Frauen getötet: Psychologin erklärt, warum es zu Femiziden kommt

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Stuttgart - Immer wieder kommt es zu Angriffen auf Frauen. Die Täter sind häufig ihre Partner oder Ex-Partner. Warum passieren solche Taten und gibt es Möglichkeiten, diese frühzeitig zu erkennen und zu verhindern? Psychologin Paola Delgado Klamroth vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e. V. (BDP) weiß Antworten.

Ein 38 Jahre alter Mann stand am Mittwoch vor dem Landgericht Ellwangen. Er soll seine Ehefrau mit einem Kopfschuss getötet haben.
Ein 38 Jahre alter Mann stand am Mittwoch vor dem Landgericht Ellwangen. Er soll seine Ehefrau mit einem Kopfschuss getötet haben.  © Stefan Puchner/dpa

Am Mittwoch wurde vor dem Landgericht Ellwangen ein Fall verhandelt, bei dem ein Ehemann seine Frau aus nächster Nähe mit einer Pistole am 18. Geburtstag des gemeinsamen Sohnes erschossen haben soll.

Im Stuttgarter Einkaufszentrum Milano wurde eine Frau an ihrem Arbeitsplatz in einem Supermarkt mutmaßlich von ihrem getrennt lebenden Mann erst mit einem Messer angegriffen und schließlich angezündet. Zeugen löschten den Brand, doch ihre Verletzungen waren so schwer, dass sie Anfang September verstarb.

Das sind nur zwei von vielen Beispielen, bei denen Frauen getötet wurden. Als Femizid wird laut Bundeszentrale für politische Bildung "die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts bezeichnet".

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Zurück bleibt bei diesen Fällen Fassungslosigkeit. TAG24 hat bei Paola Delgado Klamroth vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e. V. (BDP) nachgefragt, wie es zu solchen Taten kommen kann.

Femizid als Spitze des Eisbergs

Psychologin Paola Delgado Klamroth: Täter haben oft die Vorstellung, dass eine Frau der Besitz eines Mannes sei.
Psychologin Paola Delgado Klamroth: Täter haben oft die Vorstellung, dass eine Frau der Besitz eines Mannes sei.  © Karin Lux

"Es gibt nicht nur einen einzigen Grund oder ein einziges Motiv für einen Femizid. Der Femizid muss als die Spitze des Eisbergs betrachtet werden, als höchster Ausdruck von geschlechtsspezifischer Gewalt und einer patriarchalischen Struktur, die dieser Gewalt ihren Ursprung und ihre Legitimation verleiht", erklärt Psychologin Paola Delgado Klamroth (31), die Mitgründerin und Leiterin der Arbeitsgruppe Geschlechtsspezifische Gewalt im BDP ist.

Dabei haben Täter oft die Vorstellung, dass eine Frau ein Objekt und Besitz eines Mannes sei, den er kontrollieren müsse. Eine Trennung stelle dabei den Verlust der Kontrolle und Macht dar und könne einen Femizid auslösen.

"Die verzerrte Wahrnehmung: 'Wenn ich sie nicht mehr besitzen kann, kann sie nicht weiter in dieser Welt existieren, niemand sonst darf sie besitzen'", erklärt Delgado Klamroth.

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Gewalt gegen Frauen hat oft eine lange Geschichte aus dem sozialen Umfeld, beispielsweise durch "familiäre Gewalt, in der frauenfeindliches Verhalten, patriarchalische Strukturen und Denkweisen normalisiert und Gewalt als Mittel zur Ausübung von Kontrolle über Frauen legitimiert wurden".

Gesellschaftliches Problem

Rettungskräfte und Spurensicherung im Juli vor dem Stuttgarter Einkaufszentrum Milano, in dem eine Frau an ihrem Arbeitsplatz mit einem Messer angegriffen und angezündet wurde.
Rettungskräfte und Spurensicherung im Juli vor dem Stuttgarter Einkaufszentrum Milano, in dem eine Frau an ihrem Arbeitsplatz mit einem Messer angegriffen und angezündet wurde.  © Christoph Schmidt/dpa

Neben dem sozialen spielt auch der kulturelle und politische Kontext eine große Rolle. "Wir beobachten zunehmend einen Rückschritt bei den Fortschritten, die nach jahrelangem feministischem Kampf für die Gleichstellung der Geschlechter erzielt worden waren, verbunden mit einer Rückkehr zu traditionellen Geschlechterrollen, die Frauen in eine Position der Unterordnung, der Minderwertigkeit und damit der Dehumanisierung drängen", mahnt die 31-Jährige.

Im Netz verbreiten sich immer mehr Videos der frauenfeindlichen "Manosphäre", die Frauen als Besitz sehen, der kontrolliert werden müsse.

Viele Täter haben Persönlichkeitsmerkmale wie Impulsivität, Eifersucht oder narzisstische Züge, können Emotionen nicht gut regulieren und üben Gewalt und Kontrolle aus.

Oft gibt es bereits im Laufe der Beziehung verschiedene Formen geschlechtsspezifischer Gewalt. "Bei Femiziden in einer Paarbeziehung oder nach einer Trennung liegt oft eine Vorgeschichte von geschlechtsspezifischer/häuslicher Gewalt vor", sagt Delgado Klamroth.

Laut der Expertin kommt es häufig im Vorfeld zu Drohungen oder Versuchen des Femizids, körperlicher Misshandlung, sexuellem Missbrauch, finanzieller Gewalt, psychischer Gewalt und übermäßiger Kontrolle.

"Die Prävention und die Verantwortung, Femizide zu verhindern, obliegen uns allen - jedem Einzelnen in dieser Gesellschaft und dem Staat, um die notwendigen Mittel/Infrastruktur, Angebote und Gesetze zu gewährleisten", sagt die Psychologin.

Präventionsprogramme verhindern möglicherweise Taten. Außerdem sind Betreuungs- und Unterstützungsprogramme bei häuslicher Gewalt notwendig. Noch immer ist das eigene Zuhause für Frauen der gefährlichste Ort. "Wir brauchen einen Staat, der Frauen ein Leben frei von Gewalt garantiert", sagt Delgado Klamroth.

Femizide werden laut Bundeszentrale für politische Bildung aufgrund hierarchischer Geschlechterverhältnisse und oft von Ex-Partnern begangen. 132 Frauen wurden im Jahr 2024 von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet.

Titelfoto: Fotomontage: Christoph Schmidt/dpa/Karin Lux

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