Neues Konzept gegen Bildschirm-Sucht: Grundschüler sagen Smartphones den Kampf an
Von Thomas Staudt, Petra Hornig
Dresden/Neukirch - Handykonsum kann die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen negativ beeinträchtigen. Aber es geht auch anders, wie ein Pilotprojekt an der Grundschule Neukirch/Lausitz zeigt.
Djella (9) hat bis vor kurzem rund anderthalb Stunden täglich mit dem Smartphone verdaddelt. Bei Nikolai (10) war es manchmal noch mehr. Inzwischen hat sich was geändert.
Geholfen hat dabei auch ein Projekt an der Lessinggrundschule, die die beiden besuchen. Neun Monate lang haben die Kinder unterstützt von Experten und mithilfe von Schulsozialarbeiterin Maria Kirschner Leitlinien für die Nutzung digitaler Medien erarbeitet.
"Kinder sollen verstehen, was ihnen guttut, wo Grenzen liegen und wie sie sich Unterstützung holen können", sagt Florian Buschmann, der das Projekt zusammen mit der Sportwissenschaftlerin Anne-Sophie Reißig begleitet hat. Und das haben sie. "Die Kinder haben wirklich viel für ihren Alltag mitgenommen", bestätigt Schulsozialarbeiterin Kirschner.
Geholfen haben einfache Fragen: Wie viel Freizeit habe ich am Tag, wie viel davon hänge ich am Handy und was bedeutet das für meine Lebenszeit? In großen Buchstaben auf ein Blatt Papier geschrieben, wirken die Antworten wie ein lauter Gong: Aufwachen - Anders machen - Besser leben!
Vielnutzer klagen über Schlafprobleme und Kopfschmerzen
Unterstützt wurde das Projekt von der Techniker Krankenkasse (TK).
Aus gutem Grund: Der aktuelle Social-Media-Report der TK hatte ergeben, dass Jugendliche, die täglich vier Stunden oder mehr soziale Medien nutzen, deutlich häufiger von gesundheitlichen Auffälligkeiten betroffen sind als Jugendliche mit einer täglichen Nutzungsdauer von ein bis zwei Stunden.
Die Vielnutzer klagten u.a. über Schlafprobleme und Kopfschmerzen.
"Die Leitlinien geben uns eine verbindliche Orientierung für die Zukunft", sagt Schulleiterin Cathrin Goldberg.
Und die Kinder? Djella ist nur noch maximal eine Stunde täglich online und findet das gut. Ähnlich ist es bei Nikolai. "Jetzt treffe ich mich mehr mit Freunden", sagt er.
Titelfoto: Petra Hornig

