Ukraine-Krieg: Bundeskanzler Merz plötzlich in Kiew

Kiew - Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) ist zu einem Solidaritätsbesuch in der Ukraine eingetroffen, um dem Land weitere konkrete Hilfe für den Abwehrkampf gegen Russland zuzusagen - vor allem Abfangdrohnen und weitreichende Waffen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) kommt am frühen Morgen auf dem Hauptbahnhof der ukrainischen Hauptstadt Kiew an.  © Kay Nietfeld/dpa

"Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns", sagte der CDU-Chef bei seiner Ankunft mit einem Sonderzug in Kiew. 

Er wird von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und zehn Unternehmern aus den Bereichen Rüstung und Energie begleitet.

Nach Angaben aus Regierungskreisen will Merz den ukrainischen Streitkräften in Kiew die baldige Auslieferung Tausender Abfangdrohnen zusichern, mit denen die besonders schnellen und daher auch besonders gefährlichen russischen Kampfdrohnen mit Düsenantrieb bekämpft werden können. 

Ukraine Russischer Raketenangriff zerstört Lager von deutscher Firma Liqui Moly - auch Puma betroffen

Zudem soll die Produktion weitreichender Waffen vorangetrieben werden, mit denen Nachschublinien hinter der Front in Russland angegriffen werden können. Insgesamt sollen dafür eine Milliarde Euro aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln freigegeben werden - und weitere 350 Millionen Euro für Reparatur und Wiederaufbau zerstörter Kraftwerke.

Alle relevanten Informationen zum Geschehen in der Ukraine und Russland gibt es hier im TAG24-Newsticker.

Anzeige

4. Oktober, 7.13 Uhr: Erste Tuchfühlung mit Moskau ernüchternd

Merz hofft nun darauf, Russland mit anhaltendem militärischen Druck an den Verhandlungstisch zu bewegen. Außenminister Johann Wadephul hatte vor wenigen Tagen erstmals seit Jahren wieder Tuchfühlung mit Moskau aufgenommen und den russischen Außenminister Sergej Lawrow in New York getroffen.

Das Ergebnis war aber ernüchternd. Lawrow äußerte sich anschließend abschätzig über das Gespräch und sagte, es habe nichts Neues gebracht.

Merz wertete das als weiteren Beleg dafür, dass diplomatische Bemühungen in Moskau auf taube Ohren stoßen. Russland verstehe nur die "Sprache der Stärke" und müsse auf diesem Weg an den Verhandlungstisch gebracht werden, sagte er. "Eintracht und Stärke sind auch heute Erfolgsbedingungen für Verhandlungen mit Moskau."

Anzeige

4. Oktober, 7.09 Uhr: Vierter Kanzlerbesuch seit Kriegsbeginn

Es ist der vierte Besuch eines Bundeskanzlers seit der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022. Merz' Vorgänger Olaf Scholz (68, SPD) war in seiner dreieinhalbjährigen Amtszeit zweimal im Kriegsgebiet.

Merz besuchte Kiew im Mai vergangenen Jahres nur vier Tage nach seiner Vereidigung als Kanzler im Bundestag - zusammen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dem damaligen britischen Premierminister Keir Starmer und dem polnischen Regierungschef Donald Tusk. 

Es war die erste größere gemeinsame diplomatische Initiative der Europäer, um zu einem Frieden in der Ukraine zu kommen. Von Kiew aus forderten die vier Staats- und Regierungschefs damals Russland ultimativ zu einem bedingungslosen Waffenstillstand auf. Daraus wurde nichts, auch spätere diplomatische Initiativen verliefen zunächst im Sande.

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU).  © Kay Nietfeld/dpa

4. Oktober, 7.06 Uhr: Merz sagt, die Ukraine kann weiter auf Hilfe zählen

Merz ließ sich davon nicht von Reiseplänen abbringen. Er sei nach Kiew gereist, "weil die Ukraine für die kommenden Wochen all unsere Unterstützung braucht", sagte er bei seiner Ankunft.

"Bald beginnt für die Menschen der fünfte Kriegswinter. Russland bombardiert Städte, Wohnhäuser und Heizkraftwerke." Die Ukrainer ließen sich aber durch den Terror Russlands nicht unterkriegen. "Ich werde Präsident Selenskyj heute sagen: 'Auf unsere Hilfe könnt ihr weiter zählen.'"

Merz hatte der Ukraine bereits am Donnerstag in einer Grundsatzrede die anhaltende Solidarität Deutschlands im Abwehrkampf gegen Russland zugesichert - trotz aller Widerstände gegen weitere Milliardenhilfen im eigenen Land. "Wanken wir in Deutschland, dann wankt Europa. Wankt Europa, dann wankt auch die Ukraine", mahnte er bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die Nato in Münster.

Das Versprechen, weiter fest an der Seite der Ukraine zu stehen, soll nun mit dem Besuch in Kiew untermauert werden. Deutschland ist finanziell und militärisch der wichtigste Unterstützer der Ukraine. Es gibt aber wachsenden Widerstand gegen die Milliardenhilfen. AfD, Linke und BSW machen mit dem Thema Wahlkampf, worauf Merz in seiner Rede in Münster auch einging. Er sprach von "Parolen der AfD und ihrer russischen Hintermänner". Man werde sich in Deutschland nicht spalten lassen, versprach er den Ukrainern. 

4. Oktober, 7.03 Uhr: Moskau ruft Ausländer zum Verlassen Kiews auf

Es ist wohl die gefährlichste Reise eines Bundeskanzlers in das Kriegsgebiet seit der russischen Invasion im Februar 2022. Die Sicherheitslage in der Ukraine hat sich in den vergangenen Monaten massiv verschlechtert. Drohnenangriffe nehmen zu - auch in der Hauptstadt Kiew und auf Personenzüge.

Nur wenige Stunden vor der Ankunft des Kanzler-Zuges warnte das russische Außenministerium ausländische Besucher und Diplomaten vor einem Aufenthalt in Kiew. Sie sollten die Stadt verlassen und sich vor allem nicht in der Nähe von militärischen Objekten und Regierungsgebäuden aufhalten, hieß es in einer Mitteilung. 

Als Grund nannte das Ministerium, dass die russischen Streitkräfte "als Reaktion auf die terroristischen Aktionen der ukrainischen Streitkräfte gegen die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur unseres Landes (Russlands) weiterhin systematisch gezielte Schläge gegen militärische Ziele in Kiew und anderen ukrainischen Städten führen". 

Schwer bewaffnete Polizisten eines Sondereinsatzkommandos der polnischen Polizei sichern in Przemysl die Abfahrt des Zuges mit dem Bundeskanzler für die Fahrt nach Kiew.  © Kay Nietfeld/dpa

2. Oktober, 21.57 Uhr: Russische Drohnen treffen Autos in Charkiw

Beim Angriff russischer Kampfdrohnen in der ostukrainischen Oblast Charkiw sind mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen.

Die Drohnen hätten zwei Privatautos verfolgt und getroffen, teilten die regionalen Behörden mit. Ein Beifahrer in einem der Autos sei schwer verletzt worden. Nach Angaben der Behörden sei im Tagesverlauf eine Reihe von Fahrzeugen von russischen Drohnen angegriffen und zerstört worden. Dabei sei jedoch niemand zu Schaden gekommen.

2. Oktober, 17.53 Uhr: Ein Toter bei russischem Angriff auf Frachter in Odessa

Bei einem russischen Angriff auf einen Frachter im Hafen der ukrainischen Küstenstadt Odessa ist ein Besatzungsmitglied getötet worden.

Drei weitere Matrosen wurden bei dem Angriff verletzt, wie die Hafenbehörden auf Telegram mitteilten.

2. Oktober, 16 Uhr: Moskau warnt Ausländer vor Aufenthalt in Kiew

Das russische Außenministerium hat ausländische Besucher und Diplomaten erneut vor einem Aufenthalt in der ukrainischen Hauptstadt Kiew gewarnt. Sie sollten vielmehr die Stadt verlassen oder sich nicht in der Nähe von militärischen Objekten und Regierungsgebäuden aufhalten, heißt es weiter in einer Mitteilung des Außenamts in Moskau. 

Als Grund nannte das Ministerium, dass die russischen Streitkräfte "als Reaktion auf die terroristischen Aktionen der ukrainischen Streitkräfte gegen die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur unseres Landes (Russlands) weiterhin systematisch gezielte Schläge gegen militärische Ziele in Kiew und anderen ukrainischen Städten führen".

Russlands Präsident Wladimir Putin (73) lässt Kiew immer heftiger angreifen.  © -/Kremlin/dpa

2. Oktober, 18.38 Uhr: Südbrücke in Kiew erneut von Drohne getroffen

Die bereits beschädigte Südbrücke in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist erneut von einer russischen Kampfdrohne getroffen worden.

Das teilte Bürgermeister Vitali Klitschko (55) auf Telegram mit. Er wies darauf hin, dass die Brücke nach mehreren Angriffen sowohl für den Autoverkehr als auch für U-Bahnen gesperrt bleibe. Die Südbrücke war bereits am Donnerstag von drei Drohnen getroffen worden.

2. Oktober, 17.15 Uhr: Tote und Verletzte bei russischem Luftangriff auf Charkiw

Bei einem russischen Luftangriff auf die ostukrainische Stadt Charkiw sind nach offiziellen Angaben mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Weitere 28 Menschen seien durch Gleitbomben verletzt worden, teilte der regionale Militärverwalter Oleh Synjehubow auf Telegram mit. Möglicherweise befänden sich noch weitere Opfer unter den Trümmern getroffener Wohnhäuser.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) warf dem russischen Militär vor, auf Anordnung von Kremlchef Wladimir Putin (73) die Städte der Ukraine zu zerstören. "Aus Geheimdienstinformationen und von einigen Personen aus Putins Umfeld wissen wir, dass Putin Anfang September gesagt hat: 'Jetzt gibt es keine Regeln mehr'", schrieb Selenskyj auf der Plattform X. Russland habe die Ukraine nicht besetzen können. "Deshalb führen sie nun massive Angriffe durch und töten in großem Umfang."

Hat Putin (73) seine letzten Regeln für den Krieg eingestellt?  © Ulf Mauder/dpa

2. Oktober, 15.31 Uhr: Ukrainische Agrarexporte haben sich halbiert

Aufgrund der durch Russland blockierten Schwarzmeerhäfen haben sich die ukrainischen Agrarexporte mehr als halbiert.

"Das bedeutet, dass wir im laufenden Wirtschaftsjahr (2026/2027) etwa 30 Millionen Tonnen landwirtschaftlicher Erzeugnisse im Wert von rund 30 Milliarden US-Dollar (rund 26 Milliarden Euro) nicht exportieren können", sagte Landwirtschaftsminister Taras Wyssozkyj Journalisten gemäß einer Meldung von Interfax-Ukraine. 

Mehr zum Thema Ukraine: