Marrakesch (Marokko) - Eigentlich hätte er mehrere Sportler bei der Leichtathletik-EM in der vergangenen Woche in Birmingham betreuen sollen, doch seine Schützlinge hatten seit mehreren Monaten nichts mehr von Coach Leon Baptiste (41) gehört. Jetzt kommt die schlimme Wahrheit ans Licht: Der englische Trainer wurde wegen schwerwiegender Vorwürfe in Marokko festgenommen und sitzt aktuell im Gefängnis!
Wie BBC Sport berichtet, sitzt Baptiste derzeit eine achtmonatige Haftstrafe wegen sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen im Al-Oudaya-Gefängnis bei Marrakesch ab.
Im Mai hatte der ehemalige Topsprinter seinen Athleten, die er auf dem Weg zu den Commonwealth Games und den Europameisterschaften trainierte, offenbar den Kontakt zu seinen Sportlern und dem Verband UK Athletics abgebrochen und war nicht mehr erreichbar gewesen.
Schließlich hatte Baptiste eine kurze Nachricht verfasst, dass er "für eine Weile" nicht zum Training kommen würde, aber nach wie vor keine weitere Erklärung geliefert.
Das war der BBC zufolge auch der Zeitpunkt, als Baptiste in der marokkanischen Hauptstadt verhaftet worden war. Ursprünglich war er daraufhin zu zehn Monaten Knast verurteilt worden, konnte die Strafe im Berufungsverfahren aber um zwei Monate verringern.
Leichtathletik: Leon Baptiste sitzt in Marokko im Gefängnis
Bis nach der Leichtathletik-EM hörte keiner seiner Sportler etwas von dem 41-Jährigen, wodurch das Training der Sprinter vor den Saisonhöhepunkten stark beeinträchtigt wurde. Am vergangenen Dienstag kam dann Bewegung in den Fall: Baptistes Athleten erhielten eine E-Mail im Namen des Trainers, dass er aus nicht näher genannten gesundheitlichen Gründen von seinem Posten zurücktrete.
Spurlos verschwunden war Baptiste allerdings nur für seine Sportler und Arbeitgeber: Berichte im Rahmen der Leichtathletik-EM, der Coach werde seit Monaten in Marokko vermisst, wies eine Quelle aus dem marokkanischen Justizministerium zurück.
Demnach sei sein Aufenthaltsort nie unbekannt gewesen, sondern bloß vor der Öffentlichkeit zurückgehalten worden, der Brite sei zudem in einem guten Gesundheitszustand.
Auch das UK-Außenministerium bestätigte demnach indirekt, über den Verbleib Baptistes informiert zu sein: Direkt auf den Ex-Sprinter angesprochen, teilte ein Sprecher mit, dass man einen britischen Staatsbürger unterstütze, der in Marokko inhaftiert sei und in Kontakt mit den Behörden stehe.