Weniger ADHS-Neudiagnosen bei Kindern in Thüringen: Experten mahnen trotzdem

Von Jasmin Beisiegel

Erfurt - Entgegen dem Bundestrend sind in Thüringen die Neudiagnosen mit der Aufmerksamkeitsstörung ADHS bei Kindern und Jugendlichen zurückgegangen.

Kinder mit ADHS haben häufig mit Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität oder auch Impulsivität zu kämpfen. (Symbolfoto)  © Julian Stratenschulte/dpa

Die Anzahl sank 2024 im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent, wie aus dem aktuellen Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervorgeht. Nach der Hochrechnung der DAK wurde bei rund 3800 jungen Menschen ADHS neu diagnostiziert. Bundesweit gab es einen Anstieg von 16 Prozent. 

Der Rückgang bei den Diagnosen im Freistaat solle jedoch nicht mit einem geringeren Bedarf an Diagnostik und Unterstützung gleichgesetzt werden, betonte Heike Reichelt, Thüringer Landesvorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzten (BVKJ).

"Aus meiner Praxiserfahrung spielen die verfügbaren Diagnostikplätze bei der Einordnung der aktuellen Entwicklung eine wichtige Rolle", sagte sie. "Aus Kapazitätsgründen kann ich aktuell deutlich weniger Diagnostik bei Schulkindern durchführen und lege den Schwerpunkt auf Vorschulkinder."

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Manuela Rabe, zweite Thüringer BVKJ-Vorsitzende, vermutet hinter dem Rückgang der Diagnosen Einschränkungen und lange Wartezeiten bei der Versorgung. "Deshalb sollten wir genauer hinschauen, ob tatsächlich weniger ADHS-Fälle neu erkannt werden oder ob betroffene Kinder und Jugendliche die notwendige Diagnostik zunehmend schwerer erreichen."

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ADHS zählt laut DAK zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Kindesalter. Typische Merkmale sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Betroffen von einer Neudiagnose waren laut dem Report in Thüringen knapp doppelt so viele Jungen (2500) wie Mädchen (1300).

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