Gescheiterte Hinrichtung: Notruf für Christa Pike wurde offenbar nicht ernst genommen

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USA - Nach der gescheiterten Hinrichtung von US-Todeskandidatin Christa Pike (50) in Tennessee vergingen rund 30 Minuten, bis die Gefängnisleitung den medizinischen Notfall bestätigte.

Christa Pike (50) überlebte zwei Giftspritzen. Nun werfen Notrufmitschnitte Fragen zum Ablauf der fehlgeschlagenen Hinrichtung auf.
Christa Pike (50) überlebte zwei Giftspritzen. Nun werfen Notrufmitschnitte Fragen zum Ablauf der fehlgeschlagenen Hinrichtung auf.  © Uncredited/Tennessee Department of Correction/dpa

Der erste Notruf ging laut einem von US-Medien veröffentlichten Transkript um 20.40 Uhr ein - gut eine Stunde nach Beginn der Hinrichtung. Die Anruferin erklärte, dass Pike trotz der Verabreichung von zehn Gramm Pentobarbital noch lebe.

Die Leitstelle verlangte einen Sicherheitscode, den die Anruferin nicht nennen konnte. Daraufhin wurde der Anruf um 21.03 Uhr als Fehlalarm eingestuft. Auch bei einer anschließenden Nachfrage bestätigte die zentrale Gefängnisleitstelle zunächst keinen Notfall.

Um 21.08 Uhr setzte Pikes Anwältin Kelly Gleason einen weiteren Notruf ab. Sie schilderte, ihre Mandantin sei nicht ansprechbar, atme noch und benötige dringend lebensrettende Maßnahmen. Erst um 21.11 Uhr bestätigte die Gefängnisleitung die Notlage. Um 21.34 Uhr brachten Rettungskräfte Pike in kritischem Zustand ins Krankenhaus.

Nach gescheiterter Hinrichtung: Christa Pike kämpft mit psychischem Trauma
USA Nach gescheiterter Hinrichtung: Christa Pike kämpft mit psychischem Trauma

Nach Angaben von Pikes Anwalt Randy Spivey hatte das Personal zuvor etwa eine Stunde lang erfolglos versucht, einen intravenösen Zugang zu legen. Spivey berichtete von zahlreichen Einstichen, einer möglicherweise verbogenen Nadel sowie einer violetten Verfärbung des rechten Arms. Rund um die Einstichstellen hätten sich Blasen und Verbrennungen gebildet.

Pike musste zunächst beatmet werden. Sie erwachte, kurz bevor sie wegen eines vermuteten Hirntods von lebenserhaltenden Geräten getrennt werden sollte. Inzwischen wurde sie aus dem Krankenhaus entlassen und in das Frauengefängnis in Nashville zurückgebracht.

Rechtliche Folgen nach gescheiterter Hinrichtung noch unklar

Rettungskräfte brachten die verurteilte Mörderin in kritischem Zustand ins Krankenhaus.
Rettungskräfte brachten die verurteilte Mörderin in kritischem Zustand ins Krankenhaus.  © George Walker IV/AP/dpa

Ob Tennessee einen erneuten Hinrichtungsversuch unternehmen wird, ist bislang offen. Pikes Anwälte sehen mögliche verfassungsrechtliche Einwände. Dazu zählen das Verbot doppelter Bestrafung sowie das Verbot grausamer und ungewöhnlicher Strafen nach dem achten Zusatz der US-Verfassung.

Anders als bei früheren gescheiterten Hinrichtungen waren Pike die vorgesehenen Medikamente tatsächlich verabreicht worden. Juristen sehen darin einen wesentlichen Unterschied zu Fällen, in denen eine Exekution vor der eigentlichen Medikamentengabe abgebrochen wurde. Ob diese Umstände einen weiteren Versuch rechtlich verhindern können, muss sich erst zeigen.

Auch mögliche dauerhafte gesundheitliche Folgen sind noch nicht abschließend geklärt. Pikes Verteidigung verweist auf ein schweres psychisches Trauma und mögliche kognitive Schäden, deren Ausmaß sich möglicherweise erst in den kommenden Monaten feststellen lässt.

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Nach dem Vorfall ordnete Gouverneur Bill Lee (67) einen vorübergehenden Stopp aller Hinrichtungen in Tennessee und eine unabhängige Untersuchung an. Frank Strada, der Leiter der Gefängnisverwaltung, kündigte seinen Rücktritt an.

Der Fall verschärft die Debatte über die Todesstrafe in den USA und wirft Fragen zur Zuverlässigkeit der Hinrichtungsverfahren auf.

Titelfoto: Montage: Uncredited/Tennessee Department of Correction/dpa, George Walker IV/AP/dpa

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