Hamburg - Am Rande des Trainings des FC St. Pauli am Dienstag plauderte Samuel "Sam" Klein (22) über die erste Zeit in Hamburg. Im Gespräch zeigte sich außerdem ein bemerkenswertes Mindset.
18 Grad, Bewölkung und es roch nach Regen: Neu für Klein. Denn der gebürtige Australier ist ganz andere Temperaturen aus seiner Heimat Brisbane gewohnt. Und auch die Hansestadt scheint sich seit seiner Ankunft Anfang Mai Wetter-technisch entgegen der Klischees zu präsentieren.
"Ehrlich gesagt, es ist wie zu Hause", lachte der Mittelfeldmann in der Interviewrunde am Dienstag an der Kollaustraße. "Es ist so schönes, sonniges Wetter. Ich witzle immer mit den Jungs aus dem Team und sage: 'Ich warte immer noch auf das Hamburg-Wetter, von dem ihr mir erzählt.'"
Auch deshalb fühle sich der erst 22-Jährige bislang sehr wohl in Hamburg. Die Mannschaft habe ihn sowohl auf als auch neben dem Platz gut aufgenommen und auch die Hansestadt selbst gefalle dem Profi. "Die Stadt ist wunderschön, sehr grün, viele schöne Orte. Ich hoffe, ich kann es die nächsten Jahre noch mehr genießen", betonte Klein auf Nachfrage.
Dass der Australier - der auch die norwegische Staatsbürgerschaft besitzt - bereits Jahre in Hamburg plant, überrascht zunächst nicht. Denn Teil des europäischen Profifußballs zu sein, davon träumte der 22-Jährige schon lange. Und reiste dafür mit erst 19 Jahren sogar für mehrere Monate in das Heimatland seines Vaters: Norwegen.
Dort sprang er von Probetraining zu Probetraining. Doch wegen einer Verletzung platzte der Traum zunächst und er ging zurück nach Australien. Nun steht er, trotz aller Widrigkeiten, bei einem Zweitligisten unter Vertrag, mit dem er den Weg zurück ins deutsche Oberhaus bestreiten will. "Es war schwierig, aber auch eine sehr coole Erfahrung. Ich denke, sie hat mir für die Zukunft viel geholfen."
Sam Klein sieht 2. Bundesliga als Chance: "Es geht immer darum, wie du es betrachtest"
Der zentrale Mittelfeldspieler kam im Mai zu den Kiezkickern. Zu dieser Zeit spielte sein neuer Club noch in der Bundesliga.
Dass die Hamburger abgestiegen sind, tut ihm zwar für den Verein leid, für sich selbst sieht er darin aber sogar eher eine Chance, erklärte Klein.
"Es geht immer darum, wie du es betrachtest. Es ist schade für die Mannschaft, ja. Für mich persönlich ist es so, dass ich wahrscheinlich mehr Chancen in der 2. als in der 1. Liga bekomme. Es ist schwer in Worte zu fassen, aber es ist definitiv ein positiver Schritt für meine Karriere."
Um der Mannschaft beim Wiederaufstieg zu helfen, will sich der ehemalige "Brisbane Roar"-Kicker in einigen Punkten noch verbessern. Abseits des Rasens sei es sein Deutsch, schmunzelte er. Auf dem Platz müsse er sich besonders der Schnelligkeit des Spiels anpassen.
"Es ist ein anderer Stil des Fußballs. Ich muss mich an das Team adaptieren und darauf achten, wie wir spielen wollen. Daran muss ich arbeiten und mich verbessern."
Erst vergangenen Freitag feierte der Australier sein Debüt im FC-St.-Pauli-Trikot. Kurz vor Schluss hatte Coach Marcel Rapp (47) Klein für die letzten fünf Minuten gegen Holstein Kiel (2:2) eingewechselt. Und obwohl die Störche kurz nach seiner Einwechslung den Ausgleich erzielten, blickte der Australier positiv auf seine ersten Minuten. "Es war sehr besonders. Die Atmosphäre war unglaublich und die Fans waren sehr gut."
Am Sonntag wartet die erste DFB-Pokalrunde gegen Rot-Weiss Essen auf den "Neuen". "Ich habe gehört, dass sie ein starkes Team in der 3. Liga sind, die fast in die 2. aufgestiegen wären", so Klein. Ob er in der Begegnung selbst zum Zug kommen wird, weiß er aktuell noch nicht. "Wir haben noch nicht über das Team gesprochen. Es ist zu früh in der Woche. Ich hoffe, es wird meine Chance geben."