Was steht denn hier auf dem Feld? Dieses Ding ist viel größer als man denkt
Von Doris Heimann
Konotopie (Polen) - Das Dorf Konotopie in Polen ist so klein, dass seine Straßen nicht einmal Namen haben. Ein Nest mit 120 Einwohnern, drei Stunden westlich von Warschau. Doch was hier in den Himmel ragt, ist gigantisch: Eine riesige Marienfigur erhebt sich zwischen Weizen- und Gerstenfeldern.
Das neue Bauwerk hat eine Gesamthöhe von mehr als 55 Metern. Die Statue selbst ist 40,6 Meter hoch. Ihr Sockel in Form einer Krone misst 15 Meter Höhe. Zum Vergleich: Die berühmte Christus-Statue von Rio de Janeiro bringt es mitsamt Sockel auf 38 Meter.
Als "größte Marienstatue Europas" feiert die polnische Presse den skurrilen Sakralbau von Konotopie. Größer geht es noch auf den Philippinen: Die Marienstatue von Montemaria ist 96 Meter hoch und gilt als größte Darstellung der Gottesmutter weltweit.
Am 15. August, dem katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt, soll die Figur mit dem Namen "Pomnik Matki Boskiej" (Denkmal der Muttergottes) mit einem Festgottesdienst eingeweiht werden. Tausende Gläubige werden erwartet.
Konotopie verdankt sein Marien-Monument einem privaten Stifter. Der Unternehmer Roman Karkosik ist einer der reichsten Männer in Polen. Der 75-Jährige hat es in der Autozuliefererbranche zu einem Vermögen gebracht und zählt zu den bekanntesten polnischen Börseninvestoren.
Baukosten werden auf umgerechnet 23 Millionen Euro geschätzt
Der Multimillionär verriet der "Financial Times" lediglich, er habe die Statue "aus Dankbarkeit gegenüber Maria" errichten lassen. In Konotopie und Kikol sagen die Dorfbewohner, es sei dabei wohl um seine Gesundheit gegangen.
Auch über die Baukosten schweigt Karkosik. Das polnische Fachportal "Architektura Murator" schätzt sie auf umgerechnet 23 Millionen Euro.
Der von Karkosik beauftragte Bildhauer Adam Jakub Matejkowski erzählte der polnischen Ausgabe des Magazins "Forbes", der Stifter habe einen besonderen Wunsch gehabt: "Er wollte, dass die Marienstatue größer wird als die Christus-Figur in Swiebodzin."
Der Ort Swiebodzin, unweit der Grenze zu Deutschland, steht für das bisherige polnische Nonplusultra der christlichen Statuen. Die riesige Jesusfigur dort ist von der Bahnlinie Berlin-Warschau aus gut zu sehen.
Die 2010 enthüllte Statue lehnt sich an das berühmte Vorbild von Rio an. Die Figur misst mit Krone 36 Meter. Finanziert wurde das Projekt seinerzeit aus Spendengeldern.
Titelfoto: Doris Heimann/dpa

