Paris (Frankreich) - Die abendliche Parade im Disneyland ist im vollen Gange. Figuren wie Micky Maus und Donald Duck bringen Kinderaugen zum Leuchten. Doch unter den Anwesenden befinden sich einige Kids, die nur auf eines konzentriert sind: die Taschen und Wertsachen anderer Leute. Kommen sie ohne Beute nach Hause, drohen ihnen Schläge, Misshandlung oder gar sexuelle Gewalt.
Bereits im Jahr 2022 gingen bei der französischen Polizei erste Hinweise auf eine Gang ein, die sich auf Taschendiebstähle am Pariser Flughafen Charles de Gaulle, dem Disneyland und dem dortigen Bahnhof spezialisiert hat.
Laut einem Artikel der französischen Tageszeitung "Ouest France" hatten die Diebe allesamt eine Verbindung zum bosnischen Hamidovic-Clan, an dessen Spitze der Patriarch Roberto H. (48) und seine Frau Lejla steht.
Das Verbrecherpaar soll seine eigenen und weitere Kinder der Familie sowie junge Frauen dazu beauftragt haben, an den belebten Orten in Paris auf Diebestour zu gehen und dort Touristen zu bestehlen. Tagtäglich sollen die Minderjährigen bis zu 25.000 Euro erbeutet haben, dabei standen sie jedoch unter extremen Druck.
Während des kürzlich stattgefundenen Gerichtsprozesses kam heraus, dass das Paar den Kindern und jungen Frauen körperliche und sexuelle Gewalt androhte, wenn sie ohne Beute nach Hause kommen. Der Clan habe die Minderjährigen "benutzt, um sich Straflosigkeit zu sicheren", erklärte die Staatsanwaltschaft.
Roberto H. wurde nun wegen Menschenhandels zu acht Jahren hinter Gittern sowie einer Geldstrafe von 500.000 Euro verurteilt. Seine Frau muss eine Haftstrafe von sechs Jahren verbüßen, sowie 300.000 Euro zahlen.
Angeklagte Familienmitglieder streiten Verbindung ab
Die Familie Hamidovic ist bereits seit gut zwanzig Jahren der französischen Polizei bekannt. Vor Kurzem standen sechs Familienmitglieder vor Gericht, allerdings bestritten alle die schweren Vorwürfe.
Vor Gericht behaupteten die Angeklagten ihr Geld hauptsächlich mit dem Verkauf von Autos für das Familienoberhaupt oder kleineren Diebstählen zu verdienen.
Die Kinder und Jugendlichen waren während des Prozesses nicht mit im Gerichtssaal anwesend. Einige von ihnen befinden sich mittlerweile in der Obhut von Pflegefamilien.