Retten Ersatzteile das Werk in Zwickau? VW startet Demontage von Gebrauchtwagen
Zwickau - Tür ab, Motor raus: Bei VW in Zwickau-Mosel werden Autos jetzt auch serienmäßig auseinandergebaut! Am Mittwoch startete der trudelnde Auto-Konzern seine erste Demontagelinie. Alte Fahrzeuge sollen Ersatzteile, Rohstoffe und neue Einnahmen liefern. Doch reicht das, um dem Werk mit seinen rund 8000 Beschäftigten eine Zukunft zu sichern?
Zum Auftakt schraubte Markenchef Thomas Schäfer (56) medienwirksam selbst die Tür eines gebrauchten Golfs ab. "Ab heute bauen wir in Zwickau Autos nicht nur zusammen, sondern auch wieder auseinander, mit derselben industriellen Präzision", erklärte er.
In nur neun Monaten wurde die neue Linie eingerichtet. In Halle 23 geht es an acht Stationen den Autos an die Teile. Nach einem Fahrzeugcheck werden Türen, Kotflügel und Leuchten ausgebaut, später auch Motor und Getriebe.
Was noch brauchbar ist, wird geprüft, fotografiert und einzeln verpackt. Die Originalteile sollen an Händler und Werkstätten gehen und bei der Reparatur älterer Autos wieder zum Einsatz kommen.
Der Start ist überschaubar, die Pläne sind groß: 2027 sollen im Zwei-Schicht-Betrieb 4100 Fahrzeuge verschiedener Konzernmarken zerlegt werden. Bis 2030 könnten es jährlich 15.000 sein.
Die Zahl der Arbeitsplätze in dem Geschäftsfeld soll von zunächst 100 auf bis zu 1000 wachsen.
Sachsens Wirtschaftsminister spricht von wichtigem Meilenstein
Bis zu 90 Millionen Euro will VW nach früheren Angaben in das neue Kompetenzzentrum investieren. Wie viel Geld der Konzern mit gebrauchten Teilen verdienen will, ist unklar.
Sachsen unterstützt das Vorhaben mit 10,7 Millionen Euro. Wirtschaftsminister Dirk Panter (52, SPD) spricht von einem "wichtigen Meilenstein für die Zukunft des Automobillandes Sachsen", aber auch von einem "zweiten Standbein: Hauptbetätigungsfeld bleibt die Fahrzeugproduktion". Auch der Betriebsrat fordert: Künftig müssen hier weiterhin neue Wagen vom Band rollen.
Für Zwickau geht es um viel. Anfang der 2030er-Jahre droht dem Standort das Ende der Autoproduktion.
Titelfoto: Uwe Meinhold
