Ukraine-Krieg: Russland hat laut Selenskyj mit Mobilmachung begonnen

Kiew -  Sirenen heulen, Luftalarm in Kiew, schnell der Blick aufs Handy: Gelb oder Rot? Zeigt die Warn-App Rot, dann bedrohen ballistische Raketen oder Drohnenschwärme aus Russland die Hauptstadt der Ukraine – höchste Zeit, einen Schutzraum aufzusuchen! 

Lokomotiven stehen auf den Gleisen, während in der Nähe ein städtischer Markt nach einem russischen Drohnenangriff brennt.  © Efrem Lukatsky/AP/dpa

Bei Alarmstufe Gelb sind einzelne Drohnen in der Luft. Dann versucht die Millionenstadt am Dnipro trotz Gefahr ihr Leben weiterzuleben. Betriebe müssen nicht schließen

Aber U-Bahnstationen werden zu Schutzräumen. Schulen brechen den Unterricht ab, die Kinder gehen in Bunker oder sitzen in der Metro.

Die Ampelregelung gilt seit Anfang September. Die Hauptstadt soll nicht jedes Mal zum Stillstand kommen, selbst wenn die Alarme sich häufen.

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Kiew ist seit Beginn der Großinvasion 2022 oft aus der Luft beschossen worden, war aber besser geschützt als Charkiw dicht an der russischen Grenze oder die Hafenstadt Odessa.

Doch seit dem Sommer ist die Lage gefährlicher geworden. "Der Feind hat seine Angriffe verstärkt", sagt Bürgermeister Vitali Klitschko.

Alle relevanten Informationen zum Geschehen in der Ukraine und Russland gibt es hier im TAG24-Newsticker.

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28. September, 21 Uhr: Russland hat laut Selenskyj mit Mobilmachung begonnen

Russland hat nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (48) bereits mit einer zusätzlichen Mobilmachung begonnen.

"Sie (die Russen) planen auch, verstärkt Ausländer einzubeziehen", sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache und berief sich auf Erkenntnisse der ukrainischen Geheimdienste. Seit Monaten wird über eine neue Mobilmachung in Russland spekuliert, um die zuletzt starken Verlusten an den Frontlinien in der Ukraine auszugleichen. Kremlchef Wladimir Putin (73) hat solche Befürchtungen bisher kategorisch zurückgewiesen. 

Zudem gebe es neue Informationen zur Präsenz nordkoreanischer Soldaten in Russland. "Derzeit befinden sich mehr als 8000 nordkoreanische Soldaten auf russischem Territorium", sagte Selenskyj.

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) warnt vor einer neuen Mobilmachung der Russen.  © Heather Khalifa/FR172147 AP/dpa

28. September, 20.56 Uhr: Eine Tote bei russischem Angriff auf Akademie der Wissenschaften in Kiew

Bei einem russischen Drohnenangriff auf die Akademie der Wissenschaften im normalerweise gut geschützten Zentrum der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist nach ukrainischen Angaben eine Frau getötet worden.

Sechs weitere Menschen seien verletzt worden, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) am Montag.

28. September, 19.28 Uhr: Wadephul stellt Bedingungen für Folgetreffen mit Russland

Außenminister Johann Wadephul (63, CDU) hält weitere Treffen mit Russland nach dem Gespräch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow (76) nur unter Bedingungen für sinnvoll. "Folgetreffen machen nur dann Sinn, wenn Russland ernsthaft zu Verhandlungen bereit ist", sagte der CDU-Politiker bei einem Treffen mit seinem niederländischen Kollegen Tom Berendsen (43) in Den Haag auf die Frage, ob es weitere Gespräche, etwa von Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin (73), geben solle.

"Die Reaktion, die ich jetzt öffentlich von Herrn Lawrow gehört habe, zeigt ja zum jetzigen Zeitpunkt keine ernsthafte Gesprächsbereitschaft", sagte Wadephul. Alle, die immer wieder gefordert hätten, man müsse endlich mit Russland direkte Gespräche führen, sähen nun, "dass auch direkte Gespräche dann nichts bringen, wenn der Gesprächspartner auf einer fundamentalen Position der weiteren Kriegsführung beharrt". Er fügte hinzu: "Solange das der Fall ist, glaube ich, brauchen wir das Gespräch nicht fortsetzen."

Außenminister Johann Wadephul (63, CDU) hat sich bei einem Treffen mit seinem niederländischen Kollegen Tom Berendsen (43) in Den Haag negativ über Folge-Treffen mit Russland geäußert.  © Sebastian Gollnow/dpa

28. September, 17.34 Uhr: Deutsch-russisches Treffen verdeutlicht für Kallas falsche Annahmen

Von dem Treffen des russischen Außenministers Sergej Lawrow (76) mit seinem deutschen Amtskollegen Johann Wadephul (63, CDU) geht nach Einschätzung von EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas (49) ein klares Signal aus. Dieses laute, dass Moskau nicht bereit sei, den Krieg in der Ukraine zu beenden.

Es sei nun für jeden sehr deutlich, dass Russland überhaupt kein Interesse an Frieden habe, sagte Kallas nach einem Treffen der EU-Verteidigungsminister in Brüssel. Außerdem behandele man seinen Gesprächspartner nicht auf diese Weise. Interessant sei, dass viele Akteure außerhalb Europas zuletzt gesagt hätten, man solle mit den Russen sprechen, und dann werde es ein Ergebnis geben.

EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas (49) zieht nach dem dem Treffen des russischen Außenministers Sergej Lawrow (76) mit seinem deutschen Amtskollegen Johann Wadephul (63, CDU) ein bitteres Fazit.  © Frederic Sierakowski/EU Council/dpa

28. September, 16.17 Uhr: Laut Selenskyj auch Klinik in Kiew getroffen

Bei einer Serie russischer Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ist nach offiziellen Angaben auch eine Klinik getroffen worden.

"Derzeit versuchen die Rettungskräfte, den Brand schnellstmöglich zu löschen", schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) auf Telegram. Zu möglichen Opfern dieses Angriffs wurden keine Angaben gemacht. 

Rettungskräfte löschen einen Brand im Dobrobut-Krankenhaus und in einem Wohnhaus, die bei einem russischen Drohnenangriff im Zentrum von Kiew in der Ukraine beschädigt wurden.  © Evgeniy Maloletka/AP/dpa

28. September, 12.46 Uhr: Russischer Angriff auf Wohnhaus in Charkiw - 29 Verletzte

Bei russischen Angriffen sind in der Ukraine erneut zwei Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. In Charkiw im Osten des Landes wurden nach Angaben von Bürgermeister Ihor Terechow 29 Menschen bei einem russischen Angriff auf ein Wohnhaus verletzt, darunter zehn Minderjährige. Russland habe Gleitbomben eingesetzt. 

Auch die Hauptstadt und ihr Umland waren einmal mehr Ziel russischer Attacken. In der Region Kiew kamen Präsident Wolodymyr Selenskyj zufolge zwei Menschen durch russische Angriffe ums Leben. Bei einem handele es sich um einen aserbaidschanischen Staatsbürger.

Selenskyj schrieb außerdem von Drohnenangriffen und Schäden unter anderem an Wohnhäusern, Telekommunikationsinfrastruktur und Tankstellen in der Hauptstadt Kiew. In der Region Odessa sei ein Schiff unter der Flagge von Palau getroffen worden. Regionale Behörden sprachen dort von zwei Verletzten.

Russland überzieht die Ukraine mit Krieg. Präsident Selenskyj beklagt Tote im Kiewer Umland. Auch ein Angriff auf ein Wohnhaus in der Ostukraine ist folgenschwer.  © Uncredited/Dnipro Regional Administration/AP/dpa

28. September, 6.09 Uhr: Wie schlimm wird der kommende Winter?

Trotzdem geht in diesen Septembertagen die Furcht vor einem noch schlimmeren Winter um. Im vergangenen Januar zerschoss Russland die Kiewer Energieversorgung. Hunderttausende Menschen saßen wochenlang bei strengem Frost fast im Dunkeln und froren. Die Stadtverwaltung meldet, das Heizsystem sei bereit. Kleine dezentrale Kraftwerke seien gebaut worden.

Was aber, wenn diesmal noch mehr zusammenkommt: Treffer auf Kraft- und Umspannwerke, kaum Möglichkeiten der Abwehr, dazu Probleme bei Benzin, Wasser, Lebensmitteln, Medikamenten? Vor einem "verheerenden Kriegswinter" für die Zivilbevölkerung warnen Hilfswerke wie die deutsche Diakonie. 

"Ich mag gar nicht darüber nachdenken", sagt eine zweite Händlerin auf dem Bücherbasar Petriwka. Zuversicht gibt ihr nur, dass sie und ihre ukrainischen Landsleute an Härten gewöhnt seien und improvisieren könnten. "Hier ist es eigentlich noch nie gut gewesen." Aufgeben will sie nicht, sehnt sich aber nach einem Ende des Krieges: "Es wäre gut, wenn die da oben sich schnell etwas einfallen lassen."

An der U-Bahnstation Lukjaniwka steht ein Einkaufzentrum, ausgebrannt bei einem russischen Luftangriff. Die U-Bahnstation und ein Schnellrestaurant werden weiter genutzt.  © Friedemann Kohler/dpa

28. September, 6.07 Uhr: Furcht an der Tankstelle: Schnell tanken, dann weg!

Ein neues Ziel sind Tankstellen. "Ich bin nervös", gesteht ein Tankwart an einer Tankstelle im Stadtteil Obolon. Und er merkt, dass seine Kunden keine Pause mehr einlegen.

Tanken, zahlen, schnell weg! Auch bei ihm der Blick aufs Handy: "Wenn Drohnen über Kiew sind, machen wir dicht", sagt er. Seine Sicht auf die russische Strategie: "Sie wollen uns Angst machen, damit wir auf ihre Bedingungen eingehen."

Seine Tankstelle ist noch heil. Kollegen in 200 Metern Entfernung hätten weniger Glück gehabt, erzählt er. "Das waren zwei Shahed" – so werden die russischen Drohnen aufgrund der Herkunft der ersten Modelle aus dem Iran immer noch genannt.

"Eine hat das Ziel verfehlt. Die Zapfsäulen wurden nicht getroffen." An jener anderen Tankstelle des Staatskonzerns Ukrnafta ist das Dach beschädigt, Holzplatten ersetzen die Glasscheiben. Doch der Betrieb läuft wieder.

An einer Tankstelle sind durch einen russischen Drohnenangriff das Dach beschädigt und die Fenster zerstört worden.  © Friedemann Kohler/dpa

28. September, 6.04 Uhr: Noch keine Abwehr gegen schnelle neue Drohnen

Erstens setzt die russische Armee immer mehr schnelle Kampfdrohnen mit Düsenantrieb ein. Gegen den Drohnentyp Geran-5 hat die ukrainische Flugabwehr noch kein Gegenmittel; bei Munition gegen ballistische Raketen ist sie ohnehin blank. 

Zweitens wird nicht mehr nur nachts angegriffen, die Drohnen fliegen fast den ganzen Tag. Der vergangene Freitag: 10 Mal Alarm, insgesamt fast 9 Stunden lang, mehrere Einschläge und Brände, 7 Tote und 59 Verletzte. Bilanz für Sonntag: mehr als 18 Stunden Alarm, 3 Tote und ein Dutzend Verletzte. "In Kiew ist kein Krieg, das ist Terror und Mord an der Zivilbevölkerung", sagt ein demobilisierter Armeeoffizier. 

Drittens zielen die Angriffe immer mehr auf Einrichtungen des täglichen Lebens. Zwar attackiert auch die Ukraine in Russland die Lager von Online-Händlern. Doch Russland hat in Kiew Baumärkte, Lebensmittel- und Kühllager, Arzneimittelfabriken, Datenzentren für Telefon und Internet beschossen. Ein Lager für Haustierbedarf wurde zerstört.

Ukrainische Schüler und Schülerinnen suchen während eines Luftalarms Schutz in einer U-Bahnstation.  © Friedemann Kohler/dpa

27. September, 21.54 Uhr: Tote und Verletzte nach russischem Angriff

Bei einem russischen Angriff auf einen Markt in einem Vorort der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind nach ersten Angaben mehrere Menschen getötet und verletzt worden.

Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete am Abend auf Telegram von zwei Toten und mindestens vier Verletzten. Andere Quellen sprachen von mindestens zehn Verletzten. Der Kiewer Militärverwalter Timur Tkatschenko sprach ebenfalls von zwei Todesopfern nach dem Drohnenangriff auf den Markt im Bezirk Butscha.

Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete von dem Angriff.  © Aleksandr Gusev/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

27. September, 16.51 Uhr: Weitere Tote und Verletzte bei russischen Angriffen

Russische Luft- und Drohnenangriffe gegen ukrainische Städte haben unter der Zivilbevölkerung nach offiziellen Angaben erneut Opfer gefordert.

In der Hauptstadt Kiew starb ein Mensch bei der Explosion einer Kampfdrohne, weitere vier Personen wurden verletzt, wie die regionale Militärverwaltung mitteilte. Die Drohnen explodierten in verschiedenen Stadtteilen. Beim Einschlag einer Drohne im Bezirk Browary sei unter anderem ein größeres Lagerhaus getroffen und beschädigt worden.

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