Niedrigwasser legt deutsche Soldaten und Motorrad frei: Jetzt soll die Identität der Toten geklärt werden
Budapest (Ungarn) - Der niedrige Pegel der Donau hat in Budapest zahlreiche Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt, darunter die Überreste zweier gefallener deutscher Soldaten. Nun soll geklärt werden, wer die beiden sind.
Wie der gemeinnützige Verein Volksbund mitteilt, wurde auf der Budaer Seite des ungarischen Parlaments im Flussbett der Donau ein Wehrmachts-Motorrad vom Typ DKW NZ 350-1 entdeckt. Bei der Bergung stießen die Einsatzkräfte zudem auf die sterblichen Überreste zweier deutscher Soldaten.
Mehr als acht Jahrzehnte lagen die Gefallenen im schlammigen Flussbett. Das historische Motorrad befindet sich inzwischen im Institut und Museum für Militärgeschichte in Budapest, wo es untersucht und restauriert wird.
Parallel hat der Volksbund mit der Identifizierung der beiden Toten begonnen. Zwar lassen sich die Namen auf den gefundenen Erkennungsmarken möglicherweise schnell ermitteln. Ob die Marken jedoch tatsächlich zu den geborgenen Soldaten gehören, muss erst geklärt werden.
Dafür werden die menschlichen Überreste genau untersucht. Anhand der Knochen lassen sich unter anderem Rückschlüsse auf die Körpergröße und das ungefähre Lebensalter ziehen.
"Hier sind unter anderem das Kreuzbein und die Epiphysen an den Langknochen auswertbar und auch die Weisheitszähne können Auskunft geben", erklärt Arne Schrader, Leiter der Abteilung Kriegsgräberdienst und internationale Beziehungen beim Volksbund.
Die Identifizierung der Toten läuft
Auch persönliche Gegenstände und andere Fundstücke aus der unmittelbaren Umgebung können gegebenenfalls bei der Identifizierung helfen.
Alle wichtigen Erkenntnisse werden im Umbettungsprotokoll festgehalten und zusammen mit den Erkennungsmarken an die Bundesgeschäftsstelle des Volksbundes nach Niestetal bei Kassel geschickt.
Anschließend gleicht das Referat Gräbernachweis die Funde mit vorhandenen Unterlagen zu vermissten Soldaten ab. Dabei können Angaben von Angehörigen und Kameraden sowie Wehrmachtsunterlagen, Verlustmeldungen und Informationen über die damaligen Einsatzorte der Einheiten wichtige Hinweise liefern.
Im besten Fall gelingt dem Volksbund eine vorläufige Identifizierung. Die endgültige amtliche Bestätigung erfolgt durch das Bundesarchiv in Berlin. Erst danach können die Angehörigen informiert werden.
Wie lange die Identifizierung der beiden Toten dauern wird, ist derzeit unklar. Bestattet werden sollen die Soldaten auf der Kriegsgräberstätte Budaörs vor den Toren Budapests.
Wer selbst nach einem vermissten Angehörigen sucht, kann die "Gräbersuche-Online" des Volksbundes nutzen und bei einem fehlenden Ergebnis einen Suchantrag stellen.
Titelfoto: Bildmontage: Volksbund

