Streik! Gewerkschaft plant Frontalangriff auf Leipziger Hobbymesse und Chortreffen
Leipzig - Der Tarif-Streit bei der Leipziger Messe spitzt sich dramatisch zu. Die Gewerkschaft ver.di ruft für Donnerstag und Freitag zum Warnstreik auf. Der jeweils ganztägige Arbeitskampf ist ein Frontalangriff auf die beliebte Hobbymesse und das nationale Vokalmusik-Treffen chor.com. Die Messe-Leitung hält dagegen und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Gewerkschaft.
Die Hobbymesse (2. bis 4. Oktober) ist eine der beliebtesten Publikumsmessen in Mitteldeutschland. Wenn die Aussteller am Donnerstag ihre Stände aufbauen wollen, dürfte das mit Schwierigkeiten verbunden sein.
Denn ab 9 Uhr lässt ver.di die Messe bestreiken. Bei einem gewerkschaftlichen Organisationsgrad, der laut ver.di bei 50 Prozent liegt, dürfte schon der Aufbautag Probleme bereiten.
Und das ist offenbar beabsichtigt. "Das wird dem Arbeitgeber Mehrkosten bereiten", frohlockt Gewerkschaftssekretärin Lena Kirschenmann im Gespräch mit TAG24.
Zum Eröffnungstag der Hobbymesse werden die Besucher dann einen Pulk an Streikenden passieren müssen. "Wir werden niemanden am Zugang zur Messe hindern, aber wir wollen die Besucher auf unser Anliegen aufmerksam machen", so Kirschenmann.
Ver.di-Forderungen laut Messe völlig unrealistisch
Und darum geht es: Ver.di fordert für die Messe-Beschäftigten eine Lohnerhöhung von 350 Euro monatlich, die Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 38 Stunden bei vollem Lohnausgleich, eine Erweiterung der Entgeltstufen, höhere Jahressonderzahlungen und ein Gesundheitstage-Bonus für Gewerkschafter.
Forderungen, die Messe-Geschäftsführer Markus Geisenberger als "unverhältnismäßig" und "unrealistisch" bezeichnet. Sie gehörten "zu den höchsten Forderungen in Tarifverhandlungen in Deutschland im Jahr 2026" und lägen "weit außerhalb des finanziellen Rahmens" der Messe, heißt es in einer Erklärung der Geschäftsleitung.
Dass ver.di nun die beliebte Hobbymesse angreift und auch das parallel von Donnerstag bis Sonntag in der Kongresshalle stattfindende Chortreffen chor.com in seinen Arbeitskampf einbezieht, stößt den Messe-Chefs übel auf.
Geisenberger: "Gerade vor dem Hintergrund, dass wir ver.di bereits zugesagt haben, mit einem erneut verbesserten Angebot in die nächste Verhandlungsrunde am 5. Oktober zu kommen, können wir diesen Schritt nicht nachvollziehen." Die Messe GmbH, die zu jeweils 50 Prozent der Stadt Leipzig und dem Land Sachsen gehört, hatte der Gewerkschaft zuletzt eine Lohnerhöhung von insgesamt 6,2 Prozent angeboten.
Ausstellern und Besuchern der Hobbymesse und den Gästen der chor.com versicherte Geisenberger, dass die Veranstaltungen trotz des Streiks wie geplant durchgeführt werden. "Die können sich auf uns verlassen!"
Titelfoto: Bildmontage: PR/Leipziger Messe GmbH ; Jan Woitas/dpa

