Fax-Wahnsinn und Unfall: Das sind die Gründe für die ICE-Pannenübung im Sandbergtunnel

Traßdorf - Diese Übung war ein Desaster auf ganzer Linie. Nach dem missglückten Einsatz bei einer Notfall-Übung im Sandbergtunnel hat Innenminister Georg Maier (59, SPD) drei konkrete Ursachen benannt, an denen der Plan gescheitert ist.

Thüringens Innenminister Georg Maier (59, SPD) ist mit dem Verlauf der Übung sichtlich unzufrieden.  © Jacob Schröter/dpa

In einem Interview mit BILD erzählt Thüringens Innenminister von seinem Gemütszustand nach der gescheiterten Übung: "Ich war stinksauer."

Zum Kontext: Am vergangenen Samstag probten Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und weitere Organisationen den Ernstfall im Sandbergtunnel bei Traßdorf.

In diesem fiktiven Szenario waren 100 Fahrgäste (gemimt durch lebende Komparsen) in einem ICE eingesperrt, nachdem der Zug in dem Tunnel Feuer gefangen hatte und zum Stillstand gekommen war. Das Ziel der Einsatzkräfte: Alle Passagiere schnellstmöglich aus dem brennenden Zug befreien, doch dieses Ziel wurde weit verfehlt.

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Rund 122 Minuten mussten die Verunfallten im "brennenden Zug" auf ihre Rettung warten. Wäre diese Simulation real gewesen, hätten sie vermutlich keine Chance gehabt.

Hauptschuldige in der missglückten Aktion sollen demnach die Bahnleitstelle und die Rettungsleitstelle Westthüringen-Eisenach sein. BILD-Informationen zufolge sollen diese jeweils 30 Minuten gebraucht haben, um den entsprechenden Notruf weiterzuleiten.

Obendrein gab es Probleme bei der Koordination der Rettungskräfte: "Es gab einen Unfall in dem Autobahntunnel direkt neben der Übung", erklärte Maier. Ein zusätzlicher technischer Defekt habe zusätzlich "eine deutlich größere Verzögerung herbeigeführt".

Zur Erinnerung: Diese Übung wurde über zwei Jahre hinweg geplant.

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Hier kann man nichts schönreden. Wäre die Übung ein Ernstfall gewesen, wäre sie in einer Tragödie geendet.  © Jacob Schröter/dpa

Kommunikation per Fax

Und dann auch noch das! Die Rettungskräfte standen im Tunnel vor verschlossener ICE-Tür.  © Jacob Schröter/dpa

Nach Bild-Informationen soll die Übung von der Leitstelle, die vom Ilm-Kreis selbst betrieben wird, bewusst nach hinten verschoben worden sein, weil ebendiese mit lediglich zwei Disponenten unterbesetzt war.

Für Kopfschütteln sorgt außerdem der genutzte Kommunikationsweg. Landrätin Petra Enders (parteilos) kritisiert die Thüringer Leitstellen, weil sie immer noch auf veraltete Fax-Geräte zurückgreifen.

Doch damit nicht genug. Eine weitere Panne ereignete sich vor den Türen des Unfall-ICEs selbst. Den Rettern fehlte der passende Schlüssel!

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Zwar stellt Enders sofort klar, dass im Ernstfall natürlich die Scheiben des Zugs eingeschlagen werden, doch die Schlüssel-Panne sorgte für eine weitere Verzögerung in der ohnehin schon langen Rettungsaktion.

Ziel der Übung war es, die "Passagiere" so schnell wie möglich aus dem brennenden Zug zu befreien. Doch erst rund zwei Stunden, nachdem der Lokführer den Notruf abgesetzt hatte, trafen die Rettungskräfte am Einsatzort ein.  © Jacob Schröter/dpa

Folgt nun endlich eine Modernisierung?

Das Land Thüringen möchte schon seit geraumer Zeit die Leitstellen modernisieren. Diese sollen zentralisiert, von 13 auf vier reduziert und modernisiert werden.

Einige Landkreise – darunter auch der Ilm-Kreis – sind jedoch strikt gegen diese Maßnahmen.

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