Traßdorf - Ein simulierter Rettungseinsatz am Samstag (8. August) im Eisenbahntunnel Sandberg bei Traßdorf (Ilm-Kreis) mit über 250 Einsatzkräften lief überhaupt nicht nach Plan. Einen Tag danach ist klar, dass es im Ernstfall wahrscheinlich zu einer Tragödie gekommen wäre.
Laut Angaben der Einsatzleitung gab es vereinzelt Dinge, die nicht reibungslos funktioniert haben. Beispielsweise seien die Rettungsteams zu spät am Einsatzort eingetroffen. Weiterhin habe das Alarmsystem an vielen Stellen nicht rechtzeitig funktioniert.
Ein Focus-Bericht legt allerdings nahe, dass die Bilanz etwas zu positiv gezogen wurde. Eine Tragödie wäre demnach im Ernstfall nicht auszuschließen gewesen. Die Übung soll so massiv schiefgelaufen sein, dass Dutzende Menschen in einem echten Szenario gestorben wären.
Bei der Katastrophenübung war ein Brand eines ICE mit rund 100 Komparsen, die als Zugpassagiere fungierten, simuliert worden.
Hierbei sollte getestet werden, wie die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, Rettungsdiensten und Behörden im Ernstfall funktioniert.
"Wäre das hier echt, wären längst alle tot", wird ein Feuerwehrexperte vom Portal Insuedthueringen zitiert. Die Zustände sollen chaotisch gewesen sein.
Landrätin des Ilm-Kreises soll "erschüttert" gewesen sein
Gegen 10.15 Uhr setzte ein Lokführer einen Notruf ab. Rettungskräfte sollten eigentlich innerhalb von 10 bis 25 Minuten am Tunnel eintreffen. Laut Insuedthueringen trafen erste Kräfte aber erst 12.22 Uhr, also zwei Stunden und sieben Minuten nach Alarmierung, ein. Hätte es wirklich gebrannt, wären die Passagiere wohl Opfer der Flammen geworden.
Erfahrene Einsatzkräfte, die die Übung im Tunnel bewerten sollten, sollen fassungslos gewesen sein. Thüringens Innenminister Georg Maier (59, SPD) und Petra Enders (60, parteilos), Landrätin im Ilm-Kreis, verfolgten die Übung ebenfalls vor Ort. Besonders die Landkreis-Chefin soll sich "erschüttert" gezeigt haben.
Daniel Baumbach, Sprecher des Thüringer Innenministeriums, bestätigte gegenüber Focus online, dass bei der Großübung bei der Alarmierung "etwas schiefgegangen" sei. Was genau, sollen jetzt Fachleute klären. Eine Übung sei "ja dazu da, Fehlerquellen aufzudecken", so Baumbach.
Außerdem wies er darauf hin, dass nicht das Ministerium, sondern der Ilm-Kreis für "Organisation, Durchführung und Auswertung" der Tunnelübung verantwortlich sei. Offen ist nun, welche Konsequenzen aus dem verpatzten Probeeinsatz gezogen werden.
Erstmeldung 9. August, 10.53 Uhr, Update um 16.49 Uhr