Das Leben ist gerade teuer genug: So haltet Ihr jetzt Euer Geld zusammen
Deutschland - Zu teuer, zu kostspielig, das geht ins Geld. Viele jammern in Zeiten von Inflation und hohen Spritpreisen, ohne ihr Sparpotenzial ausgeschöpft zu haben. Weil sie es nicht kennen. Doch wo lauern überhaupt die Preisfallen im Alltag? Und wie kann ich sie umgehen? Wir machen "Kassensturz" und geben in elf Kategorien Tipps, wie und wo Sie im Alltag überall sparen können. Wetten, dass Ihr noch nicht alle kennt?
Strom
Auch wenn Ihr schon einmal in einen Stromtarif zu einem günstigeren Anbieter gewechselt seid, raten Experten: Nach einem Jahr sollte man erneut Ausschau nach einem neuen Anbieter halten.
Denn Preisgarantien laufen dann meist aus, Tarife steigen oft stark an. Zudem kommen nur Neukunden in den Genuss von lukrativen Sofort- und Neukunden-Boni.
Tipp: maximal Zwölf-Monats-Verträge abschließen. Laut Finanz-Ratgeber Finanztip.de kann man so bei einem Jahresverbrauch von 3000 kWh/Jahr rund 300 Euro sparen - jedes Jahr aufs Neue!
Empfohlene Vergleichsportale sind verivox.de, check24.de oder preisvergleich.de
Mobilfunk
Der Mobilfunkmarkt ist so schnelllebig, dass man regelmäßig den Vertrag wechseln sollte. Finanzberater Holger Hinze (56) von der Verbraucherzentrale warnt: "Wer lange an Verträgen festhält, zahlt oft drauf."
Sein Tipp: Datenverbrauch prüfen und dann nach einem passenden Tarif suchen. Wer zu den günstigeren Mobilfunktarifen der Discounter (z.B. auch ALDI, Lidl, Rewe, Netto, Edeka) oder in einen monatlich kündbaren Tarife wechselt, kann seine Kosten laut Vergleichsportal Verivox um bis zu 70 Prozent senken.
GMX hat sogar einen völlig kostenlosen Tarif im Angebot (Telefonier-Flat und 3 GB Daten). Mehr Datenvolumen für weniger Geld gilt übrigens auch für den Wechsel des DSL/Glasfaser-Anbieters. Was viele nicht wissen: Seine angestammten Rufnummern kann man natürlich mitnehmen - kostenlos!
Lebensmitteleinkauf
Lasst Euch beim Wocheneinkauf von Sonderangeboten inspirieren.
Aber Achtung, auch dann gilt: Nicht die roten Preisschilder, sondern "immer die Grundpreise in Kilo- oder Liter-Angaben vergleichen", empfiehlt Verena Müller (29) von der Verbraucherzentrale Sachsen.
Ein Einkaufzettel verhindert Impulskäufe. Eigenmarken sind meist günstiger als Markenprodukte. Mit Rabatt-Apps der Einzelhändler oder Payback-Cashback holt man sich zusätzlich Geld zurück.
Banken
Ihr habt seit Jahren keine Bank mehr von innen gesehen, braucht keinen Bankberater und nutzt längst Onlinebanking?
Dann braucht Ihr auch keine Filialbank. Viele Onlinebanken bieten kostenlose Girokonten an. Die Jahresersparnis gegenüber dem Comfort Girokonto (monatlich 8,90 Euro Grundgebühr) der Sparkasse macht zum Beispiel 106,80 Euro aus.
"Zudem sind Zinsen bei Filialbanken und Sparkassen meist nicht so üppig", weiß Timo Halbe (28), Experte für Geldanlagen beim Geldradgeber Finanztip.de.
Und eine Kreditkarte darf ruhig auch mal von einer anderen Bank als das Girokonto sein, solange sie kostenlos ist.
Apotheke
Blutdrucksenker, Diabetes-Arznei, Cholesterinsenker, Asthma-Spray, Rheuma- oder Allergie-Arznei: Ihr berappt für jedes verordnete Medikament eine gesetzliche Zuzahlung - wenn man das Rezept in der Apotheke um die Ecke einlöst.
Viele Online-Apotheken halbieren diese Zuzahlung bei E-Rezepten oder verzichten sogar ganz darauf. Wer chronisch krank ist, kann so übers Jahr eine Stange Geld für Arzneien sparen.
Auch nach der geplanten Erhöhung im Sparpaket von Gesundheitsministerin Nina Warken (46, CDU) wollen Online-Apotheken diese Praxis beibehalten.
Die Zuzahlungsstufen sollen vom Mindestbetrag in Höhe von 5 Euro auf 7,50 Euro und Maximalbetrag von 10 auf 15 Euro pro Medikament erhöht werden.
Tankstelle
Bei Marken-Stationen zu tanken, war vor Einführung der 12-Uhr-Regel meist teurer als bei No-Name-Tankstellen. Viele mieden sie deshalb.
Weil sich die Spritpreise an den Tankstellen jetzt aber viel weniger unterscheiden, werden die Rabattsysteme der Marken-Stationen wieder lukrativ: Total hat zum Beispiel ebenso wie Shell (ClubSmart) ein eigenes Rabattsystem.
Bei Shell können ADAC-Mitglieder mit Karte ersatzweise 1 Cent/Liter, bei ARAL mit Payback bei Aktionen bis zu 6 Cent/Liter sparen. Die Vergünstigung kann seit 1. Mai zusätzlich zum Tankrabatt der Bundesregierung in Höhe von 17 Cent eingestrichen werden.
Abos
Streaming-Dienste für Audio und Video, Online-Abos, Zeitschriften, Fitnessstudio: Habt Ihr alle Eure Abos und Mitgliedschaften im Kopf?
Oft überschneiden sich die Dienste oder man war ewig lange schon nicht im Fitnesscenter - ungenutzte Verträge und Abos kündigen!
Urlaub
Mit Frühbucherrabatten oder Last Minute fährt man am günstigsten in den Urlaub.
In Schulferienzeiten sind Flüge in einem Bundesland billiger, das keine Ferien hat. Pauschalreisen über Portale wie Check24, weg.de, HolidayCheck oder ab-in-den-urlaub.de vergleichen.
Deal-Portale wie Urlaubspiraten oder Urlaubsguru nutzen. Hotels sind manchmal direkt auf deren Website günstiger.
Autoversicherung
Versicherungsbeitrag jährlich statt monatlich abbuchen lassen - 5 bis 10 Prozent günstiger. Werkstattbindung im Schadenfall macht noch einmal bis zu 12 Prozent Erlass aus.
Fahrerkreis einschränken. Versicherer nach Neukundentarif fragen. Wer sich auf Telematik-Tarife einlässt (registrieren die Fahrweise), kann noch einmal bis zu 30 Prozent sparen.
Gleich ganz zu einer günstigeren Versicherung zu wechseln, geht erst wieder zum 30. November.
Steuererklärung
Das Statistische Bundesamt hat errechnet: Die durchschnittliche Steuererstattung in Deutschland liegt bei 1172 Euro.
So viel bekommt ein Arbeitnehmer im Durchschnitt vom Finanzamt zurück, wenn man freiwillig eine Steuererklärung abgibt. Mit Apps lässt sie sich nach Eingabe von nur wenigen Daten kostenlos innerhalb weniger Minuten anfertigen.
Versicherungen
"Manche Versicherungen kann man sich sparen", sagt der Dresdner Versicherungsexperte Holger Hinze (56), Finanzberater bei der Verbraucherzentrale Sachsen.
Dazu zählen: Insassenunfall-, Garantieverlängerungs-, Reisegepäck-, Sterbegeld-, Brillen-, Handy-, Krankenhaustagegeld- oder Restschuld-/Restkreditversicherung. Begründung: "Die Beiträge stehen oft nicht im Verhältnis zum Nutzen."
Aber auch eine unbedingt ratsame Privathaftpflichtversicherung kann zu teuer sein. Hinze: "Für eine Deckungssumme von 15 Millionen Euro sind etwa 50 Euro Versicherungsbeitrag angemessen."
Titelfoto: Montage: Archiv, picture alliance/CHROMORANGE