Von Marc Herwig, Maurice Hossinger
Krefeld - Nach dem folgenschweren Gefahrgutunfall in Krefeld hat die Feuerwehr den Großeinsatz offiziell für beendet erklärt. Die offizielle Warnung vor einer "extremen Gefahr" für die Bevölkerung wurde bereits am Nachmittag aufgehoben.
Jetzt gibt die Feuerwehr endgültig Entwarnung: Der Einsatz habe gegen 18 Uhr für beendet erklärt werden können, teilten die Einsatzkräfte mit.
"Ein Großteil der ausgetretenen Salpetersäure konnte inzwischen aufgenommen werden", erklärten die Einsatzkräfte vorher. Nach dem Unfall hatten sich rund eine Tonne des Gefahrstoffs als Lache auf der Straße ausgebreitet.
Statt von einer "extremen Gefahr" warnte die Feuerwehr im Anschluss nur noch vor einer "Gefahr" im Umkreis von 200 Metern um die Unfallstelle. "Außerhalb dieses Radius konnten alle Personen die geschlossenen Räume verlassen."
Trotzdem hatten die Behörden die Menschen im gesamten Krefelder Stadtgebiet vor einer möglichen Geruchsbelästigung gewarnt. Davon sei aber aber keine Gefahr ausgegangen, betonte die Feuerwehr zwischenzeitlich.
Ein mit 23 Tonnen Salpetersäure beladener Lastwagen war in der Nacht verunglückt und so stark beschädigt worden, dass die ätzende Ladung auslief.
Auswirkungen auf den Bahnverkehr
Die Behörden hatten daraufhin in einem Umkreis von 1000 Metern zunächst vor einer "extremen Gefahr" für die Gesundheit gewarnt und die Menschen aufgefordert, in geschlossenen Räumen zu bleiben.
Die A57 war wegen des Einsatzes zwischen Krefeld-Oppum und Krefeld-Gartenstadt komplett gesperrt. Auf den Umleitungsstrecken bildeten sich daraufhin lange Staus.
Weil die Behörden wegen des Einsatzes auch eine Bahnstrecke gesperrt hatten, gab es seit der Nacht Umleitungen und Zugausfälle auf mehreren Linien. Die Auswirkungen reichten bis nach Düsseldorf und ins Ruhrgebiet.
Betroffen waren die Linien RE 7 (Rheine-Wuppertal-Krefeld), RE 10 (Düsseldorf-Kleve), RE 42 (Mönchengladbach-Duisburg-Münster), RB 33 (Aachen-Essen), RB 35 (Gelsenkirchen-Mönchengladbach) und RB 37 (Krefeld-Neuss).
Bis alle Züge wieder nach Plan fahren, könne es noch einige Zeit dauern. Die Bahn empfahl allen Reisenden deshalb: "Bitte achten Sie vermehrt auf die Informationen vor Ort und prüfen Sie den Zuglauf in der Onlinereiseauskunft."
Auch zahlreiche Straßen im Krefelder Stadtgebiet waren gesperrt. Nach Angaben der Stadtwerke konnten Busse und Stadtbahnen auf mehreren Linien in der Innenstadt nicht auf ihrem normalen Weg fahren. Bei der Müllabfuhr gab es ebenfalls Einschränkungen für das gesamte Stadtgebiet, weil die Müllfahrzeuge den Wertstoffhof nicht anfahren konnten.
Schulen und Kitas geschlossen
Vier Schulen und zwei Kindertagesstätten, die in dem Bereich lagen, waren den ganzen Tag geschlossen bleiben.
Betroffen waren die Franz-Stollwerck-Schule, die Sollbrüggenschule, die Gesamtschule Uerdingen und das Berufskolleg Uerdingen. Auch die Kita St. Gertrudis und die städtische Kita Verberger Straße haben nach Angaben der Stadt nicht geöffnet.
Salpetersäure kann Haut, Augen und Atemwege stark verätzen. Bei einem Gefahrgutunfall können relativ leicht gefährliche Gase entstehen.
Die Einsatzkräfte arbeiteten deshalb mit Schutzausrüstung, um sich selbst zu schützen.
Erstmeldung: 6. November 2026, 7.50 Uhr; letztes Update: 21.35 Uhr.