Die Torhüter entscheiden bei Dynamo-Pleite in Kiel das Spiel
Kiel - Wenn man es nüchtern betrachtet: Die Torhüter haben die Partie zwischen Holstein Kiel und Dynamo Dresden entschieden.
Zwar hatte KSV-Keeper Timon Weiner einen gravierenden Patzer drin, als er Ben Bobzien (23.) den Ball auflegte, danach verzweifelte Schwarz-Gelb aber am Störche-Hüter, während Lennart Grill beim 0:3 dreimal die Kugel aus dem Netz holen musste.
Gleich der erste Schuss der Kieler saß. Giorgi Kvilitaia (9.) traf aus 20 Metern - mit 124 km/h wurde der Schuss gemessen. "Wow", staunte Grill nach dem Spiel. "So hat sich der Schuss auch angefühlt."
Muss er da vielleicht nicht beide Hände nehmen, um das Geschoss halten zu können? "Gute Frage. In dem Moment habe ich das Gefühl, ich komme mit einer vielleicht gerade so hin. Auch die kam nicht hin. Ich glaube, wenn ich es in der Torwart-Fachsprache sage: Du kommst mit der einen langen Hand ja weiter als mit zwei. Wenn das schon nicht reicht, dann reichen wahrscheinlich zwei nicht", so Grill.
Dass er beim 0:3 (86.) am Ende der Fehlerkette stand und den Kopfball von Phil Haares halten musste, darüber musste keiner sprechen. "Der Fuß wäre wahrscheinlich die bessere Option gewesen", so Dresdens neue Nummer eins.
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Lennart Grill nimmt Niklas Hauptmann in Schutz und ist froh, dass jetzt Schalke kommt
Das ist das Problem bei Torhütern. Da sieht man die Fehler und bekommt sie sofort aufs Butterbrot geschmiert. Wie die Fans bei Tim Schreiber gern. Die Verfehlungen der Keeper sieht man, andere nicht.
Was Dynamo allein in Durchgang zwei an Chancen verballerte, war nicht schön - bleibt aber nicht so in Erinnerung wie Torhüter-Patzer. Doch das entschied das Spiel zu Gunsten der Gastgeber.
Niklas Hauptmann irgendeine Schuld zu geben, wäre falsch. Er hatte den Arsch in der Hose, erneut zum Punkt zu treten. Verschossen haben die allermeisten schon. Auch Weltstars.
"Letzte Woche macht er ihn super weg, diesmal nicht. Mein Gott, das passiert", nahm Grill seinen Kapitän in Schutz: "Ich glaube, wir hatten unabhängig davon genügend Chancen. Knackpunkt war für mich das 0:2, das gefühlt völlig aus dem Nichts kam."
Danach war der Drops gelutscht, Dresden ergab sich mehr oder weniger, schluckte noch das 0:3 und stieg gefrustet in den Flieger zurück in Richtung Heimat. "Aber jetzt ist es gut, dass es Mittwoch schon weitergeht im Pokal gegen Schalke. Es gibt in solchen Momenten schlechtere Sachen. Da kann man nicht groß darüber nachdenken. Abhaken, weitermachen", so Grill.
Er könnte vielleicht an jenem Abend so zum entscheidenden Mann werden wie am Sonntag Kiels Weiner.
Titelfoto: Bildmontage: IMAGO / Susanne Hübner, IMAGO / Ole Jacobsen

