Von Simone Rothe
Ilmenau - Pilzwanderungen im Thüringer Wald sind schnell ausgebucht, die Körbe der Sammler gut gefüllt.
Der Regen der vergangenen Tage hat den Pilzen in Wäldern und auf Wiesen im Freistaat gutgetan. Die Saison laufe jetzt, sagte die Pilzsachverständige Yvonne Gießler-Stumpf der Deutschen Presse-Agentur.
Wegen der trockenen und oft heißen Sommer habe sich die Saison seit einigen Jahren in den September verlagert, dauere aber auch länger. Sie vertrete die Ansicht: "Es geht nichts vor dem 15. September."
"Die Wälder sind voll, Pilzberatungen werden häufig angefragt, und die ersten Pilzvergiftungen gibt es leider auch", erklärte Gießler-Stumpf zum Saisonstart. Sie gehört dem Vorstand der Thüringer Arbeitsgemeinschaft Mykologie an.
Derzeit gebe es vor allem gute Funde auf eher sandigen Böden. Steinpilze, Maronen, Sandpilze, Hexenröhrlinge, aber auch Rotkappen und Birkenpilze sowie Reizker und Täublinge ließen sich blicken. Erfreulich sei, dass wieder mehr junge Leute Spaß am Pilzesammeln und den Naturerlebnissen hätten.
Nur pflücken, was man wirklich kennt
Die Sachverständige warnte davor, KI-Systemen, Fotos oder Videos bei der Pilzbestimmung zu vertrauen. "Was man nicht kennt, sollte man unbedingt stehen lassen." Selbst geschulte, erfahrene Pilzberater würden anhand von Fotos nur in Notfällen, wenn es den Verdacht auf eine Vergiftung gibt, Pilze bestimmen.
Eine Gefahr seien nicht nur giftige, sondern auch alte, eigentlich essbare Pilze, betonte Gießler-Stumpf. Zu alte Pilze könnten wegen ihres Eiweißgehalts zu Symptomen wie bei einer Lebensmittelvergiftung führen. Insgesamt sei bei Pilzen mit Lamellen die Gefahr größer, dass giftige oder ungenießbare Arten in den Sammelkorb kommen.
Nach Angaben von Experten wachsen in Thüringen etwa 500 Pilzarten, die mit bloßem Auge sichtbar sind. Darunter seien nach Schätzungen etwa 100 Speisepilze.
Im vergangenen Jahr waren im Unesco-Biosphärenreservat Thüringer Wald zehn bislang in Thüringen unbekannte Pilzarten entdeckt worden.