Deutsche Astronauten fordern mehr Unabhängigkeit Europas im All
Von Dorothea Hülsmeier
Köln - In Köln üben Astronauten den Alltag auf dem Mond. Wieso Europa dabei nach mehr Unabhängigkeit streben sollte, erklären die beiden Weltraumfahrer Matthias Maurer (56) und Alexander Gerst (50). Für sie ist der Mond der "achte Kontinent".
"Wenn es Richtung Mond geht, dann möchten wir das gemeinsam mit Partnern machen", sagte Maurer bei einem Besuch von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (51, CDU) in der Mondsimulationsanlage LUNA in Köln. Wenn es aber um die Internationale Raumstation ISS oder eine Nachfolgestation gehe, dann müsse Europa unabhängig werden von Partnern, die vielleicht nicht mehr ganz so zuverlässig seien wie in der Vergangenheit.
"Wir fliegen momentan mit Amerikanern und auch mit Russen ins All", sagte Maurer. "Wir wünschen uns als Europa eine eigene Kapsel für europäische Astronautinnen und Astronauten."
"Der Mond ist der achte Kontinent unserer Zeit, und der wird entdeckt werden wie die Antarktis vor hundert Jahren", sagte der deutsche Astronaut Alexander Gerst. "Nicht um eine Flagge mehr aufzustellen", betonte er. "Jetzt geht es voran. Wir gehen als Wissenschaftlerinnen und als Wissenschaftler dorthin."
In wenigen Jahrzehnten werde es auf dem Mond Forschungsstationen geben wie jetzt schon die deutsche Neumayer-Station in der Antarktis, wo internationale Forscher friedlich zusammenarbeiten. Deshalb sei es wichtig, dass Europa mit dabei sei und "dass wir das nicht den anderen überlassen, weil das wird passieren, mit uns oder ohne uns".
Ministerpräsident Wüst sagte: "Wenn Sie jetzt den Weg zum Mond sehen, sind wir da ganz weit vorne." Auch aus geostrategischen und Sicherheitsgründen müsse Europa stark sein in der Luft- und Raumfahrt. NRW wolle als wichtiger Standort einen Beitrag leisten, "dass der Weg zum Mond über Nordrhein-Westfalen geht, weil wir hier eben gute Trainingsmodule haben".
Deutsche Astronauten wollen auf den Mond
Die Simulationsanlage des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Europäischen Weltraumorganisation ESA spielt eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung künftiger Mondmissionen. Dort können Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Astronauten neue Technik wie Roboter oder Raumanzüge unter realistischen Bedingungen testen, seit Kurzem mit einer neuen Sonnensimulationsanlage.
Besucherinnen und Besucher der Simulationsanlage LUNA können durch ein großes Fenster einen Blick auf die rund 700 Quadratmeter große Mondlandschaft unter ihnen werfen. Sie sehen das Modell einer Mondlandefähre, Felsbrocken, Krater - und etwa 900 Tonnen Staub. Der Staub wurde aus Basalt hergestellt und stammt aus einem Steinbruch im Rhein-Sieg-Kreis. Er soll dem Original-Mondstaub sehr ähnlich sein.
Den beengten Alltag auf einer künftigen Mondstation können Astronauten in Köln in einem neuen Wohn- und Arbeitsquartier für vier Personen mit Schlafkabinen, Sanitäranlagen, Luftschleuse und Labor simulieren. Kommendes Jahr wird mit EDEN-LUNA zudem ein Gewächshaus an das Mondzentrum angebaut.
Die beiden erfahrenen deutschen Astronauten Gerst und Maurer, die beide schon auf der ISS waren, hoffen, dass sie bei künftigen Artemis-Mondmissionen dabei sein können. Für 2028 sind gleich zwei Mondmissionen geplant. Erstmals nach einem halben Jahrhundert sollen dann wieder Menschen auf dem Mond landen.
Titelfoto: Bildmontage: Henning Kaiser/dpa (2)

