Familien bangen um ihre Existenzen: Katerstimmung und Wut am Zwickauer VW-Werkstor
Zwickau - Katerstimmung bei VW in Zwickau-Mosel. Nach der Frühschicht kamen am Montag rund 150 Mitarbeiter zur Betriebsversammlung vor dem Werkstor zusammen. Seit voriger Woche steht wieder eine Angst im Raum, die eigentlich längst vom Tisch sein sollte: Muss ausgerechnet Sachsens E-Auto-Werk um seine Zukunft zittern?
Nach weiterhin nicht bestätigten Berichten steht das Werk mit rund 8000 Beschäftigten auf der Kippe - genauso wie drei weitere Standorte in Deutschland.
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (52, SPD) kam deshalb am Montag persönlich nach Mosel und stellte sich demonstrativ vor die Belegschaft: "Wir kämpfen für euch. Es gibt eine Standortvereinbarung und wir erwarten vom Vorstand, dass er seine Zusagen einhält."
Panter bekräftigte gleichzeitig seinen umstrittenen Vorschlag, Volkswagen könne in Zwickau auch mit chinesischen Herstellern zusammenarbeiten: "Es gibt genug Modelle, die hier produziert werden könnten. Wir brauchen hier eine Perspektive."
Für die Männer und Frauen am Werkstor klang das zumindest nach einem Plan in einer Lage, in der aus Wolfsburg vor allem Schweigen kommt.
Betriebsrats-Chef Mike Rösler (43) brachte die Stimmung auf den Punkt: "Die Nachricht hat hier eingeschlagen wie eine Bombe. Wir haben geliefert, jetzt liegt es am Unternehmen."
Nervosität bei VW-Mitarbeitern
Mitarbeiter Alexander (38) kam direkt nach seiner Frühschicht zur Versammlung. Er glaubt nicht, dass die Entscheidung für oder gegen den Standort schon gefallen ist. Aber die Nervosität sitzt tief:
"Das Schlimmste ist die Ungewissheit. Erst heißt es, es werden drei Werke geschlossen, dann gar keins, jetzt auf einmal sind es vier. Es ist wichtig, dass wir als Mannschaft jetzt hier zusammenstehen."
Während in Mosel die Menschen auf klare Antworten warten, bleibt Volkswagen in Wolfsburg kühl:
"Die zugrunde liegenden Sachverhalte werden in den zuständigen Gremien besprochen und verabschiedet. Diesem Prozess werden wir nicht vorgreifen", teilte ein Sprecher bereits am Freitag mit.
Titelfoto: Bildmontage: Ralph Kunz (3)

