Toledo (Spanien) - Nach dem schrecklichen Zugunglück in der spanischen Provinz Toledo hält ein gesamtes Land den Atem an. Jetzt ist klar, was unmittelbar vor dem tödlichen Unfall passiert ist.
Am Mittwochnachmittag, ungefähr sechs Stunden nach dem Zusammenprall der beiden Hochgeschwindigkeitszüge, bei dem mindestens 68 Menschen ihr Leben verloren haben, trat der spanische Verkehrsminister Óscar Puente (57) vor die Mikrofone der Medien, und so auch vor das der Tageszeitung "El País".
Laut ihm seien erste Ermittlungen zu dem Schluss gekommen, dass ein vorangegangener Systemausfall verantwortlich für die Tragödie war.
"Gegen 8.30 Uhr fiel das LZB-Kontrollsystem am Bahnhof Urda aufgrund eines Kommunikationsausfalls in drei Computern des Netzwerks aus", erklärte der Politiker.
Bei dem LZB handelt es sich um ein kontinuierliches Zugsicherungssystem, welches vor allem auf Hochgeschwindigkeitsstrecken eingesetzt wird. Dies dient vor allem dem Zweck, dass die Züge so sicher und so nah wie möglich aneinander fahren können.
Doch am heutigen Vormittag gab es eine Störung in ebendiesem System auf einem Streckenabschnitt von 63 Kilometern, was dazu führte, dass alle acht Züge in diesem Gebiet sofort stehen bleiben mussten. Die 24-Stunden-Leitstelle der spanischen Eisenbahninfrastrukturverwaltung (adif) übernahm daraufhin die manuelle Koordination der einzelnen Züge.
In dieser Phase kam es auch dazu, dass dem Zug, der mit dem Iryo-Zug zusammengestoßen ist, die Weiterfahrt gestattet wurde.
Weiterfahrt wurde trotz rotem Signal gewährt
Zudem betonte Puente, dass aufgrund des stehenden Iryo-Zuges eine rote Warnlampe im Kontrollzentrum geleuchtet habe. Trotzdem durfte der Zug weiterfahren.
Der Zug beschleunigte und fuhr zwischen 8.36 Uhr und 8.52 Uhr knappe 25 Kilometer mit einer Geschwindigkeit von etwa 200 Kilometern pro Stunde. Dann kam es zu dem fatalen Zusammenstoß mit dem Iryo-Zug, der noch immer auf dem Gleisabschnitt stillstand.
Weiter schilderte der Verkehrsminister, dass die Leitstelle mehrere falsche Anweisungen an die betroffenen Lokführer erteilt haben soll. Einer der Fahrer soll sogar versucht haben, die Leitstelle zu korrigieren.
Er soll vorgeschlagen haben, dass die Züge nicht mit normaler Reisegeschwindigkeit, sondern mit "Sichtgeschwindigkeit" weiterfahren sollen – das entspricht in etwa 40 Kilometern pro Stunde. Sein Anliegen wurde aber nicht erhört. Die Ermittlungen zu dem Fall dauern noch weiter an.