Berlin - Der Berliner Olympia-Traum ist geplatzt, die Hoffnung auf einen Start der Tour de France 2029 in der Hauptstadt ist noch intakt. Rund drei Monate vor der Vergabe des Grand Départ zeigt sich aber: Ein Selbstläufer wird der Bewerbungs-Erfolg nicht.
Der Trägerverein kämpft um die Finanzierung, die Kosten steigen und Prag ist als starker Kontrahent aufgetaucht.
"Die technischen Anforderungen sind ausdiskutiert. Jetzt geht es um die Zusage des Bundes und der Länder zur Finanzierung", sagte Thomas Hofmann, Vorstandsvorsitzender der Initiative Grand Départ Allemagne.
Als Hofmann konkrete Zahlen nannte, sorgte dies beim Plenum um Sportstaatsminister Ronald Rauhe (45) für leichtes Stirnrunzeln.
50 Millionen Euro sollen der Tour-Start in Berlin und die Fahrt durch drei weitere Bundesländer kosten. Zuletzt waren es 25 Millionen. Der Bund sowie Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sollen jeweils ein Fünftel beitragen.
Hofmann hofft auf bis zu zehn Millionen Sponsorengelder, dies würde den öffentlichen Anteil reduzieren. Die Zeit für Zusagen drängt: Die Tour-Dachorganisation A.S.O. wird wohl im Februar über den Ausrichter entscheiden und benötigt finanzielle Garantien.
Stellt sich die Linke in Berlin wieder quer?
Mindestens 150 Millionen Euro, so Hofmann, soll "konservativ gerechnet" der Rückfluss beitragen, also das, was die lokale Wirtschaft durch die Tour generiert.
Während die Gespräche mit Sachsen weit fortgeschritten seien, "sind wir mit den anderen Ländern dran", sagt Hofmann. In Berlin ist die politische Situation fragil, Koalitionsverhandlungen haben noch nicht begonnen. Wahlsiegerin "Die Linke" hatte schon die Berliner Olympia-Bewerbung abgelehnt.
In Sachen Tour müsse laut Partei "die Frage im Mittelpunkt stehen, ob das Geld nicht dringender gebraucht werde, um marode Sportstätten zu sanieren".
Beteiligt sich Berlin nicht, ist Berlin raus, die deutsche Bewerbung wohl chancenlos. Die A.S.O. will unbedingt Berlin und seine Geschichte dabei haben.