Helikopter von Skisprung-Olympiasieger gestohlen: Täter fliegen durch Europa
Mauterndorf (Österreich) - Vor knapp eine Woche verschwand der Helikopter der Skisprung-Legende Thomas Morgenstern (39) spurlos vom Flugplatz in der kleinen österreichischen Marktgemeinde. Noch immer weiß niemand, wo die Diebe den Hubschrauber hingebracht haben.
Die letzte Spur führt die Ermittler nach Kroatien heißt es in mehreren Berichten von "Heute". In der Nacht zum vergangenen Montag (21. September) wurde der Heli (Modell Robinson R44) um 4.20 Uhr über der Insel Pag gesichtet. Dann verläuft sich jedoch die Spur der Flugmaschine.
Doch eine Frage bleibt: Wie konnten die Diebe unbemerkt einen Helikopter stehlen? In einem Interview mit der österreichischen "Kronen Zeitung" erklärt Robert Wieland, der Leiter des Flugplatzes in Mauterndorf, dass er die Diebe in jener Nacht noch mit eigenen Augen gesehen hat.
Demnach habe er auf dem Flugplatz übernachtet und sei wach geworden, als die Unbekannten den Motor gestartet haben. "Ich bin gegen 1.30 Uhr munter geworden, weil ich Hubschrauber-Geräusche gehört habe. Ich bin sofort raus, da ist mir der Helikopter schon vor der Nase weggeflogen", erzählt er.
Auch die Polizei, die Wieland unverzüglich alarmierte, soll ihm zunächst nicht geglaubt haben. Schließlich gab es einen solchen Diebstahl in der Landesgeschichte noch nie. Doch damit nicht genug. Beim genaueren Hinsehen bemerkte der Vereinsleiter, dass nicht nur der Hunderttausende Euro teure Heli, sondern auch 365 Liter Treibstoff gestohlen wurden!
Für den passionierten Piloten ist klar: "Das war lange geplant und das Werk von Profis."
Morgenster-Heli-Diebe entfernten Transponder und Ortungssysteme vor Abflug
Ersten Ermittlungen zufolge müssen sich die Unbekannten mehr als anderthalb Stunden unbemerkt an dem Hubschrauber aufgehalten haben. Um von den Radaren in der Umgebung nicht erfasst zu werden, haben sie vor dem Abflug das Ortungssystem sowie den Absturzsender ausgebaut und den Transponder abgeschaltet. Erst dann sind sie mit dem Mehrzweckhubschrauber, der eigentlich gar nicht für Nachtflüge ausgestattet ist, in den Nachthimmel gestartet.
Sowohl der Vereinsleiter, als auch Eigentümer Manuel Aster sind fassungslos über das offenbar spurlose Verschwinden der Maschine: "Wie kann es sein, dass der Heli durch halb Europa fliegen kann und das nicht auffällt?", fragt Aster gegenüber der Tageszeitung.
Mittlerweile hat sich sogar das österreichische Bundesheer in die Ermittlungen eingeschalten. Dieses ist bei der Ortung nicht auf Daten des Transponders angewiesen, sondern kann zusätzlich auf sogenannte Primärradardaten zurückgreifen. Mithilfe derer wolle man nun die Flugroute des Helikopters nachvollziehen.
Nach seinem Karriereende konnte Olympiasieger Thomas Morgenstern das Fliegen nicht ganz sein lassen und wechselte die Ski gegen Rotoren. Der 39-Jährige gründete gemeinsam mit dem Gastronomen Manuel Aster ein Unternehmen, welches Helikopterrundflüge und Schnupperflüge anbietet.
Titelfoto: Fotomontage: LIU JIN / AFP, picture-alliance/ dpa

