Corona in Baden-Württemberg: Schwarzwald-Übernachtungen um über ein Drittel gesunken

Baden-Württemberg - Die Lage rund um das Coronavirus bleibt in Baden-Württemberg sowie in ganz Deutschland angespannt.

Alle Informationen zum Coronavirus findet Ihr in unserem Liveticker. (Symbolbild)
Alle Informationen zum Coronavirus findet Ihr in unserem Liveticker. (Symbolbild)  © Fabian Strauch/dpa

Deshalb wurden die Mitte Dezember beschlossenen Lockdown-Maßnahmen bis mindestens zum 14. Februar verlängert.

Grundsätzlich bleiben die bisherigen Regeln bestehen. Allerdings darf sich ab dem 11. Januar nur noch im Kreis des eigenen Hausstands sowie mit einer Person aus einem fremden Hausstand getroffen werden.

Bei den Bund-Länder-Gesprächen am 19. Januar wurden einige Regeln verschärft. So müssen in Bus und Bahn sowie beim Einkaufen die besser schützenden FFP2-Masken oder OP-Masken getragen werden - Alltagsmasken aus Stoff reichen nicht mehr aus. Arbeitgeber müssen Homeoffice bis zum 15. März ermöglichen, wo es möglich ist.

Ab wann die neuen Regeln gelten, entscheiden die Bundesländer selbst. In Baden-Württemberg sollen die Schulen schrittweise ab 1. Februar wieder geöffnet werden.

Details zu den bundesweiten Corona-Maßnahmen erfahrt Ihr hier.

Außerdem könnt Ihr in diesem Bericht lesen, was diese für Baden-Württemberg bedeuten.

Mittlerweile gibt es 285.574 bestätigte Infektionen in Baden-Württemberg. Etwa 248.568 davon sind schätzungsweise bereits wieder genesen. 6722 Menschen sind im Südwesten bislang im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. (Stand: 25. Januar)

Die aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus Sars-CoV-2 in Baden-Württemberg gibt es hier im Ticker. Ältere News könnt Ihr hier nachlesen.

Update, 26. Januar, 15.17 Uhr: Verband: Schwarzwald-Übernachtungen 2020 um über ein Drittel gesunken

In Hotels und Pensionen im Schwarzwald ist die Zahl der Übernachtungen im Corona-Jahr 2020 eingebrochen. Es habe einen Rückgang um schätzungsweise 35 bis 40 Prozent gegeben, teilte die Schwarzwald Tourismus GmbH am Dienstag mit. Das entspreche einem Umsatzrückgang von bis zu drei Milliarden Euro. Die Zahlen seien eine Schätzung, weil die Daten für Dezember noch nicht vorlägen.

Im Jahr 2019, bevor die Corona-Pandemie Deutschland erreichte, hatten die Tourismusbetriebe im Schwarzwald demnach noch rund 7,55 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Mit einer Werbekampagne in Fußgängerzonen und sozialen Medien will der Verband die Folgen des derzeitigen Lockdowns abfedern, wie Geschäftsführer Hansjörg Mair erklärte. Bereits im vergangenen Jahr habe man mit einer Kampagne gute Erfahrungen gemacht.

Menschen sitzen auf Parkbänken am verschneiten Ufer des Titisee.
Menschen sitzen auf Parkbänken am verschneiten Ufer des Titisee.  © Philipp von Ditfurth/dpa

Update, 26. Januar, 11.39 Uhr: Trotz sinkenden Inzidenzwerts: Corona-Auflagen gelten landesweit

Trotz der regional weiter sinkenden Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche erlaubt das Land auch abseits der offiziellen Risikogebiete keine Ausnahmen vom landesweiten Lockdown. "Derzeit sind regionale Lockerungen in Baden-Württemberg nicht geplant", sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Dienstag in Stuttgart. "Die Lage ist noch viel zu fragil, um jetzt schon Lockerungen ins Auge zu fassen."

Zwar hat der sogenannte Inzidenzwert, also die Zahl der binnen sieben Tagen an die Gesundheitsämter gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, in einigen Städten und Landkreisen im Südwesten die als kritisch geltende Marke von 50 wieder unterschritten. Nur dann sind die Gesundheitsämter nach Angaben des Ministeriums in der Lage, alle Kontaktpersonen nachzuverfolgen. Auf Landesebene liege der Wert aber noch bei etwa 90, sagte die Sprecherin. "Umfängliche Lockerungen können erst dann ins Auge gefasst werden, wenn sich dieser Wert landesweit auf deutlich unter 50 einpendelt."

Außerdem sei noch nicht sicher, wie sich die als aggressiv bekannten Virus-Mutanten aus Großbritannien und Südafrika in Baden-Württemberg verteilten. "Wir wissen überhaupt noch nicht, wie sich das mittelfristig auf die Inzidenz auswirken wird."

Am Montag hatte der Inzidenzwert landesweit bei 86,9 (Vortag: 90,0) gelegen. Kurz vor Weihnachten war noch ein Sieben-Tage-Wert im Südwesten von über 200 erfasst worden, wie das Landesgesundheitsamt in Stuttgart mitteilte. In vier Kreisen lag der Wert zuletzt bei unter 50, sie gelten damit nicht mehr als Risikogebiet. Nach dem Stadtkreis Tübingen (49,4) und dem Hohenlohekreis (43,5) kamen auch noch der Stadtkreis Baden-Baden (39,9) und der Landkreis Emmendingen (44,5) hinzu.

Bereits seit knapp drei Wochen flacht die Zahl der Corona-Neuinfektionen landesweit ab. Gleichwohl haben Bund und Länder vor gut einer Woche aus Sorge um neue Virusvarianten den Lockdown bis 14. Februar verlängert.

Update, 26. Januar, 10.20 Uhr: Corona sorgt für Unsicherheit bei der Urlaubsplanung

Die Menschen in Deutschland haben die Lust aufs Reisen trotz Corona-Pandemie nicht verloren - einer neuen Studie zufolge gibt es aber viel Unsicherheit und viele Bedenken. So planen laut der "Reiseanalyse 2021" lediglich 16 Prozent im Frühjahr oder Sommer definitiv keine Urlaubsreise. Feste Absichten und schon ein klares Ziel vor Augen haben aber auch nur 22 Prozent, heißt es in der am Dienstag zum Auftakt der Stuttgarter Reisemesse CMT vorgestellten Studie der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen. Der Rest schwankt noch, ob er wirklich verreisen soll - oder will es zwar, weiß aber nicht, wohin.

Besonders wichtig bei der Urlaubsbuchung ist laut Studie derzeit eine möglichst große Flexibilität, gefolgt von den Anforderungen an die Hygiene am Urlaubsziel. Bei den Reisezielen bleibt Deutschland die Nummer eins, Flug- und Fernreisen dagegen sinken in der Gunst der Urlauber.

Corona sorgt für Unsicherheit bei der Urlaubsplanung.
Corona sorgt für Unsicherheit bei der Urlaubsplanung.  © Thomas Eisenhuth/dpa-Zentralbild/dp

Update, 25. Januar, 19.09 Uhr: 466 neue Infektionen, 90 Todesfälle

Die Zahl der registrierten Corona-Infektionen ist in Baden-Württemberg um 466 Fälle gestiegen. Außerdem wurden 90 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet, wie das Landesgesundheitsamt am Montag (Stand: 16 Uhr) mitteilte.

Damit sind im Südwesten seit Beginn der Pandemie insgesamt 285.574 Ansteckungen und 6722 Todesfälle unter Infizierten registriert worden. Als genesen gelten 248.568 Menschen. Die Zahl der Neuinfektionen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner beträgt landesweit demnach 86,9.

In Baden-Württemberg haben sich bislang mindestens 285.574 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, 6722 starben.
In Baden-Württemberg haben sich bislang mindestens 285.574 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, 6722 starben.  © Friso Gentsch/dpa

Update, 25. Januar, 16.09 Uhr: Bis zu 900 Soldaten sollen bei Corona-Tests in Pflegeheimen helfen

Von dieser Woche an helfen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr bei Corona-Schnelltests in Alten- und Pflegeheimen in Baden-Württemberg. Der Einsatz der bis zu 900 Einsatzkräfte sei zunächst auf drei Wochen begrenzt, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Montag in Stuttgart mit.

Danach sollen Freiwillige dies übernehmen, die von der Bundesagentur für Arbeit rekrutiert werden sollen. "Dieses Personal soll den Einrichtungen zur Verfügung stehen, bis sich durch die angelaufene Impfkampagne die Situation entspannt hat", sagte Minister Manne Lucha (59, Grüne). Die Tests sollen Altenheime noch besser vor dem Coronavirus schützen. Die Testpflicht gilt alle für Pfleger, Besucher, Seelsorger, Handwerker und Physiotherapeuten.

Die grün-schwarze Regierung habe dem weiteren Einsatz der Bundeswehr im Südwesten bereits zugestimmt, hieß es. Bislang sind bereits etwa 885 Soldatinnen und Soldaten mit Amtshilfe im Kampf gegen Corona im Land beschäftigt. Der Großteil (675) hilft in 35 der 38 Gesundheitsämter bei der Kontaktnachverfolgung, teilte ein Sprecher der Bundeswehr in Baden-Württemberg mit.

Insgesamt hat die Bundeswehr damit den Einsatz von bis zu 3500 Soldaten im Land zugesagt. Bei den Corona-Tests sollen auch zwei Einheiten aus Bayern zum Einsatz kommen. Kanzlerin Angela Merkel (66, CDU) hatte den Ländern die Hilfe der Armee angeboten.

Weit über die Hälfte der 44 Stadt- und Landkreise im Südwesten hätten Anträge auf Amtshilfe bei der Abnahme von Corona-Schnelltests in Altenheimen gestellt, diese seien auch gebilligt worden, sagte der Sprecher der Bundeswehr. Es könnten aber noch Anträge dazukommen. Die Soldatinnen und Soldaten müssten nun noch geschult werden und seien dann teilweise Ende der Woche einsatzbereit. Bei den Corona-Tests wird ein Stäbchen tief in den Nasen-Rachen-Raum eingeführt.

Update, 25. Januar, 14.33 Uhr: CDU-Fraktionschef: FFP2-Masken dürfen nicht mehr als 1 Euro kosten

Baden-Württembergs CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart hält die Preise für FFP2-Masken, die seit diesem Montag in Nahverkehr und Geschäften vorgeschrieben sind, für zu hoch. "Ich appelliere an Apotheker und Händler, die FFP2-Masken für maximal einen Euro pro Maske zu verkaufen. Auf jeden Fall sollte auf den Einkaufspreis nicht mehr als zehn Prozent draufgeschlagen werden", teilte Reinhart am Montag in Stuttgart mit. Derzeit lägen die Preise teilweise zwischen 4 und 6 Euro.

Reinhart sagte: "Es darf nicht sein, dass Menschen vom Alltagsleben ausgeschlossen werden, weil sie kein Geld für die teuren Masken haben, die zum Teil aber nun in bestimmten Bereichen Pflicht sind." Auf diese Weise würden Menschen, die sowieso schon unter den Kontakteinschränkungen im Corona-Lockdown litten, noch mehr isoliert.

Der CDU-Politiker sieht Österreich in der Maskenfrage als Vorbild. Bundeskanzler Sebastian Kurz habe mit dem Einzelhandel vereinbart, die Masken zum Selbstkostenpreis zu verkaufen. "Eine solche freiwillige Selbstverpflichtung wünsche ich mir auch für Deutschland", sagte Reinhart. Zwar könne man in Bussen und Bahnen und in den Läden auch OP-Masken tragen, doch diese böten im Vergleich zu den FFP2-Masken weniger Schutz.

SPD-Partei- und Fraktionschef Andreas Stoch unterstütze Reinharts Anliegen: "Da kommen gerade für größere Familien mal schnell mehrere Hundert Euro im Monat zusammen. Das trifft mal wieder die doppelt, die es nicht so dicke haben." Stoch sieht aber den Bund in der Pflicht, hilfsbedürftige Menschen stärker finanziell zu unterstützen. "Empfängerinnen und Empfänger von Grundsicherung müssen jetzt mit kostenfreien FFP2-Masken versorgt werden."

CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart.
CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart.  © Sebastian Gollnow/dpa

Update, 25. Januar, 13.42 Uhr: Umfrage: Studenten kommen wegen Corona mit Lernpensum schlechter klar

Viele Studenten haben einer Umfrage zufolge wegen der Corona-Pandemie Schwierigkeiten mit dem geforderten Pensum in ihrem Studium. Das ergab eine Studie der AG Hochschulforschung der Universität Konstanz und des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) in Hannover, die am Montag veröffentlicht wurde. Befragt wurden bundesweit knapp 28 600 Studierende aus 23 Hochschulen. 62 Prozent von ihnen klagten über Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Lernstoffs. Mehr als jeder Zweite (57 Prozent) gab an, Probleme bei den Prüfungsanforderungen zu haben.

Dagegen kommt fast ein Viertel (24 Prozent) der Befragten mit dem digitalen Lernen besser durch das Studium. Das liegt den Studien-Autoren zufolge auch daran, dass die jungen Menschen ihre Zeit flexibler einteilen können - etwa durch aufgezeichnete Vorlesungen, die jederzeit abrufbar sind, oder Videokonferenzen, bei denen sie sich mitgenommen fühlen.

Die Zufriedenheit mit dem erreichten Wissen und Können fällt aber sehr unterschiedlich aus: 41 Prozent sind laut Umfrage zufrieden, 28 Prozent sind es nicht.

Update, 25. Januar, 11.25 Uhr: Corona-Krise sorgt für deutlich weniger Azubis im Tourismus

Der Tourismusbranche im Südwesten bricht in der Corona-Krise auch ein großer Teil des Nachwuchses weg. Die Zahl der neuen Auszubildenden ging im vergangenen Jahr deutlich zurück, wie die Industrie- und Handelskammern und der Branchenverband Dehoga am Montag mitteilten. Im Gastgewerbe, also in Hotels und Restaurants, wurden demnach 21 Prozent weniger Verträge abgeschlossen als 2019. In der Veranstaltungswirtschaft waren es 20 Prozent weniger, bei den Tourismuskaufleuten sogar 63 Prozent.

Zwar seien die Zahlen vor allem im Gastgewerbe schon seit einigen Jahren gesunken, sie hätten sich zuletzt aber wieder einigermaßen stabilisiert, hieß es. "Doch was wir zum Start des Ausbildungsjahres mit den Corona-Auswirkungen erlebt haben, kommt einem Erdrutsch gleich", sagte der Hauptgeschäftsführer der für den Bereich Tourismus federführenden Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald, Martin Keppler. "Die Corona-Krise hat die große Ausbildungsbranche Gastgewerbe voll getroffen", sagte auch Dehoga-Landeschef Fritz Engelhardt.

Die gesamte Branche brauche nun dringend eine Perspektive, mahnten sie. "Unternehmer müssen ihren Mitarbeitern zeitnah zumindest einen Fahrplan trotz Corona nennen können", sagte Keppler.

Über sämtliche IHK-Branchen hinweg verzeichnete der Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) ebenfalls einen deutlichen Rückgang der Ausbildungszahlen. Insgesamt wurden 39.309 neue Verträge geschlossen, ein Minus von knapp 13 Prozent im Vergleich zu 2019. "Es ist sehr bedauerlich, aber keine Überraschung", sagte BWIHK-Präsidentin Marjoke Breuning.

Zu den am meisten betroffenen Branchen gehörten neben Tourismus und Gastgewerbe auch das Verkehrs- und Transportgewerbe, Speditionen und Logistikdienstleister sowie Papierhersteller, Druckereien und Mediengestalter. Positiv stelle sich die Lage dagegen vor allem bei Kaufleuten für IT-System-Management und Kaufleuten für Digitalisierungsmanagement dar.

Blick in die leere Ankunftshalle mit dem Schriftzug "Urlaub" in einem geschlossenen Reisebuero.
Blick in die leere Ankunftshalle mit dem Schriftzug "Urlaub" in einem geschlossenen Reisebuero.  © Thomas Eisenhuth/dpa-Zentralbild/dp

Update, 25. Januar, 11.09 Uhr: Grüne sagen Politischen Aschermittwoch in Biberach ab

Die Grünen haben ihren Politischen Aschermittwoch in Biberach wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Dies habe der Kreisverband Biberach gemeinsam mit dem Landesverband entschieden, teilte eine Sprecherin der Partei am Montag mit. Sie verzichteten "schweren Herzens auf diese Traditionsveranstaltung", teilten die grünen Landeschefs Sandra Detzer und Oliver Hildenbrand mit. Die Entscheidung für die Absage sei nachvollziehbar und richtig.

Veranstaltet werden sollte der Politische Aschermittwoch der Grünen vom Kreisverband in Biberach. Anja Reinalter vom Kreisvorstand teilte mit, eine heitere und ausgelassene Veranstaltung passe nach dem Ausfall der Fastnacht nicht in die aktuelle pandemische Lage. Auch eine digitale Veranstaltung hält die Partei demnach mit Blick "auf den verlängerten Lockdown" für nicht angemessen.

Update, 25. Januar, 6.46 Uhr: Experte: Auch Luxusgüter werden vermehrt online gekauft

Die Corona-Krise treibt den Onlineverkauf nach Einschätzung eines Experten auch bei Luxusprodukten an. In Asien sei die Bedeutung von Internethandel im Luxussegment schon vorher viel größer gewesen als im Westen, sagte der erste Luxus-Professor in Deutschland, Fernando Fastoso, von der Hochschule Pforzheim. "Die Zurückhaltung gegenüber Onlinekäufen im Luxusbereich ist nun viel kleiner geworden." Luxusgeschäfte in den Städten werden aus Fastosos Sicht aber immer eine große Rolle spielen, "denn eine erste Luxusuhr bestellt man mit Sicherheit nicht im Internet".

Als weitere Folge der Pandemie erwartet er, dass Luxus für einen selbst wichtiger wird: "Die Krise wird die Bedeutung des Luxus im Privaten verstärken." Luxus habe immer eine soziale und eine private Nutzenkomponente. "Viele denken, dass Luxus nur Protz ist, dass Nutzer von Luxusprodukten damit nur angeben möchten. Das ist aber nur bei manchen Produkten und manchen Kunden der Fall", sagte Fastoso. Eine Luxushandtasche oder ein Luxusauto würden öffentlich konsumiert, bei ihrer Wahl spiele die Außenwirkung eine große Rolle. "Mit anderen Produkten hingegen wie einer kostspieligen Luxusnachtcreme ist der soziale Nutzen nicht vorhanden." Weil sich Menschen in der Krise auf das Wesentliche im Leben konzentrierten, nehme die Bedeutung hier zu.

Dazu gehöre auch die Frage danach, wie sich Marken sozial wichtigen Themen der Zeit stellen: Handeln sie nachhaltig? Setzen sie sich für faire Arbeitsbedingungen ein? "Einige Schmuckhersteller verarbeiten nur ethisches Gold in ihren Produkten. Andere unterstützen zum Beispiel Initiativen im Kampf gegen Kinderarmut", sagte Fastoso, der im September die Stiftungsprofessur für Brand Management, insbesondere High Class and Luxury Brands, übernommen hat.

Weltweit seien die Umsätze von Luxusunternehmen im vergangenen Jahr infolge der Krise eingebrochen. "Schätzungen zufolge um 20 Prozent", sagte der 46-Jährige. "Befürchtet wurden aber höhere Einbußen." Viele Menschen, die weniger für Luxuserlebnisse wie Reisen ausgeben konnten, hätten mehr Geld in den Kauf von Luxusprodukten investiert.

Dabei sei die Vorstellung überholt, nur Reiche konsumierten Luxus, so Fastoso. "Das war vielleicht vor hundert Jahren so, als nur die Aristokratie und das gehobene Bürgertum sich Luxus leisten konnte. Heute sprechen Luxusmarken auch Käuferschichten an, für die der Kauf eines Luxusproduktes eine Ausnahme bleibt - ein besonderes Geschenk für andere oder gar sich selbst." Das könnte man als Demokratisierung des Luxus bezeichnen, sagte er. So werde zum Beispiel zwischen erschwinglichem Luxus und "super-luxury" unterschieden.

Titelfoto: Philipp von Ditfurth/dpa

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