Ex-Bahn-Manager "schockiert" über Stuttgart 21: Neue TV-Doku beleuchtet das Milliarden-Debakel
Stuttgart/Baden-Baden - Es ist das teuerste Großprojekt Deutschlands, das täglich unzähligen Reisenden viel Geduld abverlangt: Stuttgart 21. Eine neue SWR-Dokumentation soll Antworten liefern und lässt dafür Befürworter, Kritiker und hochrangige Bahn-Manager zu Wort kommen.
Die Eröffnung des neuen Tiefbahnhofs wurde immer wieder verschoben, aktuell peilt man frühestens Ende 2031 an.
Probleme beim Tunnelbau, beim Brandschutz, mit Fluchtwegen und der Digitalisierung treiben die Kosten auf schätzungsweise 14,5 Milliarden Euro. Inklusive aller zugehörigen Baustellen im Umland beläuft sich die Summe sogar auf 25,4 Milliarden Euro.
Besonders brisant in der SWR-Doku sind die offenen Worte aus den Reihen der Deutschen Bahn. Die aktuelle DB-Chefin Evelyn Palla (53) findet ungewohnt deutliche Worte: "Der Bericht zeigt gravierende Mängel in Planung, in Steuerung und auch im Risikomanagement." Das bisherige Projektmanagement habe schlichtweg nicht ausgereicht, um ein Vorhaben dieser Größenordnung zu steuern.
Rückendeckung für diese Kritik gibt es auch von Ex-Bahn-Manager Thilo Sarrazin (81), der Vorwürfe erhebt. Er sei "fast schon schockiert" gewesen, dass die Bahn das "absolut unrentable" Projekt tatsächlich umsetzen wollte, erklärte er in der 45-minütigen Doku.
Stuttgart 21 spaltet die Gemüter
Ganz anders bewertet dies der ehemalige Bahnchef Hartmut Mehdorn (84), der Stuttgart 21 einst vorangetrieben hat. Er verteidigt das Bauvorhaben in der Dokumentation weiterhin: "Ich bin heute noch überzeugt, in nicht zu langer Zeit werden die Stuttgarter stolz auf ihren Bahnhof sein."
Neben den Bahn-Verantwortlichen kommen auch die politischen Wegbegleiter der letzten Jahrzehnte zu Wort.
Während langjährige Kritiker wie der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (54, parteilos) und der Stuttgarter Stadtrat Hannes Rockenbauch (46) das Projekt als wirtschaftlich unsinnig verurteilen, betonen Befürworter wie Ex-Ministerpräsident Günther Oettinger (72, CDU) und der frühere Stuttgarter OB Wolfgang Schuster (77, CDU) die visionäre Architektur und den verkehrstechnischen Nutzen für die Landeshauptstadt.
Die Dokumentation blickt zudem auf die gesellschaftlichen Verwerfungen in der Schwabenmetropole zurück bis hin zum sogenannten "Schwarzen Donnerstag", an dem der Protest gegen das Projekt in einem harten Polizeieinsatz eskalierte. "Stuttgart 21 – Die Jahrhundertbaustelle" läuft am Montag (28. September) um 23.50 Uhr auf Das Erste und ist auch in der ARD Mediathek abrufbar.
Titelfoto: Bildmontage: Christoph Schmidt/dpa, Christoph Schmidt/dpa, Christoph Soeder/dpa

