Gegen die eigene Oma zocken: Dieses ungewöhnliche Spiel entsteht in Leipzig
Leipzig/Köln - Gegen die eigene Oma zocken und ihr dabei auch noch widersprechen? Genau darum geht es in einem neuen Computerspiel aus Leipzig. Doch hinter der schrägen Idee steckt ein ziemlich ernstes Thema.
Das Leipziger Indie-Studio ROTxBLAU stellte auf der Gamescom sein erstes eigenes Spiel "Meine Oma(88)" vor. TAG24 sprach mit Game und Art Director Alexander Zenker über das ungewöhnliche Projekt.
Im Spiel besucht der Spieler als Enkelin seine Oma im Krankenhaus und taucht während der Gespräche immer wieder in ihre Erinnerungen ein.
Dabei kann er entweder ihrer Geschichte folgen oder bewusst davon abweichen. "Und dann fängt sie an, sich zu beschweren und dir Herzen abzuziehen", erklärte Zenker.
Der Spieler müsse versuchen, "die Beziehung zur Oma zu halten" und gleichzeitig herausfinden, was in der Familie womöglich schon seit Generationen verschwiegen werde.
Hinter der zunächst schrägen Idee steckt damit ein ernstes Thema: Erinnerungskultur und die Frage, warum Familien über bestimmte Teile ihrer Vergangenheit schweigen.
Einer der Anstöße kam durch einen Freund, der Zenker fragte: "Warum sind die Deutschen, wie sie sind?" Dabei habe er sich "irgendwie ertappt gefühlt".
Leipziger Spielidee überzeugte bereits eine Jury
Später entstand bei einem Workshop der Stiftung Digitale Spielekultur die Idee, das Prinzip "Player vs. Narrator" auf die eigene Oma zu übertragen.
Das kam offenbar gut an: Das damalige Projekt gewann 2020 den Pitch-Jam "Erinnern mit Games". Für die Entwicklung eines Prototyps erhielt ROTxBLAU anschließend eine Förderung der Mitteldeutschen Medienförderung.
Auch die weitere Produktion wird unterstützt. Das Spiel entsteht gemeinsam mit einer Gedenkstätte, die bei dem Projekt Fördermittel der Alfred Landecker Foundation erhielt.
Auf der Gamescom lag der Entwicklungsstand laut Zenker bei rund 80 Prozent. Rund zehn Stunden Spielzeit sind geplant.
Erscheinen soll "Meine Oma(88)" voraussichtlich im November oder Dezember 2026 zunächst auf Steam. Einen Publisher für weitere Plattformen suchen die Leipziger noch.
Titelfoto: ROTxBLAU

