US-Midterms: Demokraten gewinnen wichtige Positionen - gewaltige Niederlage für Donald Trump

Von Anna Ringle, Andrej Sokolow, Franziska Spiecker, Johanna Haensel, Jan Christoph Freybott

Washington/USA -  Die Midterms in den USA ändern die Machtverhältnisse im Kongress. Die Demokraten gewinnen laut Hochrechnungen die Mehrheiten im Repräsentantenhaus und auch im Senat. Es kam zu der von Republikanern befürchteten blauen Welle der Demokraten - trotz der hohen Millionenspenden für den Republikaner-Wahlkampf. Für Präsident Donald Trump (80) ist das eine gewaltige Niederlage.

US-Präsident Donald Trump (80) wolle die Wahlergebnisse "akzeptieren".  © Charlie Neibergall/FR172181 AP/AP/dpa

Trump hatte die Parlamentswahlen zu einer Abstimmung über sich selbst gemacht und seine Anhänger aufgerufen: "Tut so, als stünde ich zur Wahl".

Als er in Washington Sieg um Sieg der Demokraten mitverfolgen muss, setzt er einen Post über sein Sprachrohr Truth Social ab, der sich plötzlich ganz anders anhört: "Ich stand nicht auf dem Stimmzettel. Und wenn ich darauf gestanden hätte, hätten wir ERDRUTSCHARTIG gewonnen!"

Als klar wird, dass auch der wichtige Gouverneursposten in Texas den Republikanern verloren geht, fängt Trump an, sich abwertend über den Wahlverlierer Greg Abbott zu äußern.

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Die Republikaner müssen sich perspektivisch fragen, ob sie weiterhin mit Trump als Führungsfigur auf das richtige Pferd setzen - oder ob sie einen Richtungswechsel in der eigenen Partei vornehmen müssen. 

Es gibt bei vielen Kritikern die Befürchtung, dass die US-Regierung Schritte unternehmen könnte, um den Ausgang der Midterms infrage zu stellen. Sie hatte in der Vergangenheit immer wieder das Narrativ von Wahlmanipulation verbreitet.

Am Midterms-Abend sagt der Präsident, er werde die Wahlergebnisse "akzeptieren", und stellte eine - wie auch immer geartete - Zusammenarbeit mit den Demokarten in Aussicht.

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US-Zwischenwahlen: Demokraten holen Staaten mit langer Republikaner-Tradition

Das US-Kapitol, gesehen vom Washington Monument aus. Die US-Bürger sind bei den Midterms aufgerufen, über die Zusammensetzung von Repräsentantenhaus und Senat zu entscheiden.  © Allison Robbert/AP/dpa

Die Nadelstiche, die die Demokraten den Republikanern versetzen, sind vielerorts besonders schmerzhaft. Erstmals seit fast 40 Jahren ergattern sie in Texas einen Senatssitz.

Ihr Kandidat James Talarico gewinnt gegen den republikanischen Kandidaten Ken Paxton. Talarico ist ein Demokrat, der im Wahlkampf auch immer wieder seinen christlichen Glauben hervorhob. Er gilt als einer der Hoffnungsträger in der Partei. 

Noch ein Beispiel: Seit Jahrzehnten gab es etwa in South Carolina keinen demokratisch besetzten Senatsposten mehr - das ändert sich nun. Der Bundesstaat an der Ostküste mit 5,6 Millionen Einwohnern wird seit Jahrzehnten von Republikanern regiert. Auch bei der Präsidentschaftswahl liegen republikanische Kandidaten traditionell vor der Konkurrenz der Demokraten.

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Besonders symbolträchtig: Der frühere Senatssitz von Vizepräsident JD Vance (42) in Ohio geht an die Demokraten.

Vance wechselte zu Beginn von Trumps zweiter Amtszeit in die US-Regierung. Sein Nachfolger kann den Sitz bei den Midterms nicht verteidigen.

Die Teilnehmer verfolgen die ersten Wahlergebnisse bei einer Wahlnachtveranstaltung, bevor der demokratische Senatskandidat und Abgeordnete des Bundesstaates Texas, James Talarico, am Dienstag, in Austin, Texas, eintrifft, um eine Rede zu halten.  © Eric Gay/AP/dpa

Ausgangslage der Demokraten verbessert

Erstmals seit 20 Jahren verliert die Partei des US-Präsidenten bei den Parlamentswahlen wieder beide Kammern.  © Nam Y. Huh/AP/dpa

Die Demokraten haben sich nach der Niederlage von Kamala Harris (62) bei der Präsidentschaftswahl 2024, die Trump gewonnen hatte, ein stückweit zurückgekämpft.

Im Repräsentantenhaus können sie Gesetzesvorhaben der Trump-Regierung blockieren oder sogar ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten anstoßen. Im Senat können sie Personalvorschläge Trumps für Toppositionen verhindern. 

Trumps Amtszeit dauert noch bis Anfang 2029. Der Sieg im Kongress verbessert die Ausgangslage der Demokraten mit Blick auf den absehbar beginnenden Präsidentschaftswahlkampf. Unterm Strich werden die Demokraten jetzt wieder sichtbarer.

Mehrere Medien veröffentlichten am Midterms-Abend erste Auswertungen einer großen Umfrage, wonach rund sechs von zehn Wählern die Amtsführung Trumps missbilligen.

Er kommt demnach auf 38 Prozent Zustimmung - diese liegt damit laut CBS News und NBC News unter dem Wert (45 Prozent), auf den Trump in seiner ersten Amtszeit zu den Zwischenwahlen 2018 kam. Er liegt den Sendern zufolge auch unterhalb der Umfragewerte von George W. Bush 2006, als dessen Republikaner beide Kammern im Parlament verloren.

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