng gestanden wie an diesem heißen Junisamstag im Jahr 1986, ähnlich voll ist es nur noch beim Entscheidungsspiel zwei Jahre zuvor gegen Chemie Leipzig, diese Heimspielrekorde werden erst mit dem Stadionneubau gebrochen werden.

Aber es lohnt sich für dieses tolle Spiel, in welchem Union (mit u.a. Matthies, Probst, Hendel, Seier und Sträßer) dem in Bestbesetzung antretenden Bundesligisten absolut Paroli bieten kann: Ralf Sträßer schießt uns in Front, Uerdingen gleicht durch Dämgen aus, Heiko Lahn besorgt unsere neuerliche Führung, so geht's in die Pause. In der zweiten Hälfte kommen die Uerdinger mächtig auf, haben ganz offensichtlich keine Lust auf eine Blamage in diesem Duell mit der Mannschaft aus dem Osten und wir geraten in der Folge schon ziemlich ins Schwimmen, doch können durch einen Foulelfer, verwandelt von Sträßer, in der 76. Minute sogar noch erhöhen. Fünf Minuten später schafft Gudmundsson jedoch den Anschluss, Uerdingen drückt wie verrückt auf den Ausgleich, aber unsere Jungs geben alles und wir bringen das Ergebnis tatsächlich über die Ziellinie, die Alte Försterei tobt und alle sind stolz wie Bolle.

Mehr als ein Achtungserfolg ist das obendrein, denn nicht zuletzt schlagen wir dann noch Lausanne (1:0) und Lüttich (4:1) zu Hause, holen einen Punkt (1:1) in der Schweiz und kommen mit einem Sieg (1:2) aus der Wallonie zurück, nur Uerdingen kann sich im Rückspiel, vor übersichtlichen 3600 Zuschauern in der heimischen Grotenburg, mit einem deutlichen 3:0 (Edvaldsson und zweimal ein 17jähriges Talent namens Marcel Witeczek!) revanchieren - doch wir werden trotzdem Gruppensieger, das hätte wohl niemand so erwartet.

Es gibt dafür 40.000 Schweizer Franken (in der heutigen Kaufkraft wären das ungefähr 90.000 Euro) Siegprämie, die sich hauptsächlich der DFV unter den Nagel reißt, aber den sportlichen Erfolg kann uns niemand nehmen und das Erlebnis sowieso nicht. Für alle, die dabei waren, ist das Spiel unvergessen und ein unbestrittenes Highlight der Achtziger.

Heute spielt Uerdingen, die seit Mitte der Neunziger ohne das Geld von Bayer auskommen müssen (zugunsten der Leverkusener, die ab da alles alleine abgreifen) und sich seitdem KFC Uerdingen nennen, nach einem ewigen Auf und Ab und diversen Glücksrittern und Insolvenzen in der Oberliga Mittelrhein, während wir in unsere achte Bundesligasaison gehen und darüberhinaus in den letzten Jahren schon in allen möglichen europäischen Wettbewerben präsent waren - wer hätte das vor vierzig Jahren auch nur ansatzweise ahnen können?

Und ich darf gar nicht drüber nachdenken, dass das alles schon sooo lange her ist und, daraus beinahe panisch schlussfolgernd - bin ich denn wirklich schon so alt??

21. Juni: Kleines schnelles Undav

Deniz Undav (29, r.) jubelt nach seinem Tor zum 2:1.
Deniz Undav (29, r.) jubelt nach seinem Tor zum 2:1.  © Christian Charisius/dpa

Icke: Undav war unser Match-Winner. Und Felix Nmecha unser bester Spieler. 2:1 gewinnen wir – insgesamt verdient – gegen die bärenstarke Elfenbeinküste. Unser bester Spieler Nmecha servierte beim 2:1-Siegtreffer Undav den Ball mit einem unsagbaren Pass in die Tiefe des Strafraums. Bälle, die wir bisher nur von Toni Kroos kannten. Und Undav machte es wie "kleines dickes Müller" – Drehung und Torschuss waren eine Bewegung wie im Fluss. Undav ist enorm gedankenschnell. Er erkennt Situationen immer einen My vor seinen Gegnern. Das erste Tor katapultierte Undav nach Vorarbeit vom ebenfalls eingewechselten Amiri unter die Latte.

Was zeigt uns das? Amiri, Undav, Nmecha und auch der eingewechselte Rüdiger (der die Abwehr stabiler machte) sind alles Mentalitätsspieler und genau diese Spieler haben unser Spiel und somit auch den Sieg heute geprägt. Genau deshalb hätte uns ein Andrich hier wohl – gerade gegen die Elfenbeinküste – gutgetan. Egal, es hat gereicht.

Die ersten 20 Minuten und die letzten 10 Minuten sahen wir ziemlich gut aus. Wir dominierten das Spiel und hatten auch mehr und bessere Chancen. In der 22. Minute erzielte Pavlovic auch ein Tor. Es wurde aber nicht gegeben. Angeblich berührte er mit seinem Arm den gegnerischen Keeper. Der Schauspieler-Torwart der Elfenbeinküste gab sein Übriges dazu. Eine sehr strittige Szene. Aber dabei blieb es nicht. Ein weiteres Tor gelang Havertz. Auch das wurde vom Schiedsrichter aberkannt. Musiala hatte einen Gegner leicht gefoult. Der gab den Ball zu Wirtz und dieser dann zu Havertz. Der Schiedsrichter stand direkt neben Musiala. Also entweder pfeift er sofort das Foul oder gar nicht. Es aber erst als Foul zu geben, wenn später daraus ein Tor wird, dann ist das eine Fehlentscheidung. Zumal Schiedsrichter Benetiz aus Paraguay nicht überzeugte. Etliche grobe Fouls pfiff er gar nicht. Also sehr großzügig, zumindest in seiner Auslegung. Auch deshalb stand das nicht gegebene Havertz-Tor in keinem Verhältnis zu seinen sonstigen Entscheidungen. Das Tor für die Elfenbeinküste fiel in der 30. Minute, exakt zwischen unseren zwei nicht gegebenen Toren.

Schlotterbeck musste verletzungsbedingt zur Halbzeit raus. Für ihn kam Rüdiger, der unsere Abwehr sicherer machte. Neuer hatte kaum etwas zu tun. Brown machte auf links ein gutes Spiel. Konnte natürlich mit seiner Schnelligkeit auch gut mit den „Elefanten“ mithalten. Da hatte Kimmich auf rechts große Probleme. Die meisten Angriffe kamen eben auch über seine Seite. Und Diamande spielte Linksaußen. Es war kein Zufall, dass genau Diamande das Tor vorbereitete und Kimmich einfach überlief. Tah zeigte sich stabil und im Duo mit Rüdiger funktionierte das klar besser.

Wie schon erwähnt war Nmecha unser Bester. Defensiv klärte er mehrmals hervorragend. Und als einer der wenigen deutschen Spieler konnte er deren Geschwindigkeit mitgehen, vor allem aber körperlich dagegenhalten. Das war ein großes Manko auf deutscher Seite. Der Schiri ließ viele Fouls durchgehen, sie hielten nicht richtig dagegen. Pavlovic schaffte weder das eine, noch das andere. Hier hätten wir einen Andrich neben Nmecha gebraucht. Dann wäre vieles für die Deutschen einfacher gewesen.

Aber auch Wirtz, Musiala, Sané und Havertz erwischten keinen Sahnetag. Und konnten sich selten durchsetzen. Gerade von Wirtz und Musiala hatte man vor der WM sehr viel mehr erwartet. Ich zumindest. Sane war fleißig, spielte aber glücklos. Havertz machte zwar sein (nicht gegebenes) Tor. Wurde aber von Undav klar überflügelt. Es wird wohl Zeit, den Stammplatz des Mittelstürmers zu wechseln. Oder eben unseren Vorschlag vom ersten Spiel aufzugreifen. Undav auf die 9. Musiala und Wirtz auf die halboffensiven Positionen und Havertz hinter Undav zu platzieren. Das könnte ich mir ziemlich gut vorstellen. Leweling und Amiria wurden auch noch eingewechselt und spielten ordentlich. Goretzka kam erst kurz vor Schluss. Nagelsmann wollte ihn wohl für Kopfbälle bringen.

Alles in allem war der Sieg glücklich, aber verdient. 17 zu 6 Flanken und 59% Ballbesitz für die Deutschen belegen das auch. Natürlich neben den zwei nicht gegebenen Toren. Union-Beteiligungen (auch ehemalige) bei der WM? Neben Schlotterbeck kommentiert Gosens jetzt neuerdings. Musa spielt und trifft für Kroatien und Khedira wartet auf sein zweites Spiel für Tunesien. Schäfer (Ungarn), Juranovic (Kroatien), Köhn (Ghana), Kral (Tschechien), Trimmel und Querfeld (beide Österreich) und Rönnow (Dänemark) sind aus den unterschiedlichsten Gründen leider nicht dabei. Am nächsten Donnerstag treffen die Deutschen beim dritten Spiel der Vorrunde um 22 Uhr auf Ecuador. Viele meinen, die Südamerikaner sind spielerisch noch stärker als die Elfenbeinküste. Ergo: Ausruhen ist nicht. Wir wollen auch das dritte Spiel der Vorrunde gewinnen. Das bringt Selbstvertrauen für den Titel. Eisern.

19. Juni: So langsam sickern Namen von Neuzugängen bei Union durch …

Wen wird Union Berlin für die kommende Saison verpflichten?
Wen wird Union Berlin für die kommende Saison verpflichten?  © Jan Woitas/dpa

Icke: Wie bitte? Curda, Toure, Imeria, Öhlenschläger, Rodriguez? Laut mehrerer Quellen sollen diese Spieler bei Union auf dem Wunschzettel stehen.

Laurin Curda spielt rechter Verteidiger beziehungsweise im rechten Mittelfeld beim SC Paderborn. Er ist 24 Jahre alt und 1,85 Meter groß. Köln und der HSV sind ebenfalls an ihm dran. Angeblich soll Köln bereit sein, eine Ablöse in Höhe von fünf Millionen Euro zu zahlen. Schwer vorstellbar, dass wir da mitmachen. 36 Pflichtspiele absolvierte er. Dabei acht Tore selbst zu schießen und weitere acht Tore vorzubereiten – das ist bockstark. Allerdings, wenn wir Juranovic von der Gehaltsliste bekommen, dann wäre dieser Wechsel darstellbar.

Alpha Toure spielt beim FC Metz. Der 20-jährige Senegalese mit einer Körpergröße von 1,80 Meter ist im defensiven Mittelfeld zu Hause. Er könnte wohl jetzt schon den Part von Khedira übernehmen, sollte dieser doch wechseln wollen. 33 Pflichtspiele absolvierte er. Mit 19/20 Jahren Leistungsträger in der ersten französischen Liga zu sein, das hat schon etwas. Hauptsächlich agierte er im defensiven Mittelfeld, aber auch im zentralen Mittelfeld und als linker Verteidiger. Auch das fällt ihm als Linksfuß leicht. Sein Marktwert wird weiter steigen. Aktuell schätzt man ihn auf fünf Millionen Euro.

Kastriot Imeri ist im zentralen und im linken Mittelfeld beim FC Thun in Arbeit. Ein Länderspiel für die Schweiz hat er bestritten. Er ist 25 Jahre alt und 1,78 Meter groß. Sechs Tore und acht Assists schaffte er in 30 Spielen beim Schweizer Meister. Unser neuer Trainer sollte ihn und sein Leistungsvermögen perfekt einschätzen können. Er war ausgeliehen von den Young Boys aus Bern. Dort hat er noch ein Jahr Vertrag. Sein Marktwert erscheint mit zwei Millionen unterdimensioniert.

Oskar Öhlenschläger spielt bei Frederikstad FK. Meist spielt er im offensiven Mittelfeld oder als Rechtsaußen. Der 22-jährige Däne ist 1,80 Meter groß. 18 Spiele, zwei Tore und zwei Vorbereitungen stehen bei ihm zu Buche. Ein Multi-Talent, das auch noch weitere Positionen gut spielen kann. Sein Vertrag läuft bis 2028. Da dürfte eine ordentliche Ablöse fällig werden.

Kevin Rodriguez spielt bei Union SG. 26 Jahre, 1,90 Meter groß und 32-facher Nationalspieler aus Ecuador. 42 Punktspiele hatte er vor der Weltmeisterschaft schon gespielt und dabei 14 Tore erzielt. Dazu kommen fünf Torvorbereitungen. Sein Vertrag läuft noch ein Jahr. Das heißt aber auch, dass er eine Ablöse zwischen fünf und sieben Millionen Euro kosten würde. Schießt er noch weitere Tore bei der WM, so wird er automatisch teurer.

Am Sonnabend um 22 Uhr wird aber erst einmal Deutschland geschaut. Die Elfenbeinküste hört sich so klein an, aber sie wird ein absoluter Härtetest für die Deutschen werden. Nicht nur Diomande mit seinem Marktwert von 90 Millionen wird uns zu höchster Konzentration zwingen. Auch Diallo (45 Millionen), ein weiterer Diomande (42 Mio.) und Bonny (35 Mio.) sind Leistungsträger und alle enorm schnell. Ndicka (35 Mio.) ist wahrscheinlich noch verletzt. Ob Wahi spielt ist unsicher. Er hat wieder Negativ-Schlagzeilen bezüglich seiner Betrugsvorwürfe erhalten.

Spielen wir aber konzentriert und erreichen unser normales Spielvermögen, so sollte ein Sieg gelingen. Eisern.

15. Juni: Mit ziemlich langem Anlauf - hier ist Zeno van den Bosch

Zeno van den Bosch (23) ist der neue Innenverteidiger bei Union Berlin.
Zeno van den Bosch (23) ist der neue Innenverteidiger bei Union Berlin.  © 1. FC Union Berlin

Unionfux: Da ist er nun, endlich, nach langem Anlauf und erfolgtem Medizincheck schon im Januar, weiß der Teufel, warum der Verein sich da so lange Zeit mit der Verkündigung lässt: der Belgier Zeno van den Bosch, demnächst 23jähriger Innenverteidiger, kommt ablösefrei von Royal Antwerpen, für die er seit 2016 sämtliche Stufen durchlaufen hat, ist dort seit drei Jahren unumstrittener Stammspieler und erhält anscheinend einen Dreijahresvertrag plus Option auf ein weiteres Jahr.

Wahrscheinlich soll er gemeinsam mit Marvin Friedrich die Stamminnenverteidigung bilden, die mit Friedrichs 1,93 Meter und van den Boschs 1,91 Meter Gardemaß besitzen würde und nach Lufthoheit im eigenen Strafraum aussieht, vorausgesetzt natürlich, dass van den Bosch den Sprung in die Bundesliga weitgehend nahtlos vollziehen und Friedrich zu alter Stärke zurückfinden kann.

Spieler wie Doekhi und Leite haben freilich in den vergangenen Jahren in diesen Fragen Maßstäbe gesetzt und in einer tadellosen Verteidigung liegen natürlich die Grundlagen unseres Erfolges, da wir traditionell nicht zu den Mannschaften gehören, die drei Treffer fressen können, weil sie vorne in schöner Regelmäßigkeit vier machen.

Da wir jedoch weder für Doekhi noch für Leite auch nur einen müden Euro eingenommen haben, durfte der Ersatz eigentlich nichts kosten: Schritt eins des Umbruchs ist also schon mal gelungen. Mal sehen, was da noch weiter in Sachen Abwehr passiert, ob Nsoki tatsächlich fest verpflichtet wird, ob Ogbemudia zurückkommt oder doch weiter verliehen wird, schlussendlich könnte ja da noch jemand kommen, auch ein lukratives Angebot für Leo Querfeld wäre ja durchaus denkbar.

Aus meiner Sicht ist Zeno van den Bosch ein ziemlich guter Transfer, auf jeden Fall ein Spieler mit Perspektive, jung, aber beileibe kein Grünschnabel und auch die belgische Liga ist eher eine der stärkeren europäischen Wettbewerbe. Sehr gut, Horst Heldt, das muss ja auch mal gesagt werden, nachdem doch eine ganze Menge Kritik in seine Richtung geäußert wurde.

Ist ja auch alles andere als einfach, wenn man nicht gerade aus dem finanziellen Vollen schöpfen kann und der Kader immer noch zu groß ist. Mit weiteren Neuzugängen ist somit erst nach entsprechenden Abgängen zu rechnen, es sei denn, eine ganz besondere Möglichkeit ploppt auf, irgendwo müssen ja auch die ganzen Rückkehrer versorgt werden.

Am ehesten kann ich mir noch bei Laszlo Benes vorstellen, eine Zukunft bei uns zu haben, einen besseren Spieler auf der Acht beziehungsweise Zehn inklusive guter Schusstechnik und Standardstärken muss man nämlich auch erstmal finden.

Noch zwei Wochen, dann geht es erstmal bei uns wieder los und höchstwahrscheinlich wird unser neuer Cheftrainer Mauro Lustrinelli schon ein paar Ideen mitbringen, die sich im Laufe des Sommers noch verfestigen werden, nachdem er sich ein einigermaßen belastbares Bild verschafft hat.

Bis dahin werden wir uns in Geduld üben müssen und die aufgeblasene Veranstaltung in Amerika ist da nur wenig ablenkend, denn alles außer Union ist doch bestenfalls am Rande von Belang, oder?

15. Juni: UNION: Deutschland ist schon eine Runde weiter

Von Ex-Union-Spielern stand nur Nico Schlotterbeck (26) bei Deutschland auf dem Rasen.
Von Ex-Union-Spielern stand nur Nico Schlotterbeck (26) bei Deutschland auf dem Rasen.  © Tom Weller/dpa

Icke: 7:1 gewinnt Deutschland im ersten Spiel der Weltmeisterschaft gegen Curacao. Auch in dieser Höhe verdient. Da in der Vorrunde auch 8 von 12 Dritte weiterkommen, dürfte Deutschland jetzt schon qualifiziert sein. Es müssten sonst 8 andere Tabellen-Dritte ein Spiel mit mehr als 6 Toren Differenz gewinnen. Das sollte ausgeschlossen sein. War das ein Selbstläufer? Felix Nmecha erzielte bereits in der 6.Minute das 1:0. Alles nach Plan. Weitere dicke Chancen wurden durch uns vergeben. Bis dann Comenencia in der 21.Minute den Ausgleich erzielte. Da wackelte die deutsche Abwehr. Neuer hätte ihn wahrscheinlich noch gehabt, wäre er nicht auch noch abgefälscht gewesen. Peng, das Spiel auf den Kopf gestellt.

Die Deutschen schüttelten sich kurz. Es dauerte aber trotzdem bis zur 38.Minute, das Verteidiger Schlotterbeck einen Kopfball versenken konnte. Havertz legte in der Nachspielzeit der 1.Halbzeit zum 3:1 nach. Als dann Musiala gleich nach Anpfiff zur 2.Halbzeit zum 4:1 traf, waren alle Messen gesungen. Und dann brachte Nagelsmann in der 64.Minute – Undav. Seinen Königs-Einwechsler. Das 5:1 für Brown bereitete er vor. Das 6:1 schoss er selbst, um dann das 7:1 für Havertz wieder vorzubereiten. Mehr geht nicht, wenn Du eine halbe Stunde vor Schluss eingewechselt wirst.

Alles in einem war es ein gelungener Start für die Deutschen. Das hatten wir auch schon anders erlebt. Neuer wurde kaum geprüft. Die Abwehr wackelte hin und wieder gegen die erstaunlich dribbelstarken Holländer im Curacao-Trikot. Kimmich war wenig zu sehen. Über seine Seite liefen die meisten Angriffe des Insel-Staates. Und auch Tah war nicht sattelfest. Schlotterbeck und Brown legten eine solide Leistung hin. Überragend spielte (wieder) F.Nmecha. Er hätte eigentlich 3 Tore schießen müssen und war im Mittelfeld oft der Taktgeber. Das funktionierte aber nur, weil Pavlovic auch ein gutes Spiel machte und ihn sicherte, wenn er nach vorn ging.

Beide deutsche Mittelstümer machten ein gutes Spiel, wobei natürlich Undav mit seinen 3 Scorern noch herausragte. Wirtz und Musiala spielten nicht überragend, aber solide. Trotzdem ist bei beiden noch viel mehr möglich. Einzig Sane auf Rechtsaußen fiel etwas ab. Zu viele Stockfehler unterliefen ihm. Das Dribbling im 1:1 traute er sich nur selten und wenn, dann verlor er oft den Ball. Neben Undav bekamen dann noch Rüdiger, Goretzka, Raum und Anton Spielpraxis. Rüdiger überraschte uns, als er sogar im Sprint einen der schnellen Stürmer von Curacao den Ball ablief. Rüdiger ist 33 Jahre alt. Scheint aber topfit zu sein. Trotz der vielen Einwechslungen gab es keinen Bruch im deutschen Spiel. Alle integrierten sich sofort. Es würde mich nicht verwundern, wenn Nagelsmann überlegt – Tah und Rüdiger zu tauschen.

Darüber hinaus könnte ich mir eine zweite Variante im deutschen Spiel vorstellen. Da Sane keine gute Form hat, könnte man Musiala und Wirtz auf die beiden Halb-Positionen im offensiven Mittelfeld rechts und links stellen und Havertz als hängende „9“ zentral hinter Undav. Dann würden die 4 besten deutschen offensiven Spieler in der Startformation stehen. Beim ebenfalls untergetauchten Kimmich habe ich da weniger Sorgen. Der berappelt sich selbst wieder. Muss er auch, weil die nächsten zwei Gegner – die Elfenbeinküste und Ecuador – eine andere Spielstärke aufweisen. Die werden uns echt fordern. Besonders auf Diomande sollten wir vorbereitet sein. Der Leipziger kann Spiele allein entscheiden. Wir werden es am nächsten Samstag sehen. Von Ex-Union-Spielern stand nur Schlotterbeck bei Deutschland auf dem Rasen. Rani Khedira – der in seinem ersten Spiel durchspielte - konnte die 3:1 Niederlage von Tunesien gegen Schweden nicht verhindern. Eisern.

Titelfoto: Soeren Stache/dpa

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