Magdeburg - Die Bezeichnung "Neuzugang" trifft zwar auch auf Moritz-Broni Kwarteng zu, trotzdem ist der 28-Jährige ein bekanntes Gesicht an der Elbe. Von 2022 bis 2023 spielte Kwarteng schon beim FCM. TAG24 hat mit ihm über seine Rückkehr, den komplizierten Start und persönliche Ambitionen gesprochen.
TAG24: Sie haben leider den zweiten Spieltag verpasst. Wie geht es Ihnen?
Moritz-Broni Kwarteng: Ja, ich hatte Magen-Darm, habe viele Kilos verloren und musste das Bett hüten. Das war natürlich ärgerlich, weil man immer viel investiert, um im Rhythmus zu bleiben. Wenn man dann ein Spiel verpasst, ist es immer blöd. Aber jetzt bin ich wieder im Training und fit.
TAG24: Sie sind jetzt seit ein paar Wochen dabei, kennen aber natürlich noch einige Spieler von früher. Wie sind Ihnen die ersten Wochen zurück in Magdeburg ergangen?
Richtig gut. Ich wurde mit offenen Armen empfangen. Natürlich ist es vom Spielsystem etwas anders, eine andere Struktur, ein anderer Ansatz als noch in Bochum – da gilt es, schnell Anschluss zu finden und seine Stärken einzubringen, damit es auf dem Platz wieder matched und um für die Mannschaft wertvoll zu sein.
TAG24: In Bezug auf Ihre Rückkehr: Was verbinden Sie mit der damaligen Spielzeit beim 1. FC Magdeburg?
Der Spielansatz ist ein ähnlicher, vielleicht hat er sich um Nuancen verändert. Ich habe zudem ein paar Kollegen, die in der damaligen Zeit auch mit mir hier waren. Ansonsten verbinde ich die Wucht der Fans und die Euphorie mit dem FCM. Das hat sich nach wie vor nicht geändert. Ansonsten bin ich drei Jahre älter geworden (lacht).
Misslungener Auftakt des FCM ist abgehakt
TAG24: Nach dem 1:6 gegen Braunschweig haben Sie eine sehr gute Reaktion gezeigt. Petrik Sander hatte erzählt, dass viele Gespräche geführt wurden. Wie haben Sie die Mannschaft in der Woche nach dem Auftakt wahrgenommen?
Wir sind alle sehr hart mit uns ins Gericht gegangen, weil wir nie wieder ein solches Gesicht zeigen wollen. Es war irgendwo ein Schock, da nichts darauf hingedeutet hatte. Daher hat es schon ein paar Tage gedauert, bis wir das wieder verdaut hatten. Dementsprechend hat es sich auch angefühlt, also als wenn man im falschen Film gewesen wäre. In Vorbereitung auf Osnabrück haben wir wieder versucht, alles in die Waagschale zu werfen, an allen möglichen Stellschrauben zu drehen, um das Ding sieben Tage später vergessen zu machen. Und jetzt spielt es keine Rolle mehr.
TAG24: Sind Sie jemand, der nach Niederlagen noch lange damit hadert, oder können Sie den Kopf auch mal ausschalten?
Ich hadere schon länger mit mir – mindestens 48 Stunden. Die Zuschauer sehen im Endeffekt immer nur die 90 Minuten auf dem Platz, aber bei uns geht es schon ein paar Tage eher los. Wenn dann das Ergebnis nicht zufriedenstellend ist, hinterfragt man sich immer, was man dieses Mal falsch gemacht hat. Eine solche Situation ist einfach frustrierend, weil man sich für seine harte Arbeit am liebsten immer belohnen würde.
TAG24: Sie haben in der Vergangenheit gleich mehrere verschiedene Positionen und Rollen ausgefüllt. Wo fühlen Sie sich am wohlsten?
Das ist immer eine Frage der Spielausrichtung. Ich wurde als offensiver Mittelfeldspieler gesehen, habe aber in meiner Zeit in Magdeburg, wenn ich mich recht erinnere, mehr die Flügelpositionen bekleidet, weil ich für das damalige Spielsystem dort am effektivsten war. Das ist zwar noch nicht lange her, aber grundsätzlich möchte ich die Verfügbarkeit so weit wie möglich erhöhen, um dann einfach herauszufinden, wo ich der Mannschaft am besten helfen kann. Aktuell geht es darum zu sehen, wo ich meine Stärken am besten mit einbringen kann. Mal schauen, was die Zukunft bringt und wie es das Trainerteam sieht.
Social Media spielt im Fußball immer eine Rolle
TAG24: Während des Trainingslagers hatten Sie gesagt, dass Sie Ihre Bildschirmzeit runterschrauben möchten. In Bezug darauf: welche Rolle spielen die sozialen Medien für Sie im Fußball. Sind negative Kommentare etwas, was Sie beeinflusst?
Das beeinflusst einen, insofern man anfängt die Kommentare zu lesen und sich diese zu Herzen zu nehmen. Der Mensch kann sagen, wie egal ihm alles ist, aber wenn du deinen Namen ständig in einem negativen Kontext konsumierst, dann tangiert es einen dennoch. Dementsprechend versuche ich, so wenig wie möglich zu lesen bzw. die Kommentarspalten zu meiden, weil wir einfach auch in einer Zeit leben, wo sich jeder hinter einem Usernamen verstecken und rücksichtslos auf Menschen einwirken kann. Kritik gehört zwar zu unserem Beruf dazu, womöglich auch mehr als bei anderen Berufen, aber bestenfalls ist sie konstruktiv und nicht emotional. Man tut folglich gut daran, sich auf sich selbst zu fokussieren.
TAG24: In einem weiteren Interview haben Sie über Ihren christlichen Glauben gesprochen. Was genau bedeutet er für Sie?
Das ist – zusammen mit meiner Familie – meine oberste Priorität. Daran orientiere ich mich und dafür möchte ich leben. Von meinem Glauben leite ich alles ab, etwa, wie ich mit Leuten umgehe oder wie ich in Situationen handle. Er ist mein persönlicher Wegweiser.
TAG24: Wer war Ihr Kindheitsidol?
Ehrlich gesagt hatte ich nie ein spezielles Idol. Ich fand immer Spieler cool, die viel gedribbelt haben. Die gibt es in der Art und Weise heutzutage kaum noch, weil alles ein bisschen geradliniger gezogen wird. Dementsprechend mochte ich Spieler wie Ronaldinho oder Neymar. Ihnen habe ich immer gerne zugesehen bzw. tue das noch heute.