Bremerhaven - Nach dem Crash zwischen dem Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 3" und zwei Containerschiffen am Sonntagabend in Bremerhaven sind noch viele Fragen offen. Nun hat sich der Hafenkapitän zu Wort gemeldet.
Als Amtsleiter der Hafenbehörde "Port Authority Bremen" ist Stephan Berger ein wichtiger Mann und soll bei den Ermittlungen zum Unfallhergang helfen. Denn vor allem bei der Frage nach dem Wetter gibt es unterschiedliche Ansichten.
Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte ein Sturm mit abnehmenden Winden bei rund 40 bis 45 km/h. Der Wetterdienst hatte am Abend mit Böen um die 55 km/h gerechnet. Von genau so einer wurde das Kreuzfahrtschiff schließlich erfasst und gegen die Containerschiffe gedrückt.
Die Aufregung um die Thematik kann Berger allerdings nicht nachvollziehen. "Der Verkehr auf der Weser lief normal, es gab keinen Anlass für eine Warnung, nicht auszulaufen", erklärte er der Bild.
Der Hafenkapitän verwies sogar darauf, dass ab einer gewissen Schiffsgröße, und das war bei der "Mein Schiff 3" der Fall, eine Lotsenpflicht in Bremerhaven bestehe. "Die Lotsen beraten den Kapitän, können ihn also auch dahingehend beraten, ein Manöver nicht durchzuführen", betonte er und fügte dann hinzu, dass die "letztendliche Entscheidung" aber beim Kapitän liege. "Sollte der Kapitän sich gegen die Empfehlung des Lotsen entscheiden, so berät der Lotse den Kapitän trotzdem bestmöglich."
Stand der "Mein Schiff 3"-Kapitän unter Druck?
Eine Warnung vonseiten des Amtes gab es auch nicht. "Der Hafenbetrieb lief normal", erklärte Berger. Selbst das Containerschiff "MSC Victorine" sollte nur wenige Augenblicke nach dem Unfall auslaufen.
Dennoch bleibt die entscheidende Frage, ob der Kreuzfahrtriese bei den vorherrschenden Bedingungen überhaupt hätte auslaufen dürfen. Dies ermittelt nun die Polizei in einem Verfahren gegen den "Mein Schiff 3"-Kapitän.
Zudem kam kurzzeitig die Frage auf, ob Druck und vor allem hohe Liegegebühren eine Rolle beim Ablegen spielten. Dem widersprach Bremens Hafensprecher Matthias Koch aber: "Für ein Schiff der Größe 'Mein Schiff 3' werden für die ersten sieben Tage ziemlich genau 7000 Euro an reinen Liegegebühren fällig."