Streit um Grönland: Dänemark und USA verkünden Durchbruch
Von Jan Christoph Freybott, Anna Ringle, Julia Wäschenbach, Marc Kalpidis
Nuuk/Kopenhagen/Washington - Die USA, Dänemark und Grönland haben nach langem Streit um die strategisch bedeutsame Arktisinsel überraschend einen Durchbruch verkündet.
In der kommenden Woche werde voraussichtlich ein Abkommen mit den USA unterzeichnet, teilten die Regierungen von Dänemark und Grönland mit.
US-Präsident Donald Trump (80) hatte kurz zuvor erklärt, das Abkommen sei schon besiegelt. Die Darstellung der Regierungen in Kopenhagen und Nuuk klang nicht nur in diesem Punkt etwas anders.
Trump zufolge sichern sich die USA mit der Vereinbarung weitreichende Befugnisse und Kontrolle über die weltgrößte Insel, die zwar weitgehend autonom ist, aber zum dänischen Hoheitsgebiet gehört.
"Die Vereinigten Staaten haben ein Abkommen mit dem Königreich Dänemark und Grönland geschlossen, das den Vereinigten Staaten die dauerhafte Kontrolle über die Sicherheit und alle anderen Belange in Grönland gewährt", schrieb er auf der Plattform Truth Social.
Donald Trump: Feinde der USA dürfen keine militärischen Stützpunkte mehr auf Grönland errichten
Die USA dürften fortan tun, was immer nötig sei, um die Insel zu verteidigen. Kosten entstünden ihnen durch die Vereinbarung nicht.
Trump hatte in der Vergangenheit wiederholt damit gedroht, die frühere dänische Kolonie zu annektieren. Dann versuchte er, mit Strafzöllen einen Verkauf an die USA zu erzwingen.
Trump begründete dies mit Sicherheitsinteressen der USA und damit, dass Feinde der Vereinigten Staaten wie China und Russland die Insel unter ihre Kontrolle bringen wollten – und Dänemark dem nichts entgegenzusetzen habe.
Ohne ausdrückliche Genehmigung der USA dürften ihre Feinde fortan keine militärischen Stützpunkte mehr auf der Insel errichten, teilte Trump nun mit. Gleiches gelte für "sensible Investitionen" in Grönland – wobei er nicht näher ausführte, was damit gemeint ist.
Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen sieht Stärkung der Sicherheit in der Arktis
Die dänische und grönländische Seite bestätigten diese Darstellung Trumps so nicht. Zum konkreten Inhalt des Abkommens und den Rechten oder Pflichten der Vertragsparteien machten sie keine Angaben. Auch wiesen sie auf weitere Zwischenetappen hin, die noch bevorstünden.
Laut der dänischen Regierung soll die Vereinbarung im Rahmen der UN-Generalversammlung in der kommenden Woche besiegelt werden und bedarf danach noch der Zustimmung des Parlaments, bevor sie in Kraft treten kann.
Es handle sich um einen Deal, der "unsere gemeinsame Sicherheit in der Arktis und im Nordatlantik stärkt und deshalb auch gut für die Nato und Europa ist", wurde die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen (48) in der gemeinsamen Mitteilung zitiert.
Außerdem würden die Souveränität und territoriale Integrität des dänischen Königreichs und das Recht des grönländischen Volks auf Selbstbestimmung anerkannt.
Frederiksen sprach von der "Aussicht auf ein gutes Abkommen". Der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen (35) erklärte, "das Abkommen erkennt Grönlands Interessen und unseren Platz in der internationalen Zusammenarbeit an. Es nützt uns allen."
Titelfoto: Montage: Li Ying/XinHua/dpa, Jacquelyn Martin/AP/dpa

