Birmingham (England) - Bei der Leichtathletik-EM holte die deutsche Kugelstoßerin Yemisi Mabry (27) am Montag zunächst den Sieg in der Qualifikation, im Finale gewann sie dann Bronze und bescherte Deutschland somit die erste EM-Medaille. Von diesem Erfolg bleibt ihr aber nicht nur Positives in Erinnerung - auf Instagram rechnete die Olympiasiegerin von 2024 jetzt mit dem ARD-Duo Claus Lufen (59) und Frank Busemann (51) ab.
In ihrer Story teilte Mabry am Mittwochabend einen Clip aus der Übertragung der Sportschau. Kurz zuvor hatte sie im ersten Versuch der Qualifikation die größte Weite aller Teilnehmerinnen gestoßen, im ARD-Interview drehte sich das Gespräch dann aber schnell um ein anderes Thema.
"Der Kollege Busemann hat herausgearbeitet, dass in diesem Jahr Frau Schilder aus den Niederlanden [Weltmeisterin Jessica Schilder, Anm. d. Red.] neunmal vorn war und Yemisi einmal quasi bei den Bestleistungen mit dabei war. Was heißt das für das Finale heute Abend oder heißt das gar nichts?", fragte Lufen die 27-Jährige, die versuchte, die Frage wegzulachen.
Ihren wahren Gefühlen ließ sie nun im Netz freien Lauf.
"Deutscher Sportjournalismus at its finest. Finale erreicht und statt Rückenwind gibt's erstmal eine Aufzählung deiner Niederlagen", kritisierte die Germersheimerin und markierte Lufen und Busemann auch persönlich.
"Du qualifizierst dich gerade für ein EM-Finale. Adrenalin. Erleichterung. Stolz. Nervosität. Alles gleichzeitig. Und wer sind die ersten Menschen, denen wir begegnen? Ihr. Die Journalisten. Und statt einem 'Glückwunsch, du bist im Finale' kommt so etwas?"
Leichtathletik-EM: Yemisi Mabry zählt Sportjournalismus in Deutschland an
Besonders Busemann, als ehemaliger Weltklasse-Zehnkämpfer, bekam von der Paris-Olympiasiegerin (damals noch unter ihrem Geburtsnamen Ogunleye) sein Fett weg.
"Gerade von euch, die selbst einmal Athleten waren. Wie kann man sich da bewusst dafür entscheiden, einer Athletin unmittelbar vor ihrem Finale genau diese Statistiken vorzuhalten?", fragte Mabry: "Wo bleibt da das nötige Fingerspitzengefühl und die Empathie für den Mensch hinter der Leistung?"
Auch nach dem Medaillengewinn seien "negative, provokante Fragen" gestellt worden, erzählte die Kugelstoßerin: "Ihr redet davon, dass Deutschlands Athleten die Leichtathletik wieder groß machen sollen. Dann fangt bitte bei euch selbst an, einen positiven Beitrag zu leisten."
Die Sportler lieferten Leistung unter Druck, stellten sich Kritik und gäben den Journalisten ihre Zeit, Emotionen und Geschichten, zählte Mabry auf: "Dann erwarte ich von euch genauso Leistung, Respekt und Professionalität. [...] Denn ganz ehrlich: Das war keine journalistische Glanzleistung."