Viel Aufwand, wenig Ertrag: Daran scheitert Dynamo-Angreifer Vermeij derzeit
Dresden - Phil Harres (24) hat das 1:0 für Kiel vorbereitet und das Tor zum 3:0 selbst geschossen. Und sein Gegenüber Vincent Vermeij (32)? Er hat stellvertretend für seine Mannschaft die deutlich besseren Werte als der KSV-Stürmer, der aus dem Hause Dynamo stammt. Aber erfolgreicher war er nicht. Woran lag das?
Gelaufen sind beide Stürmer gleich viel, Vermeij schoss laut Kicker-Statistik dreimal aufs Tor, Harres zweimal. Der Dresdner hatte 32 Ballkontakte, führte 17 Zweikämpfe am Boden, gewann 58 Prozent davon. Der Kieler war 28-mal am Ball, ging in fünf (!) Duelle, gewann zwei.
In der Luft ging Dynamos Niederländer in neun Kopfballduelle, Harres in drei. Vermeij spielte 18 Pässe, davon kamen 64 Prozent an. Der Harres-Wert: 13 und 38 Prozent. Und trotzdem wurde der Kieler am Ende gefeiert und der Dresdner - wie so häufig in letzter Zeit - von vielen Fans unsanft kritisiert.
Aber worin lag der große Unterschied der beiden? Vermeijs derzeitiges Spiel erinnert stark an Stefan Kutschke (37) in den letzten Monaten unter Markus Anfang (52). Viel Deckungsarbeit, extremes Arbeiten gegen den Ball, Läufe vor und zurück. Dass Dresdens Nummer 9 bei Ecken und Freistößen gegen Dresden im eigenen Strafraum aushelfen muss, selbstredend.
Er ist körperlich der Längste im Team. Aber anders als Harres, der genau fünfmal in seinen 87 Minuten in der eigenen Hälfte zu finden war, ließ sich Vermeij immer wieder zurückfallen, um Bälle zu bekommen, um in Zweikämpfe zu gehen, das Leder zu behaupten und abzulegen. Dass dann irgendwann für vorn die Luft fehlt, ist logisch.
SGD-Stürmer Vincent Vermeij fehlt die Unterstützung
Harres hingegen war auf dem Platz, um vorn im Sturmzentrum für Bewegung zu sorgen, seine Mitspieler freizublocken und selbst gefährlich zu werden. Dazu benötigt es Flanken - die bekamen er und seine Kollegen immer wieder. Beim 3:0 nickte er solch eine ein.
Mit Flanken wird Vermeij seit geraumer Zeit nicht mehr allzu häufig versorgt, um seine Stärke in der Box ausspielen zu können. In Kiel war das beim Stand von 0:2 einmal der Fall, da schoss er drüber - stand zudem im Abseits.
Auf der anderen Seite, und das gehört auch zur Wahrheit, hatte der Niederländer zwei-, dreimal die falsche Entscheidung getroffen.
Er schoss, wenn ein Pass besser gewesen wäre und umgedreht. Genau in jenen Momenten fehlt ihm das Selbstvertrauen, dass er im Vorjahr hatte. Weil er eben nicht nur fürs Toreschießen da ist. Vielleicht sollte aber genau das seine Kernaufgabe sein.
Titelfoto: imago/Susanne Hübner

