Von Sebastian Haak
Erfurt - Ob Waffenbesitzer in Thüringen regelmäßig von den dafür zuständigen Behörden kontrolliert werden, hängt stark davon ab, wo genau sie im Freistaat wohnen. Während in einigen Regionen des Landes zwischen 2010 und Anfang 2025 nahezu jeder der dort gemeldeten Waffenbesitzer kontrolliert wurde, hat im gleichen Zeitraum in anderen Teilen des Landes nicht einmal jeder vierte Waffenbesitzer eine solche Kontrolle erlebt, wie aus der Antwort des Thüringer Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken-Landtagsfraktion hervorgeht.
Wenn bei solchen Kontrollen Verstöße festgestellt würden, gehe es häufig um die falsche Aufbewahrung von Waffen und Munition - zum Beispiel außerhalb von Tresoren, schreibt das Ministerium in seiner Antwort.
In Deutschland ist der Besitz bestimmter Schusswaffen nur mit einer staatlichen Erlaubnis legal. Diese werden oft als "scharfe Waffen" bezeichnet, obwohl es auch in Deutschland andere Schusswaffen frei zugänglich zu kaufen gibt, die ebenfalls potenziell tödlich sind. Wer eine solche scharfe Waffe zum Beispiel als Jäger oder Sportschütze besitzen und bei sich lagern möchte, braucht dafür eine Waffenbesitzkarte.
Gleichzeitig gibt es eine solche Waffenbesitzkarte nur, wenn die Waffenbesitzer einwilligen, sich auch unangekündigt von den für sie zuständigen Behörden überprüfen zu lassen und ihnen dafür auch Zugang etwa zu ihrer Wohnung zu gewähren.
Bei solchen Kontrollen wird unter anderem geprüft, ob Waffen und Munition in speziellen Schränken getrennt voneinander gelagert und die Waffen nicht schussbereit aufbewahrt werden.
Wenige Kontrollen auch in der Hauptstadt
Nach den aktuellen Daten aus dem Nationalen Waffenregister gab es im September 2026 in Thüringen etwa 28.300 Männer und Frauen, die die Erlaubnis hatten, legal scharfe Waffen zu besitzen und diese zum Beispiel in ihrer Wohnung zu lagern. Diese Menschen besaßen insgesamt etwa 130.600 Waffen. Viele Waffenbesitzer - egal, ob Sportschützen oder Jäger - besitzen gleichzeitig mehrere Pistolen oder Gewehre.
Für die Kontrollen der Waffenbesitzer sind die Landkreise und kreisfreien Städte zuständig. Während die verantwortlichen Mitarbeiter im Altenburger Land aber zwischen 2010 und 2025 fast 93 Prozent aller dort registrierten Waffenbesitzer kontrollierten, lag die entsprechende Kontrollquote nach Angaben des Innenministeriums etwa im Ilm-Kreis oder im Landkreis Hildburghausen deutlich niedriger.
Im Ilm-Kreis wurden im gleichen Zeitraum nur etwa 23 Prozent der Waffenbesitzer kontrolliert, also nicht einmal jeder vierte Waffenbesitzer. In Hildburghausen gab es nur bei etwa jedem dritten Waffenbesitzer Kontrollen.
Besonders hoch waren die Kontrollquoten auch in Sömmerda und Jena sowie Gotha. Vergleichsweise niedrig waren sie zum Beispiel in Suhl, Erfurt und Sonneberg.