Schüsse auf Techno-Party: Kriminologe sieht Anzeichen für "Menschenjagd"
Aarau (Schweiz) - Während die Polizei nach den tödlichen Schüssen auf einer Techno-Party in der Schweiz bereits einen Tatverdächtigen (43) festnehmen konnte, ist zum Tatmotiv bislang nichts bekannt. Ein Kriminologe sieht jedoch Anzeichen dafür, dass beim "Aarauer Rave" Jagd auf Menschen gemacht wurde.
Wenige Stunden nach der schockierenden Bluttat ein Aarau hatte die Polizei mehrere mögliche Szenarien in Betracht gezogen: einen Terroranschlag, einen Amoklauf sowie eine kriminelle Abrechnung in einem bestimmten Milieu.
Durch die Schüsse auf der Techno-Party wurde eine junge Italienerin (†22) getötet, fünf weitere Menschen teils schwer verletzt.
Dirk Baier, ein Kriminologe von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Zürich, griff dagegen zu einer deutlich drastischeren Formulierung: "Ich schließe nicht aus, dass hier in gewisser Weise Jagd auf Menschen gemacht wurde. So müsste man es aus meiner Sicht auch bezeichnen", sagte er gegenüber dem Magazin "20 Minuten".
Einen Amoklauf halte er dagegen für "wenig plausibel", da solche meist an öffentlicheren Orten geschehen würden. Ein Terrorakt sei aus seiner Sicht ebenfalls unwahrscheinlich, da ein Bekennerschreiben fehle.
Dass die Spurensicherung am Tatort - dem Gelände einer Pferderennbahn, wo in der Nacht auf Sonntag Techno-Fans zu basshaltiger Musik tanzten, - mehrere Patronenhülsen aus unterschiedlichen Waffen fand und nach erfolgter Festnahme des Tatverdächtigen dennoch von einem Einzeltäter ausgeht, hält der Kriminologe für ungewöhnlich.
"Unüblich": Einzeltäter soll in Aarau aus zwei Waffen gefeuert haben
"Normalerweise würde man von zwei Tatpersonen ausgehen. Es ist eher unüblich, dass ein Täter während der Tat die Waffe wechselt oder zwei Waffen gleichzeitig mit sich führt. Denkbar wäre etwa, dass die Person verschiedene Waffen ausprobieren wollte oder wegen einer Fehlfunktion die Waffe wechselte", sagte Baier.
Auch aufgrund der Anzahl der abgegebenen Schüsse stellte er Vermutungen über den Todesschützen an.
Während ein "geübter Schütze" nur wenige Schüsse benötigt hätte, um ein "konkretes Ziel" zu treffen, halte es der Kriminologe für möglich, dass es sich um einen Täter mit wenig Waffenerfahrung handle.
Aber: "Denkbar ist aber auch, dass die Vielzahl der Schüsse Teil der Absicht war: Die Täterschaft wollte demonstrieren, dass sie schwer bewaffnet sind und keine Hemmungen haben, diese Waffen einzusetzen."
Die zuständige Kantonspolizei äußerte sich nach der Festnahme des 43-jährigen Schweizers nicht weiter zur Tat und kündigte erst für Mittwochnachmittag neue Informationen an.
Titelfoto: Bildmontage: Michael Buholzer/KEYSTONE/dpa

