Mit-Entführer im Block-Prozess: "Das ist es, was ich wirklich wollte"

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Hamburg - Am Freitag ging der Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) in eine neue Runde. Um 9.30 Uhr startete der 74. Verhandlungstag. TAG24 war vor Ort und berichtete im Liveblog.

Block-Verteidiger Ingo Bott stellt am Freitag weitere Beweisanträge.
Block-Verteidiger Ingo Bott stellt am Freitag weitere Beweisanträge.  © Daniel Bockwoldt/dpa Pool/dpa

Nach der Einlassung von Block am Dienstag und Mittwoch stand der heutige Freitag ganz im Zeichen von Stellungnahmen, Verkündungen und Beweisanträgen.

Der Befangenheitsantrag, den Block-Verteidiger Ingo Bott gegen die Vorsitzende Richterin Mitte August gestellt hatte, wurde abgelehnt. Auslöser für den Antrag war eine kurze Pressemitteilung zu einem zuvor unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgetragenen kinderpsychiatrischen Gutachten.

Und auch das Treffen am 28. Dezember 2023 wurde erneut zum Thema. Im Gegensatz zu seinem Mandanten und Mit-Entführer Tal S. hätte nach Aussage von Verteidiger Dr. Sascha Böttner die Steakhouse-Erbin einen guten Grund, nicht die Wahrheit zu sagen: "Wenn das Treffen am 28. Dezember stattgefunden hat, bricht die ganze Verteidigungsstrategie zusammen. Deshalb muss sie diesen Termin bestreiten."

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Nach den Stellungnahmen weiterer Verteidiger und Verteidigerinnen ergriff Mit-Entführer Tal S. schließlich auch noch selbst das Wort: "Es tut mir leid für die Kinder, die durch das gesamte Ereignis stark leiden. Und es tut mir leid für Frau Block." So könne er es verstehen und gleichzeitig nicht verstehen, weshalb Block ihre Strategie weiter verfolge und bezeichnete die 53-Jährige als "arme Mutter".

"Was ich wirklich wollte ist es, diese Kinder von dem - was ich glaubte - gefährlichen Vater zu retten und nicht zu entführen. Ich wollte sie nur retten und in Sicherheit nach Deutschland zu ihrer Mutter bringen. Das ist es, was ich wirklich wollte", fuhr er fort.

Der Prozessantrag endete mit einer Masse an Beweisanträgen seitens Bott. All seine Anträge konnte er während des 74. Prozesstages jedoch noch nicht stellen.

14.56 Uhr: Prozesstag beendet

Bott erklärt, dass für heute nun doch keine weiteren Beweisanträge mehr gestellt werden sollen. Er wolle sich noch einen Überblick verschaffen.

Die Vorsitzende Richterin beendet damit den 74. Verhandlungstag. Nach einer dreiwöchigen Pause geht es am 21. September weiter.

14.40 Uhr: Block-Verteidiger kündigt 18 weitere Anträge an

Nach der Pause erklärt Ingo Bott, dass noch 18 weitere Beweisanträge folgen sollen. Die Vorsitzende Richterin lässt daraufhin festhalten: "Das Gericht beabsichtigt, Verfahrensanträge schriftlich zu stellen."

Der Block-Verteidiger darf mit seinen Anträgen fortfahren. So fordert er unter anderem, WhatsApp-Nachrichten von Block an Hensel hinsichtlich der Beerdigung von Christa Block, der Großmutter der Kinder, als Urkunde einzuführen. Das sei der Beweis dafür, dass die Steakhouse-Erbin die Kinder trotz ihres alleinigen Aufenthaltsbestimmungsrechts nicht einbehalten hätte, wenn diese für die Beerdigung nach Hamburg gekommen wären.

13.50 Uhr: Ingo Bott stellt weitere Beweisanträge

Eigentlich will die Vorsitzende Richterin den Verhandlungstag nun beenden, doch Ingo Bott grätscht dazwischen. Der Grund: Er stellt mehrere weitere Beweisanträge. Es wird hitzig. Bott liest seine Anträge in hoher Geschwindigkeit vor. Mehrmals ermahnt ihn die Vorsitzende Richterin: "Herr Bott, nicht in dieser rasenden Geschwindigkeit!"

Bott wolle unter anderem eine Besucherin des Silvesterballs als Zeugin laden, die bestätigen könne, dass Christina Block sich unauffällig und gelöst verhalten habe. Die Staatsanwältin sieht darin jedoch lediglich eine Interpretation und keine Tatsache.

Zudem wolle Bott eine Bekannte als Zeugin laden - die Patentante der Kinder.

Es folgen noch mal zehn Minuten Pause. Der Block-Verteidiger wolle noch weitere Beweisanträge stellen.

13.40 Uhr: Mit-Entführer Tal S. nennt Block eine "arme Mutter"

Der Israeli Tal S. hat nun die Möglichkeit, sich zu dem Gesagten zu äußern. "Es tut mir leid für die Kinder, die durch das gesamte Ereignis stark leiden. Und es tut mir leid für Frau Block." So könne er es verstehen und gleichzeitig nicht verstehen, weshalb Block ihre Strategie weiter verfolgt.

"Letztendlich ist sie eine arme Mutter, die ihre Kinder verloren hat", fährt er fort. "Ich hätte nie eine böse Tat gemacht, auch wenn das legal wäre." So habe er sich lediglich gefreut, eine "gute Tat zu tun". Zudem behaupte er von sich selbst, dass er keine kriminelle Person sei und er selbst früher bei der israelischen Polizei gearbeitet habe. Deshalb kenne er Gesetze und deren Wichtigkeit.

Auch in der NS-Zeit habe es nach Aussage von Tal S. gute Menschen gegeben, die sich gegen die damalige Doktrin gestellt hätten, um Juden zu retten: "Ich bin wie diese Deutschen."

Statt seines Übersetzers spricht nun Tal S. selbst auf Deutsch: "Was ich wirklich wollte ist es, diese Kinder von dem - was ich glaubte - gefährlichen Vater zu retten und nicht zu entführen. Ich wollte sie nur retten und in Sicherheit nach Deutschland zu ihrer Mutter bringen. Das ist es, was ich wirklich wollte. Danke."

Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt im Sitzungssaal am Freitag im Landgericht Hamburg.
Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt im Sitzungssaal am Freitag im Landgericht Hamburg.  © Daniel Bockwoldt/dpa Pool/dpa

13.24 Uhr: 74. Verhandlungstag wird fortgesetzt

Mit einer leichten Verzögerung geht es weiter. Jetzt gibt die Verteidigerin des Sicherheitsunternehmers eine kurze und damit auch letzte Stellungnahme zur Einlassung von Christina Block ab. Diese erklärt unter anderem, dass ihr Mandant nicht habe wissen können, dass die Kinder gewaltsam entführt wurden.

Christina Block hatte in ihrer Einlassung gesagt, sie habe mit dem Inhaber einer Sicherheitsfirma keinen Kontakt gehabt. 

11.48 Uhr: Mittagspause

Die obligatorische Mittagspause steht an. Gegen 13.20 Uhr soll der Verhandlungstag fortgesetzt werden.

Nach der Pause soll unter anderem eine weitere Stellungnahme zur Einlassung von Block folgen.

11.19 Uhr: Weitere Stellungnahme zur Einlassung von Christina Block

Jetzt ergreift Dr. Sascha Böttner, Verteidiger von Israeli Tal S., das Wort und nimmt Stellung zur Einlassung der 53-Jährigen. "Frau Block hat überzeugend belegt, dass David B. manipulativ vorgeht", beginnt er seine Stellungnahme. Diese Aussage von Block entspreche dem, was auch sein Mandant ausgesagt habe.

Tal S. war von Chef-Entführer David B. mit der Behauptung angeworben worden, es müssten Kinder aus einem Pädophilenring befreit werden. So sei sein Mandant davon ausgegangen, dass die Kinder zu lange bei ihrem Vater Stephan Hensel waren und nun zur Mutter sollen.

Und auch das Treffen am 28. Dezember 2023 wird erneut zum Thema. Im Gegensatz zu seinem Mandanten hätte die Steakhouse-Erbin nach Aussage von Böttner einen guten Grund, nicht die Wahrheit zu sagen: "Wenn das Treffen am 28. Dezember stattgefunden hat, bricht die ganze Verteidigungsstrategie zusammen. Deshalb muss sie diesen Termin bestreiten."

Ingo Bott entgegnet dazu erneut, dass die mutmaßlichen Entführer sich das Treffen nur ausgedacht hätten.

11.11 Uhr: Verteidiger haben Raum für weitere Erklärungen

Erneut geht es um das Treffen am 28. Dezember 2023 im Hotel Grand Elysée. Block selbst erklärte bereits mehrmals, dass es das Treffen nie gegeben habe - anders als beispielsweise Chef-Entführer David B.

Anhand gezeigter Lichtbilder aus dem Hotel, worauf die Steakhouse-Erbin zu erkennen ist, erklärt Philip von der Meden, Nebenklagevertreter von Stephan Hensel: "Das Treffen am 28. Dezember ist hier eindeutig bewiesen". Erneut ergreift Bott daraufhin das Wort und entgegnet, dass seine Mandantin nie an so einem Treffen teilgenommen habe.

Die Verteidiger haben am Freitag unter anderem die Möglichkeit, Stellung zu der Einlassung von Christina Block zu nehmen.
Die Verteidiger haben am Freitag unter anderem die Möglichkeit, Stellung zu der Einlassung von Christina Block zu nehmen.  © Daniel Bockwoldt/dpa Pool/dpa

10.55 Uhr: Verteidiger von Familienanwalt ergreift das Wort

Es geht weiter. Marko Voß, der Verteidiger des Familienanwalts Dr. Andreas C., ergreift das Wort. Er fordert, eine E-Mail von Christina Block vom 2. Januar 2023 an ihre Mutter Christa Block zu verlesen.

"Papa will mit C. nach Dänemark fahren. Ich will, dass du mitfährst", zitiert der Verteidiger aus der Mail. Die 53-Jährige hatte zuvor jedoch angegeben, nicht Teil der Aktion gewesen zu sein. So hätten ihr Vater Eugen Block und Andreas C. über ihren Kopf hinweg agiert.

Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass die E-Mail aufgenommen werden sollte. "Ich schließe mich dem Antrag nicht an", entgegnet Ingo Bott. Weiter erklärt er, dass seine Mandantin in die Aktion nicht eingebunden gewesen sei.

10.36 Uhr: Kurze Pause

Nach rund 20 Minuten ist die Inaugenscheinnahme beendet. Es folgt eine kurze Pause von zehn Minuten.

Titelfoto: Daniel Bockwoldt/dpa-Pool/dpa

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