Von Martin Oversohl
Stuttgart - Nach scharfer Kritik an den schwindelerregenden Kosten der Stuttgarter Opernsanierung begrüßt der Steuerzahlerbund den jüngsten Kurswechsel von Stadt und Land.
"Wir waren eigentlich der Auffassung, dass schon jetzt alle Fakten auf dem Tisch liegen", sagte Eike Möller, Landesvorsitzender des Bundes der Steuerzahler Baden-Württemberg, der dpa. Eine erneute Prüfung der Pläne könne die Sanierung aber verbessern.
"Wichtig ist aus Sicht der Steuerzahler, dass die Kosten im Mittelpunkt der Entscheidung stehen", sagte Möller. Zuletzt waren vor allem die geplanten Kosten von 289 Millionen Euro für die Ausweichspielstätte als zu hoch kritisiert worden.
Ziel ist nun eine ergebnisoffene Prüfung, die das Staatsministerium und die Stadt Stuttgart am Montag ins Spiel gebracht hatten. Fachleute sollen bei einer Expertenanhörung beraten, ob ein Neubau die bessere und kostengünstigere Variante im Vergleich zu einer Sanierung mit Interimsbau wäre.
"Ein Projekt dieser Dimension braucht Vertrauen und Unterstützung - bei allen Projektbeteiligten, im Landtag, im Gemeinderat und in der Öffentlichkeit", hatte Özdemir erklärt. Man werde das Projekt aus heutiger Perspektive bewerten und dabei ergebnisoffen vorgehen.
Zuvor hatte die CDU den Druck auf den grünen Koalitionspartner erhöht. CDU-Fraktionschef Tobias Vogt (41) hatte gemahnt, angesichts der schwer angeschlagenen kommunalen Haushalte und drohender Krankenhausschließungen müsse die Politik die Kosten berücksichtigen.
Littmann-Bau muss dringend saniert werden
Der 1912 eröffnete Littmann-Bau neben dem Landtag ist in einem stark renovierungsbedürftigen Zustand. Zuletzt hatten Land und Stadt Stuttgart angekündigt, die Pläne für das Interimsgebäude deutlich abspecken und die Kosten so auf maximal 289 Millionen Euro drücken zu wollen.
Eine offizielle Schätzung, wie hoch die Kosten für die gesamte Sanierung ausfallen, gibt es derzeit nicht. 2019 ging man bei einer Berechnung von rund einer Milliarde Euro aus. Die Kosten für das ganze Projekt teilen sich Stadt und Land.
Das geplante Übergangsgebäude oder Interim soll etwa zehn Jahre lang als Ausweichquartier für Ballett und Oper dienen, während die eigentliche Oper saniert wird. Eigentlich sollte der Bau der Interimsspielstätte 2026 starten und bis 2029 abgeschlossen sein. Zuletzt war von einem Baubeginn im Jahr 2028 die Rede. Die ersten Stücke sollten dann 2033 dort aufgeführt werden.