Mann soll wegen Facebook-Kommentar hingerichtet werden! Weltweiter Aufschrei verhindert Entsetzliches

Riad (Saudi-Arabien) - In kaum einem Land der Welt liegen Moderne und mittelalterliche Praktiken so nah beieinander wie in Saudi-Arabien. Im September wurde ein Gastarbeiter aus Sri Lanka zum Tode verurteilt - nur wegen eines Facebook-Kommentars! Durch intensive diplomatische Bemühungen und einen weltweiten Aufschrei konnte die Horror-Strafe doch noch abgewendet werden.

Anojan Sivarasa sollte nur wegen einer Social-Media-Bemerkung getötet werden.  © Human Rights Watch

Anojan Sivarasa war am 17. September zum Tode verurteilt worden, wie die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtete. Ein saudisches Gericht hatte ihn wegen Blasphemie gegen den Islam und den Propheten Mohammed schuldig gesprochen.

Das alles nur wegen eines Facebook-Kommentars! Dort soll ein anderer User laut BBC abfällige Bemerkungen über eine hinduistische Gottheit geschrieben haben, woraufhin Sivarasa mit einer Beleidigung des islamischen Propheten reagierte.

Selbst das sofortige Löschen sowie eine öffentliche Entschuldigung halfen dem Mitte-20-Jährigen (Altersangaben weichen in verschiedenen Quellen voneinander ab) nicht - laut der Justiz in Saudi-Arabien sollte der junge Mann aus Sri Lanka sterben.

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Nicht nur in seinem Heimatland war das Entsetzen über diese Entscheidung gigantisch. Es folgten "diplomatische und rechtliche Bemühungen der Regierung Sri Lankas", wie Arun Hemachandra, der Außenminister des Landes, auf Facebook erklärte.

"Einen Gastarbeiter wegen eines Facebook-Kommentars, für den er sich öffentlich entschuldigt hat, zum Tode zu verurteilen, ist eine ungeheuerliche Überreaktion der saudischen Behörden angesichts der zunehmenden Hinrichtungen", erklärte indes Joey Shea, Experte für Saudi-Arabien bei Human Rights Watch. "Niemand sollte wegen einer Äußerung über Religion hingerichtet werden."

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Saudi-Arabien gibt sich gerne modern, doch die Justiz in dem Land ist höchstens auf mittelalterlichem Niveau.  © picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Saudi-Arabien hält "Todesstrafe für ein breites Spektrum an Straftaten" aufrecht

Die Proteste und Bemühungen zeigten Erfolg! Am Dienstag annullierte der Oberste Gerichtshof Saudi-Arabiens die Verurteilung zur Todesstrafe, wie Hemachandra am Mittwoch mitteilte. Er dankte der "Regierung der Arabischen Republik Saudi-Arabien für ihre Zusammenarbeit".

Wie es nun mit Anojan Sivarasa weitergeht - ob er im Gefängnis bleiben muss oder andere Strafen zu erwarten hat -, ist indes völlig unklar. Seine Familie hatte seit Ende September keinen Kontakt mehr zu dem jungen Mann.

"Saudi-Arabien gehört schon seit Langem zu den Ländern mit einer hohen Zahl an Hinrichtungen und hält die Todesstrafe für ein breites Spektrum an Straftaten aufrecht", heißt es in einem Bericht von Amnesty International.

In dem Staat im Nahen Osten, der sich gerne als hochmodernes Paradies inszeniert, wird im Schnitt fast ein Mensch pro Tag hingerichtet, teilweise wegen Drogen-Lappalien oder eben Religionskritik. "Die übliche Hinrichtungsmethode in Saudi-Arabien ist die öffentliche Enthauptung mit einem Schwert."

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