Mann fährt 2700 Kilometer, um eine Telefonzelle zu retten
Einacleit (Großbritannien) - Für dieses Ferngespräch nahm William Arnold (43) nun Anlauf! Der Fotograf und Künstler fuhr von Helston im südenglischen Cornwall bis nach Einacleit auf der Hebrideninsel Lewis. Hin und zurück waren das rund 2700 Kilometer. Sein Ziel stand am Straßenrand: eine rote Telefonzelle, deren Leitung vor dem Aus bewahrt werden sollte.
Arnold griff zum Hörer und telefonierte 52-mal mit 52 Menschen. Diese Zahl ist entscheidend. Nach den Regeln der Aufsichtsbehörde Ofcom darf eine öffentliche Telefonleitung nicht entfernt werden, wenn binnen eines Jahres mindestens 52 Anrufe darüber geführt wurden.
Arnolds Münz-Marathon verschafft dem Apparat ein weiteres Jahr. Rund 36 Pfund in Münzen landeten im Münzfach. Die Gesprächsqualität sei ausgezeichnet gewesen, nur Anrufe auf Handys fand der Retter sehr teuer, wie er auf Instagram berichtete.
Bei der Zelle handelt es sich um eine seltene K6 mit Doppeltür. Sie sollte heftigen Winden trotzen und gilt als letztes, noch angeschlossenes Exemplar dieser Art in Großbritannien. Arnold versteht seine Aktion als Kunstprojekt und Protest gegen den Verfall öffentlicher Infrastruktur.
In abgelegenen Gegenden könne ein Telefon bei schlechtem Mobilfunk oder im Notfall nützlich sein.
Berühmte Telefonzelle hat lange Geschichte
Der rote Oldie hat Geschichte. Die erste einheitliche britische Telefonzelle K1 kam 1921 auf und bestand aus Beton. Den weltberühmten K6-Kiosk entwarf Sir Giles Gilbert Scott 1935 zum silbernen Thronjubiläum von König George V.
Rot wurden die Zellen, weil dies die Farbe der Post war und man sie leicht erkennen konnte. Ihren Höchststand erreichten die von BT betriebenen öffentlichen Telefone 1992 mit 92.000 Exemplaren.
Handys ließen ihre Zahl später schrumpfen. Ausrangierte Zellen können Gemeinden für ein Pfund übernehmen. Viele dienen heute als Mini-Bibliothek, Defibrillator-Station, Café oder Mini-Nachtclub.
In Einacleit aber darf vorerst weiter klassisch geklingelt werden.
Titelfoto: Bildmontage: instagram/William Arnold

