Leipzig - So langsam wird es herbstlich draußen. Eine gute Zeit, um sich gemütlich auf die Couch zu werfen und ein paar Videospiele zu zocken. Wir verraten Euch, welche Games in den letzten Wochen den TAG24-Test bestanden haben - und welche eher nicht.
Mortal Shell II
Zugegeben, der erste Teil von "Mortal Shell" zählt für mich definitiv zu den schlechtesten Soulslikes, das ich je gespielt habe. Entsprechend skeptisch war ich natürlich beim zweiten Ableger, den ich mangels Genre-Alternativen zumindest einmal ausprobieren wollte.
Und siehe da: Ich wurde überrascht! "Mortal Shell II" macht so ziemlich alles besser, was der erste Ableger vergeigt hat. Es gibt eine große Welt mit durchaus unterschiedlichen Gegnertypen. Eine Vielzahl an Waffen durch die titelgebenden Hüllen, die wiederum besondere Fähigkeiten haben. Es fühlt sich wuchtiger an, die Bosse haben einiges drauf und Euer Entdeckerdrang wird quasi ständig belohnt.
Wenn Ihr noch rausbekommt, wie Ihr im Menü die voreingestellten Kamera-Optionen ändert, da Ihr Euch sonst wie in einer Karussellfahrt fühlt, dann könnt Ihr durchaus lange Zeit Spaß mit diesem Titel haben. Übrigens: Entgegen der Sony-Verkaufsstrategie, bald keine physischen Titel mehr anbieten zu wollen, verkauft sich die physische Version von "Mortal Shell II" so gut, dass sie zeitweise komplett vergriffen war.
Beast of Reincarnation
Entwickler Game Freak wagt sich mal aus der Pokémon-Blase heraus und versucht sich bei einem Playstation-Exklusiv-Titel. "Beast of Reincarnation" ist aber nicht, wie viele nach dem ersten Trailer vermutet hätten, ein Pokémon auf der großen Grafik-Bühne. Ihr bekommt hier eher ein Action-RPG mit Tierbegleiter. Das Kampfsystem ist fantastisch umgesetzt.
Nicht nur, dass Heldin Emma einige geile Moves auf Lager hat. Wolf Koo lässt sich via Zeitlupen-Menü dazuschalten und kann Gegnern unter anderem fiese Statusleiden zufügen. Das greift alles sehr gut ineinander und fühlt sich in den ersten Spielstunden einfach toll an.
Leider hält dieses Hoch aber nicht ewig. Viel zu oft wiederholen sich Dinge. Es herrscht kaum Gegnervielfalt und die Geschichte um ein verseuchtes Japan fesselt eher nicht. Dem Titel geht schlichtweg mit der Zeit die Luft aus. Was schade ist, denn zehn Stunden kürzer und knackiger und "Beast of Reincarnation" wäre vermutlich richtig gut geworden.
Onimusha: Way of the Sword
Capcom kann einfach keine schlechten Spiele mehr. Ich hatte zuvor noch nie etwas mit der "Onimusha"-Reihe am Hut und war nach wenigen Stunden schon komplett gefesselt von "Way of the Sword".
Das liegt daran, dass der Protagonist Musashi einfach ein arrogantes Arschloch ist, was perfekt in das von Dämonen verseuchte Samurai-Setting passt. Vieles erinnert vom Level-Aufbau an die "Resident Evil"-Remakes, was einen gewissen Wohlfühlfaktor schafft.
Die Kämpfe sind wuchtig und ganz klar von "Sekiro" abgeguckt, weil Parieren später viel wichtiger wird als einfaches Angreifen. Aber auch so hat der Held viele Optionen, um sich zu wehren. Da werden Fässer zum Werfen benutzt, mit Karren Gegner umgefahren und sogar Türen geschossen. Extrem cool, macht alles extrem süchtig.
Echoes of Aincrad
Bandai Namco: Eine Entwicklerschmiede, die mit Titeln wie der "Tales of"-Reihe oder auch "Code Vein" immer wieder für Aufmerksamkeit sorgt. Gerade die JRPG-Spiele sehen grafisch (und teils auch vom Aufbau her) oft identisch aus. "Echoes of Aincrad", eine eigentlich sehr ambitionierte Action-RPG-Hoffnung, steht dem in nichts nach, verschenkt aber immens viel Potenzial.
Das sieht schon alles sehr schick aus. Doch warum sind die Levels so leer? Warum ist die Welt teils so schlauchig und trotzdem verwirrend? Warum wiederholen sich die Gegner ständig und warum zieht sich das, gerade gegen Ende hin, nur noch wie Kaugummi? Man denkt sich einfach die ganze Zeit: Das müssen die Entwickler doch eigentlich selbst merken?
Klar, eine gewisse Zielgruppe holt man eventuell trotzdem ab. Wer gemütlich nach der Arbeit ein paar Grind-Missionen machen will, wird bedient und im Idealfall fühlt man sich im Sword-Art-Universum generell sehr wohl.
Der Rest lässt die 70 Euro Kaufpreis wohl aber eher in der Tasche.