Pandemie-Folgen: Tausende Teenager im Südwesten mit Angst und Panik

Von Martin Oversohl

Stuttgart - Auch mehrere Jahre nach Ende der Corona-Pandemie prägt diese Zeit Tausende Teenager in Baden-Württemberg mit massiv gestiegenen Angststörungen und Panikattacken.

In der Corona-Pandemie haben Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen nach Angaben der Krankenkasse DAK stark zugenommen. (Symbolfoto)  © Annette Riedl/dpa/dpa-tmn

Nach einer neuen Studie waren im Jahr 2024 rund 61 von 1000 Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren wegen solcher Probleme in Behandlung. Hochgerechnet betrifft das landesweit etwa 9500 junge Frauen – ein Anstieg um 55 Prozent seit 2019, wie es im DAK-Kinder- und Jugendreport weiter heißt.

Und bei vielen von ihnen ist das Problem mehr als nur eine Eintagsfliege: Die Zahl chronischer Fälle, die laut DAK jedes Quartal therapiert werden müssen, hat sich mehr als verdoppelt - von 6 auf 14 pro 1000 Mädchen, also um 143 Prozent.

Die Studie der DAK-Gesundheit, basierend auf Daten von 86.800 Kindern und Jugendlichen, nimmt vor allem die Situation von Mädchen in den Blick. Zusätzlich zu Angststörungen bewegen sich auch Depressionen und Essstörungen auf einem hohen Niveau.

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Bei Depressionen stiegen die Behandlungszahlen seit 2019 um 35 Prozent, bei Essstörungen um 43 Prozent. Seit 2021 verharren beide Erkrankungen auf einem Plateau.

Landesweit litten 2024 hochgerechnet rund 10.000 Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren an Depressionen und etwa 3000 an Essstörungen. Häufig treten Probleme zusammen auf: Die Fälle mit Angst und Depression gleichzeitig haben sich verdoppelt.

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Hartnäckige psychische Folgen

Mädchen sind laut Studie vulnerabler als Jungen. (Symbolfoto)  © Nicolas Armer/dpa

Der Report zeige, wie hartnäckig die psychischen Folgen der Pandemie bei jungen Menschen in Baden-Württemberg geblieben seien, sagte DAK-Landeschef Siegfried Euerle. Der Leiter des Stuttgarter Klinikums, Jan Steffen Jürgensen, spricht von einem "Erbe der Pandemie". Isolation, Schulschließungen und mehr Zeit in sozialen Medien hätte die Ängste vieler Mädchen verstärkt.

"Hier sind Mädchen vulnerabler als Jungen", sagte Jürgensen. "Sie sehen Körperbilder, Glücks- und Zufriedenheitsideale, die kaum erfüllt werden können. Das erhöht das Stresslevel und kann die Ausprägung psychischer Erkrankungen vertiefen." Passend dazu: Laut DAK-Studie häufen sich bei jugendlichen Mädchen besonders soziale Phobien und Panikattacken.

Für die Analyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports wurden laut Krankenkasse Abrechnungsdaten von rund 86.800 bei der DAK versicherten Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren wissenschaftlich untersucht. Der Report umfasst 4,6 Millionen Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte und Medikamentenverordnungen von 2019 bis 2024.

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