Mit-Entführer im Block-Prozess: "Das ist es, was ich wirklich wollte"

Hamburg - Am Freitag geht der Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) in eine neue Runde. Seit 9.30 Uhr steht der 74. Verhandlungstag an. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.

13.50 Uhr: Ingo Bott stellt weitere Beweisanträge

Eigentlich wollte die Vorsitzende Richterin den Verhandlungstag nun beenden, doch Ingo Bott grätscht ihr ins Wort. Der Grund: Er stellt mehrere weitere Beweisanträge. Es wird hitzig. Bott liest seine Anträge in hoher Geschwindigkeit vor. Mehrmals ermahnt ihn die Vorsitzende Richterin: "Herr Bott, nicht in dieser rasenden Geschwindigkeit!"

Bott wolle unter anderem eine Besucherin des Silvesterballs als Zeugin laden, die bestätigen würde, dass Christina Block sich unauffällig und gelöst verhalten hätte. Die Staatsanwältin sieht darin jedoch lediglich eine Interpretation und keine Tatsache.

13.40 Uhr: Mit-Entführer Tal S. nennt Block eine "arme Mutter"

Der Israeli Tal S. hat nun die Möglichkeit, sich zu dem Gesagten zu äußern. "Es tut mir leid für die Kinder, die durch das gesamte Ereignis stark leiden. Und es tut mir leid für Frau Block." So könne er es verstehen und gleichzeitig nicht verstehen, weshalb Block ihre Strategie weiter verfolgt.

"Letztendlich ist sie eine arme Mutter, die ihre Kinder verloren hat", fährt er fort. "Ich hätte nie eine böse Tat gemacht, auch wenn das legal wäre." So hätte er sich lediglich gefreut, eine "gute Tat zu tun." Zudem behaupte er von sich selbst, dass er keine kriminelle Person sei und er selbt früher bei der israelischen Polizei gearbeitet habe. Deshalb kenne er Gesetze und deren Wichtigkeit.

Auch in der NS-Zeit habe es nach Aussage von Tal S. gute Menschen gegeben, die sich gegen die damalige Doktrin gestellt hätten, um Juden zu retten: "Ich bin wie diese Deutschen."

Statt seines Übersetzers spricht nun Tal S. selbst auf Deutsch: "Was ich wirklich wollte ist es, diese Kinder von dem - was ich glaubte - gefährlichen Vater zu retten und nicht zu entführen. Ich wollte sie nur retten und in Sicherheit nach Deutschland zu ihrer Mutter bringen. Das ist es, was ich wirklich wollte. Danke."

13.24 Uhr: 74. Verhandlungstag wird fortgesetzt

Mit einer leichten Verzögerung geht es weiter. Jetzt gibt die Verteidigerin des Sicherheitsunternehmers eine kurze und damit auch letzte Stellungnahme zur Einlassung von Christina Block ab. Diese erklärt unter anderem, dass ihr Mandant nicht habe wissen können, dass die Kinder gewaltsam entführt wurden.

Christina Block hatte in ihrer Einlassung gesagt, sie habe mit dem Inhaber einer Sicherheitsfirma keinen Kontakt gehabt. 

11.48 Uhr: Mittagspause

Die obligatorische Mittagspause steht an. Gegen 13.20 Uhr soll der Verhandlungstag fortgesetzt werden.

Nach der Pause soll unter anderem eine weitere Stellungnahme zur Einlassung von Block folgen.

11.19 Uhr: Weitere Stellungnahme zur Einlassung von Christina Block

Jetzt ergreift Dr. Sascha Böttner, Verteidiger von Israeli Tal S., das Wort und nimmt Stellung zur Einlassung der 53-Jährigen. "Frau Block hat überzeugend belegt, dass David B. manipulativ vorgeht", beginnt er seine Stellungnahme. Diese Aussage von Block entspreche dem, was auch sein Mandant ausgesagt habe.

Tal S. war von Chef-Entführer David B. mit der Behauptung angeworben worden, es müssten Kinder aus einem Pädophilenring befreit werden. So sei sein Mandant davon ausgegangen, dass die Kinder zu lange bei ihrem Vater Stephan Hensel waren und nun zur Mutter sollen.

Und auch das Treffen am 28. Dezember 2023 wird erneut zum Thema. Im Gegensatz zu seinem Mandanten hätte die Steakhouse-Erbin nach Aussage von Böttner einen guten Grund, nicht die Wahrheit zu sagen: "Wenn das Treffen am 28. Dezember stattgefunden hat, bricht die ganze Verteidigungsstrategie zusammen. Deshalb muss sie diesen Termin bestreiten."

Ingo Bott entgegnet dazu erneut, dass die mutmaßlichen Entführer sich das Treffen nur ausgedacht hätten.

11.11 Uhr: Verteidiger haben Raum für weitere Erklärungen

Erneut geht es um das Treffen am 28. Dezember 2023 im Hotel Grand Elysée. Block selbst erklärte bereits mehrmals, dass es das Treffen nie gegeben habe - anders als beispielsweise Chef-Entführer David B.

Anhand gezeigter Lichtbilder aus dem Hotel, worauf die Steakhouse-Erbin zu erkennen ist, erklärt Philip von der Meden, Nebenklagevertreter von Stephan Hensel: "Das Treffen am 28. Dezember ist hier eindeutig bewiesen". Erneut ergreift Bott daraufhin das Wort und entgegnet, dass seine Mandantin nie an so einem Treffen teilgenommen habe.

Die Verteidiger haben am Freitag unter anderem die Möglichkeit Stellung zu der Einlassung von Christina Block zu nehmen.  © Daniel Bockwoldt/dpa Pool/dpa

10.55 Uhr: Verteidiger von Familienanwalt ergreift das Wort

Es geht weiter. Marko Voß, der Verteidiger des Familienanwalts Dr. Andreas C., ergreift das Wort. Er fordert, eine E-Mail von Christina Block vom 2. Januar 2023 an ihre Mutter Christa Block zu verlesen.

"Papa will mit C. nach Dänemark fahren. Ich will, dass du mitfährst", zitiert der Verteidiger aus der Mail. Die 53-Jährige hatte zuvor jedoch angegeben, nicht Teil der Aktion gewesen zu sein. So hätten ihr Vater Eugen Block und Andreas C. über ihren Kopf hinweg agiert.

Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass die E-Mail aufgenommen werden sollte. "Ich schließe mich dem Antrag nicht an", entgegnet Ingo Bott. Weiter erklärt er, dass seine Mandantin in die Aktion nicht eingebunden gewesen sei.

10.36 Uhr: Kurze Pause

Nach rund 20 Minuten ist die Inaugenscheinnahme beendet. Es folgt eine kurze Pause von zehn Minuten.

10.13 Uhr: Inaugenscheinnahme mehrerer Fotos und Dokumente

Nachdem das Verlesen der Beschlüsse beendet wurde, folgen mehrere Inaugenscheinnahmen. Darunter ausgedruckte Fotos auf Papier, welche die vorsitzende Richterin vorzeigt. Für Zuschauer und Medienvertreter ist aufgrund der Entfernung jedoch nicht zu erkennen, was die Fotos abbilden.

Zudem werden ausgedruckte Fotos von Screenshots auf Papier in Augenschein genommen. Hildebrandt liest den Text der Screenshots vor. Dabei handelt es sich unter anderem um Chatverläufe. Zudem werden unter anderem Kassenbelege gezeigt.

Nun werden Fotos mittels eines Beamers an die Wand projiziert und in Augenschein genommen, darunter Bildmaterial von eingescannten Dokumenten. Auch Seiten aus einem Kalender, in dem Christina Block ihre Gedanken notiert hat, werden gezeigt.

Der 74. Verhandlungstag startete mit kurzer Verzögerung.  © Daniel Bockwoldt/dpa Pool/dpa

9.55 Uhr: Vorsitzende Richterin verkündet weitere Beschlüsse

Der Antrag, dass Fotos von Klaras Einschulung im Gymnasium im Sommer 2021 eingeführt werden sollen, wurde abgelehnt.

Der Hintergrund: Das Bildmaterial sollte zeigen, dass die Block-Tochter bei ihrer Mutter glücklich war. Die Richterin erklärt, dass sich die Gutachterin bereits ausführlich zum psychischen Zustand des Mädchens geäußert hat und die Einführung der Fotos deshalb nicht nötig sei.

Es folgen weitere Gerichtsbeschlüsse, die von der vorsitzenden Richterin vorgetragen werden. Bisher wurden alle Anträge abgelehnt, da sie unzulässig sind oder nicht mit dem Tatgeschehen zu tun hätten.

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