Auf Platz zwei disqualifiziert - und er bekommt nichts mit! EM-Drama um deutschen Leichtathleten
Birmingham (England) - Das ist richtig bitter! Bei der Leichtathletik-EM lag der deutsche Geher Leo Köpp (28) auf der Halbmarathon-Distanz aussichtsreich im Medaillenrennen, als er plötzlich disqualifiziert wurde - unter kuriosen Umständen. Köpp selbst wurde davon nämlich kalt erwischt!
Rund die Hälfte des Rennens am Samstagmorgen war absolviert, Köpp lag auf dem zweiten Rang und hatte den führenden Spanier Paul McGrath (24) noch nicht ziehen lassen müssen.
Eine Tempoverschärfung an der Spitze sorgte dann aber offenbar für einige technische Unsauberkeiten bei dem 28-Jährigen - innerhalb kürzester Zeit erhielt er vier Disqualifikationsanträge der Kampfrichter und wurde somit aus dem Rennen genommen!
Im ZDF zeigte er sich bitter enttäuscht von seinem vorzeitigen Rennende.
"Enttäuschung ist ein gutes Wort, das ist genau das, was ich empfinde", sagte Köpp: "Ich hab gar nichts mitbekommen, ich hab tatsächlich nicht mal drei Gelbe gesehen."
Im Gehen wird stark darauf geachtet, dass jeweils ein Fuß Bodenkontakt hat und das Knie dabei durchgestreckt ist. Gelbe Karten bleiben zunächst ohne Konsequenzen, bei drei Roten Karten gibt es eine Zeitstrafe, bei vier die Disqualifikation.
Köpp erklärte: "Ich hab zwei Gelbe bekommen, das sind bei uns ja Verwarnungen, die man unendlich sammeln kann, aber die man ernst nehmen muss und auf die man reagiert. Die dritte, ja, ich hab da irgendwann mal jemanden meinen Namen rufen hören, vielleicht hat die Richterin das hinter mir gezeigt. Ich hab zwei Gelbe gesehen und keine einzige Rote."
Leo Köpp war bei Disqualifikation noch in Topform
Köpp hatte sich bei seiner Disqualifikation in herausragender Verfassung befunden, eine Medaille in greifbarer Nähe gelegen.
"Ich habe mich sehr stark gefühlt, ich hab mich auch superruhig gefühlt, auch hier bei Kilometer 11, 12, als ich raus bin", sagte der Konstanzer, er sei noch überhaupt nicht angestrengt gewesen: "Ich hatte noch total viel Energie und Kraft."
Besonders bitter: Hätte er die Verwarnungen mitbekommen, hätte er Maßnahmen gegen seine drohende Disqualifikation ergriffen.
"Ich wusste, wenn ich noch einen ernsthaften Hinweis auf meine Technik bekomme, dann stecke ich ein bisschen mehr Kraft in den Schritt und dann bin ich wieder sauber", fuhr Köpp fort.
In Abwesenheit des WM-Elften aus Tokio landete Frederick Weigel (21) als einziger verbliebener Deutscher auf dem 18. Platz des Halbmarathons, Christopher Linke (37) erreichte über die Marathon-Distanz Platz acht.
Titelfoto: PAUL ELLIS / AFP

