Bitterfeld-Wolfen - Diese Bahnfahrt haben sich die Fahrgäste eines ICE von Nürnberg nach Hamburg sicher anders vorgestellt: Am Freitagabend blieb der Zug in Sachsen-Anhalt auf freier Strecke liegen, musste schließlich evakuiert werden.
150 Passagiere und sechs Zugbegleiter befanden sich an Bord des ICE 90, der im Bereich einer Eisenbahnüberführung nahe dem Bitterfelder Ortsteil Holzweißig plötzlich stehen geblieben war, berichtete die Feuerwehr Bitterfeld-Wolfen am Samstag auf ihrer Webseite. Ursächlich soll ein technischer Defekt gewesen sein.
Zahlreiche Einsatzkräfte machten sich gegen 20.30 Uhr auf den Weg. Vor Ort versuchten die Kameraden zuerst, den Zug zumindest soweit wieder fahrbereit zu machen, dass man ihn zum Bitterfelder Bahnhof weiterleiten konnte.
Jedoch ohne Erfolg, weshalb man sich schließlich entschied, den ICE zu evakuieren. Dazu wurde ein Ersatzzug angefordert, in den die Passagiere umsteigen sollten.
Der Einsatz war allerdings nicht unkompliziert: Eine direkte Zufahrtsmöglichkeit gab es für die großen Fahrzeuge der Feuerwehr nicht, weshalb benötigte Ausrüstung zu Fuß zum Einsatzort getragen werden musste.
Dunkelheit und unwegsames Gelände taten ihr Übriges, nicht nur die Kameraden mussten vorsichtig sein. "Die Fahrgäste mussten den Zug über Leitern verlassen, wobei ein erheblicher Höhenunterschied zwischen dem Zug, dem Schotterbett und einem angrenzenden Graben zu überwinden war", hieß es.
Evakuierung drei Stunden nach Alarmierung abgeschlossen
Die Menschen wurden Schritt für Schritt auf ihrem Weg unterstützt, während die Einsatzstelle mithilfe einer Drehleiter gründlich ausgeleuchtet wurde. Diese wurde in der Straße des Friedens positioniert, die für Autofahrer voll gesperrt werden musste.
Erst gegen 23.30 Uhr konnte die Evakuierung abgeschlossen werden, alle Fahrgäste und Zugbegleiter sowie mehrere Hundert Gepäckstücke befanden sich schließlich im Ersatzzug, der kurz darauf seine Reise fortsetzen konnte.
Zum Glück war der stehengebliebene ICE weiterhin ständig mit Strom versorgt, sodass Heizung und Licht die ganze Zeit funktionierten. Die Temperaturen bewegten sich am Freitagabend nur knapp über dem Gefrierpunkt.
Laut Feuerwehr reagierten die meisten Fahrgäste verständnisvoll. "Umso schöner waren die Gesten der Dankbarkeit und die Momente, in denen der Situation mit einer Prise Humor begegnet wurde", so ihr Fazit.