Breitenreiters Baustellen bei Hansa: Neutrainer muss auch Kapitäns-Dilemma lösen
Rostock - Gut zwei Wochen hat Neutrainer André Breitenreiter (52) bis zum ersten Ligaspiel, der Besetzung der Kogge neuen Wind einzuhauchen. Hansas neuer Trainer spricht von einer "komfortablen Situation" und davon lediglich an "Stellschrauben drehen zu wollen". TAG24 sagt an welchen.
Spielphilosophie neu ausrichten
Unter Daniel Brinkmann (40) setzte Hansa auf Ballbesitzfußball, Breitenreiter gilt als Verfechter des Umschaltspiels: "Ich mag es einfach nicht, ewig lang quer zu spielen", sagte er im Zuge seiner Vorstellung.
Anstatt langatmiger Ballzirkulation soll es jetzt direkt in die Spitze gehen. In der Grundordnung setzt sich Breitenreiter keine Denkverbote, will "so variabel sein, dass wir jederzeit wechseln könnten".
Hoffentlich mit mehr Erfolg als zuletzt unter Brinkmann - die meisten Tore diese Saison fielen aus Standards oder Umschaltmomenten.
Torwart-Frage um Luca Unbehaun diskutieren und anfällige Defensive stärken
Neuzugang Luca Unbehaun (25) hat schon 15 Gegentreffer gefressen, nicht alle wirkten unhaltbar. Dem gegenüber stehen nur 19 Paraden.
Kurzfristig ist ein Wechsel im Tor aber kein Thema, weil Ersatzkeeper Jaaso Jantunen (21) bei der finnischen U21-Nationalmannschaft weilt und sich Breitenreiter kein Bild von der Keeper-Alternative machen kann.
Doch auch Hansas neuem Trainer dürfte die Torwart-Diskussion nicht entgangen sein. In Yannic Stein (22) fehlt der eigentliche Herausforderer nach Knie-OP weiter verletzt.
Breitenreiter diplomatisch: "Das beobachten wir in der nächsten Zeit und dann ist das nicht ausgeschlossen, dass sich die Torwart-Besetzung gleich bleibt oder sich verändert."
Generell ging zuletzt die Balance zwischen Offensiv-Denken und defensiver Absicherung abhanden.
Hierarchie ordnen und Kapitäns-Dilemma um Franz Pfanne lösen
Vorgänger Brinkmann demontierte seine beiden Anführer Franz Pfanne (31) und Marco Schuster (30) sportlich, schickte zuerst Kapitän Pfanne auf die Tribüne und beorderte später seinen Stellvertreter auf die Bank.
Die beiden Routiniers gelten als Teamplayer, sind nicht dafür bekannt, großartig Stunk zu machen - ein Nebenkriegsschauplatz ist es dennoch. Breitenreiter tut gut daran, seine Leader spielen zu lassen oder die Kapitäns-Frage neu zu ordnen.
Bei seiner Vorstellung ließ er auch durchblicken, nichts von flachen Hierarchien zu halten und nach Leistungsprinzip aufzustellen. In den angekündigten Einzelgesprächen muss er die Rollen und Erwartungen an seine Spieler klar vermitteln.
Explizit keine Baustelle sind Standardsituationen: Zehn ihrer 15 Liga-Tore machte die Kogge nach ruhenden Bällen, kassierte auch nur eins nach einem Standard.
Hier will Breitenreiter "nicht groß schrauben, weil Hansa Rostock dort einfach schon sehr gut aufgestellt ist."
Titelfoto: Bildmontage: Bernd Wüstneck/dpa; IMAGO / Inside-Picture