Ukraine-Krieg: Auch Ministerin Prien in Kiew - "Wichtig, keine Angst zu zeigen"

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Kiew - Im fünften Kriegsjahr richtet Russland seine Gewalt zunehmend gegen die zivile Wirtschaft in der Ukraine. Moskau will die Ukrainer zermürben. Drohnen treffen auch deutsche Unternehmen.

Ein Krater vor einem Novus-Logistikzentrum, das bei einem russischen Angriff auf Kiew beschädigt wurde.
Ein Krater vor einem Novus-Logistikzentrum, das bei einem russischen Angriff auf Kiew beschädigt wurde.  © Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Russische Raketen und Drohnen treffen Stahlwerke, Einkaufszentren, Fabriken, die Zulieferer von Supermärkten. Es geht gegen Pharmahersteller, Post und Logistik, Daten- und Telekomknoten, Eisenbahn, Häfen am Schwarzen Meer.

"Russland will unsere Wirtschaft töten und damit unseren Widerstand brechen", sagt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Wirtschaftsminister Olexander Krawtschenko schätzt den Schaden am Anlagevermögen allein in diesem Jahr auf zehn Milliarden US-Dollar (8,9 Milliarden Euro).

Jede Stunde Luftalarm koste die Ukraine etwa 40 Millionen Euro, sagte er der Zeitung "Guardian": "Wenn die Leute im Bunker sind, steht die Wirtschaft." Die Sorge wächst, wie lange die Ukraine diesem Druck standhalten kann.

Ukraine-Krieg: Tote bei russischem Luftangriff auf Industriestadt Dnipro
Ukraine Ukraine-Krieg: Tote bei russischem Luftangriff auf Industriestadt Dnipro

Alle relevanten Informationen zum Geschehen in der Ukraine und Russland gibt es hier im TAG24-Newsticker.

5. Oktober, 9.23 Uhr: Auch Ministerin Prien in Kiew - "Wichtig, keine Angst zu zeigen"

Unmittelbar nach Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist Familienministerin Karin Prien in die Ukraine gereist. "Uns ist es wichtig, in der gesamten Bandbreite unsere Unterstützung für die Ukraine zum Ausdruck zu bringen", sagte Prien nach ihrer Ankunft am Zentralbahnhof in Kiew der Deutschen Presse-Agentur.

Die nächtliche Zugfahrt von Polen in das von Russland angegriffene Land war laut Prien ruhig. "Aber es ist schon bedrückend, die Vorstellung, in ein Kriegsgebiet zu fahren, bedrückend auch, weil die Russen angedroht haben, die Angriffe auf die Zivilbevölkerung und auch auf Diplomaten und Gäste zu intensivieren", sagte die CDU-Politikerin.

"Aber es ist wichtig gerade in dieser Situation, nicht zurückzuschrecken, keine Angst zu zeigen, sondern sehr klar zu sein", sagte Prien. "Wir stehen als Bundesrepublik Deutschland fest zur Ukraine." 

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) kommt am Montagmorgen zu einem zweitägigen Besuch in Kiew an und wird vom deutschen Botschafter Boris Ruge begrüßt.
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) kommt am Montagmorgen zu einem zweitägigen Besuch in Kiew an und wird vom deutschen Botschafter Boris Ruge begrüßt.  © Basil Wegener/dpa

4. Oktober, 20.36 Uhr: Tote und Verletzte bei russischen Drohnenattacken

Bei russischen Drohnenangriffen auf die ukrainischen Regionen Saporischschja und Dnipro sind mindestens drei Menschen getötet worden.

Die Zahl der Verletzten wurde von offizieller Seite mit mindestens sechs angegeben. In der Oblast Saporischschja war demnach eine Drohne in einer Gartenanlage explodiert, eine weitere Drohne traf einen Lastwagen. Bei beiden Angriffen starb den regionalen Militärverwaltungen zufolge jeweils ein Mensch. Details zu dem Angriff in Dnipro wurden nicht genannt.

4. Oktober, 18.04 Uhr: "Niemals aufgeben" - Auf diese Waffe hofft Selenskyj immer noch

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) wünscht sich von Deutschland weiter den Marschflugkörper Taurus, der Ziele in 500 Kilometern Entfernung präzise treffen kann.

Nach seinem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) in Kiew sagte er auf die Frage, ob er nach all den Jahren der vergeblichen Bitten weiter Hoffnung auf den Taurus habe: "Natürlich. Niemals aufgeben." 

Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) hat Wolodymyr Selenskyj (48) auch diesmal keine Taurus-Marschflugkörper zugesagt.
Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) hat Wolodymyr Selenskyj (48) auch diesmal keine Taurus-Marschflugkörper zugesagt.  © Kay Nietfeld/dpa

4. Oktober, 14.21 Uhr: Merz mit klarer Ansage an Moskau - Deutschland lässt sich nicht einschüchtern

Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) hat sich unbeeindruckt von den russischen Warnungen wenige Stunden vor seinem Besuch in Kiew und von dem Drohnenangriff während seines Aufenthalts gezeigt. Er sei trotz der Drohungen mit einer großen Regierungs- und Wirtschaftsdelegation angereist, sagte Merz auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (48) in der Hauptstadt.

"Das zeigt: Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir lassen uns auch nicht einschüchtern durch einen Dohnenangriff zum selben Zeitpunkt unseres Besuchs." Er wisse zwar nicht, ob die Drohungen aus Moskau unmittelbar mit seinem Besuch zusammenhingen, sagte Merz. Er lasse sich davon jedenfalls nicht beeindrucken. "Ich unternehme die Reisen, die ich für richtig halte." Insofern sei ihm das Agieren Moskaus "offen gestanden auch relativ gleichgültig".

Er habe drei Drohnenalarme während seines Aufenthalts bewusst wahrgenommen, sei aber kein Mal in einen Schutzraum gebracht worden. Er gehe davon aus, "dass es keine persönliche Gefährdung für die Mitglieder meiner Delegation und auch für mich persönlich gibt".

Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) am Sonntag in Kiew.
Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) am Sonntag in Kiew.  © Kay Nietfeld/dpa

4. Oktober, 13.38 Uhr: Russland kündigt noch härtere Schläge gegen Ukraine an

Das russische Verteidigungsministerium hat eine noch weitere Verschärfung seiner Schläge gegen Kiew und andere Gebiete der Ukraine angekündigt. Damit reagiere Moskau auf Drohungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, weitere militärische Objekte und Rüstungsbetriebe in Russland anzugreifen, teilte das Ministerium mit. Für die Eskalation trage allein Selenskyj die "volle persönliche und politische Verantwortung", hieß es. Den Krieg begonnen hatte Russland.

Selenskyj empfing in Kiew Kanzler Friedrich Merz (CDU), der der Ukraine weitere Militärhilfe zusicherte. Deutschland ist der wichtigste Unterstützer der Ukraine in ihrem Kampf gegen den russischen Angriff. Berlin betont immer wieder, dass Moskau nur eine "Sprache der Stärke" verstehe.

Die Ukraine hatte dank der westlichen Milliarden- und Militärhilfe ihre Angriffe auf Ölraffinerien und andere Ziele in Russland zuletzt deutlich ausgeweitet. Kremlchef Wladimir Putin räumte Schäden für die Wirtschaft des Landes ein und hatte bereits mit noch intensiveren Angriffen in dem von ihm seit Februar 2022 befohlenen Krieg gegen die Ukraine gedroht. Seither gibt es unter anderem auch tagsüber massive russische Luftangriffe auf Kiew und anderen Gebiete. Diese sollen nun noch einmal verstärkt werden, hieß es in Moskau.

Ein Blick auf das Gebäude des russischen Verteidigungsministeriums mit Flugabwehrsystemen auf dem Dach in Moskau, Russland.
Ein Blick auf das Gebäude des russischen Verteidigungsministeriums mit Flugabwehrsystemen auf dem Dach in Moskau, Russland.  © Uncredited/AP/dpa

4. Oktober, 13.34 Uhr: Merz an Putin - "Hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf!"

Bundeskanzler Friedrich Merz hat der Ukraine bei einem Solidaritätsbesuch in Kiew anhaltende Unterstützung für den Abwehrkampf gegen Russland zugesichert und eindringlich an den russischen Präsidenten appelliert: "Herr Putin, hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf!"

Er sei bereit zu Gesprächen, sagte der Kanzler vor der Ruine der vor wenigen Tagen bei einem Drohnenangriff zerstörten Akademie der Wissenschaften. "Aber diese barbarischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung der Ukraine müssen aufhören."

Russland setzte seine Luftangriffe auf Kiew und die ganze Ukraine während des Besuchs aber verstärkt fort. Auf der Nordbrücke über den Fluss Dnipro kam es erneut zu einem Einschlag. Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von zwei Verletzten. Die Rauchsäule war weithin sichtbar. Der Kanzler war zu der Zeit nur gut fünf Kilometer entfernt in der deutschen Botschaft in Sicherheit. Alleine in den ersten fünf Stunden seines Besuchs wurde fünf Mal Drohnenalarm in der Hauptstadt ausgelöst.

Immer wieder heulen die Sirenen wegen russischer Drohnenangriffe. Merz hat eine klare Botschaft an die Ukrainer - aber auch eine an Putin.
Immer wieder heulen die Sirenen wegen russischer Drohnenangriffe. Merz hat eine klare Botschaft an die Ukrainer - aber auch eine an Putin.  © Kay Nietfeld/dpa

4. Oktober, 11.06 Uhr: Selenskyj wirft Russland Terror gegen zivile Infrastruktur vor

Russland griff Kiew nach ukrainischen Angaben mit 135 Drohnen an. "Und zu den Hauptzielen dieser Terroristen gehören wie immer gewöhnliche Wohnhäuser, kritische Infrastruktur – alles, was das normale Alltagsleben ausmacht", sagte Selenskyj.

Es sei auch zu Stromausfällen gekommen. Allein in der vergangenen Woche habe Russland über 1900 Angriffsdrohnen, 1700 Gleitbomben und 25 Raketen eingesetzt. 

Kanzler Merz war am Morgen mit dem Zug in Kiew eingetroffen. Zuvor hatte das russische Außenministerium Europäer vor Reisen und Aufenthalten in der Ukraine gewarnt. Der Bundeskanzler will bei dem Solidaritätsbesuch dem von Russland angegriffenen Land Deutschlands weitere Unterstützung zusichern - unter anderem mit Drohnen zur Abwehr der immer schnelleren russischen Flugobjekte.

Deutschland ist größter Unterstützer der Ukraine in ihrem seit mehr als viereinhalb Jahren dauernden Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg. Die Ukraine griff ihrerseits nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau mit Hunderten Drohnen russischen Ziele an.

Bundeskanzler Friedrich Merz (70, r, CDU) und Wolodymyr Selenskyj (48), Präsident der Ukraine, stehen am zerstörten Gebäude der Nationalen Akademie der Wissenschaften.
Bundeskanzler Friedrich Merz (70, r, CDU) und Wolodymyr Selenskyj (48), Präsident der Ukraine, stehen am zerstörten Gebäude der Nationalen Akademie der Wissenschaften.  © Kay Nietfeld/dpa

4. Oktober, 11.04 Uhr: Mehrfach Drohnenalarm in Kiew bei Merz-Besuch

In Kiew haben nach der Ankunft von Kanzler Friedrich Merz russische Angriffe auf die Hauptstadt mehrfach Drohnenalarm ausgelöst.

In Kiew heulten die Sirenen, während Merz sein Besuchsprogramm absolvierte. Bürgermeister Vitali Klitschko informierte am Morgen bei Telegram über einen Einschlag auf der Nordbrücke der ukrainischen Hauptstadt, die gut vier Kilometer vom Bahnhof und Innenstadt-Kern entfernt ist. 

Klitschko hatte bereits am frühen Morgen von einem Drohnenalarm berichtet. Trümmer eines abgeschossenen Flugobjekts seien auf das Dach eines Wohnhauses gefallen. Danach gab es immer wieder neuen Alarm.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dankte Merz für seinen abermaligen Besuch und lobte, dass Deutschland "konsequent Führungsstärke beim Schutz der Leben der Ukrainer und Ukrainerinnen vor russischen Angriffen beweist". Es würden mit der Bundesregierung weitere Maßnahmen zur Verteidigung der Ukraine und Europas vorbereitet. "Es werden wichtige Vereinbarungen zwischen der Ukraine und Deutschland getroffen werden. Russland muss gemeinsam gestoppt werden", teilte Selenskyj bei Telegram mit.

Nach einer russischen Reisewarnung stattet Kanzler Merz der Ukraine einen weiteren Solidaritätsbesuch ab. Während seines Aufenthalts gibt es erneut Drohnenalarm, gleich mehrfach hintereinander.
Nach einer russischen Reisewarnung stattet Kanzler Merz der Ukraine einen weiteren Solidaritätsbesuch ab. Während seines Aufenthalts gibt es erneut Drohnenalarm, gleich mehrfach hintereinander.  © Kay Nietfeld/dpa

4. Oktober, 9.54 Uhr: Drohnen-Angriff auf Brücke in Kiew während Merz-Besuch

Während des Besuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) am Sonntag in Kiew ist den Behörden zufolge eine Brücke in der ukrainischen Haupstadt von mindestens einer russischen Drohne angegriffen worden.

Der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, teilte im Onlinedienst Telegram mit, "die Straße der Nordbrücke" sei getroffen worden und "Rettungsdienste sind auf dem Weg". Merz war am Morgen überraschend trotz neuer Warnungen aus Moskau zu einem Besuch in Kiew eingetroffen.

Der Kanzler hatte bei seiner Ankunft auf die derzeitigen heftigen russischen Angriffe auf die Ukraine verwiesen. Kurz vor dem fünften Kriegswinter bombardiere Russland Städte, Wohnhäuser und Heizkraftwerke - dies sei "Terror". Er werde dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sagen: "Auf unsere Hilfe könnt ihr weiter zählen", betonte Merz und fügte hinzu: "Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns."

Während des Besuchs von Friedrich Merz in der Ukraine wurde eine Brücke in Kiew von russischen Drohnen getroffen.
Während des Besuchs von Friedrich Merz in der Ukraine wurde eine Brücke in Kiew von russischen Drohnen getroffen.  © Kay Nietfeld/dpa

4. Oktober, 7.13 Uhr: Erste Tuchfühlung mit Moskau ernüchternd

Merz hofft nun darauf, Russland mit anhaltendem militärischen Druck an den Verhandlungstisch zu bewegen. Außenminister Johann Wadephul hatte vor wenigen Tagen erstmals seit Jahren wieder Tuchfühlung mit Moskau aufgenommen und den russischen Außenminister Sergej Lawrow in New York getroffen.

Das Ergebnis war aber ernüchternd. Lawrow äußerte sich anschließend abschätzig über das Gespräch und sagte, es habe nichts Neues gebracht.

Merz wertete das als weiteren Beleg dafür, dass diplomatische Bemühungen in Moskau auf taube Ohren stoßen. Russland verstehe nur die "Sprache der Stärke" und müsse auf diesem Weg an den Verhandlungstisch gebracht werden, sagte er. "Eintracht und Stärke sind auch heute Erfolgsbedingungen für Verhandlungen mit Moskau."

Titelfoto: Kay Nietfeld/dpa

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